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10. März 2019

Tatort: Für immer und dich (Schwarzwald)



Was würdest du tun, wenn du DJ wärst und nun am schwierigsten Punkt dieses Abends stehst?
Du hast den Laden gerockt, richtig geil, die Party war fantastisch.
„Me and Bobby McGee“, „Son of a Preacher Man“ oder sonst was in dieser Art hast du eben gespielt, als ersten der drei Rausschmeisser-Songs. Die Nr. 2, Patent Ochsner, ist gerade noch am Ausklingen, die Leute grölen die letzten Zeilen, der Betreiber tigert nervös an deine Seite und schreit, dass jetzt wirklich Schluss sei. Der absolut letzte Song, sie wollen ja nicht die Polizei im Hause. Ist das klar?
Knapp ein Viertel der Tanzfläche ist noch gefüllt und du hast genau noch diesen einen letzten Song. Diesen wirklich allerallerletzten Song des Abends. Was bringst du nun?
Jüre Hofer hat am Ende vom Down at the doctors immer „Gold“ von Prince gespielt, dieser fantastische Titel war sein Markenzeichen. Mit 7.22 Min natürlich auch perfekt, um die Party zu beenden. In Deutschland hab ich als Schlusspunkt ab und an sogar „Die Internationale“ gehört, und an billigen Lollipop-Feten wird jeweils „Wer hat an der Uhr gedreht“ gespielt.
Aber was bringst du? Was bringt das Barometer? Da ich mich auch nach reichlich überlegen nicht entscheiden konnte, habe ich mich an den wahrscheinlich besten DJ im Grossraum Bern, was solche Partys angeht, gewannt. Für ihn gibt es keine Zweifel. Nach dem was bisher gespielt wurde, kannst du jetzt eigentlich nur noch „My Way“ von Frank Sinatra bringen, und danach darauf warten, dass die Organisatoren das Licht ungemütlich heller werden lassen.
Ich danke für den goldrichtigen Vorschlag vom Profi. „My Way“ ist es! Jedoch nicht vom Frankie Boy. Erstens bin ich nicht der ganz grosse Sinatra Fan und zweitens machen DJ’s ja oft so auf „ich kenn im Fall noch ganz andere Versionen als nur das Original“. Darum gebe ich nun fürs Barometer auch mal den B-Side Wichtigtuer und entscheide mich für das Cover von Elvis Aron - The King - Presley!
Jetzt musst du loslassen. Ab jetzt liegt es nicht mehr in deinen Händen. Es ist vorbei.
So lasst uns also alle gemeinsam, all ihr Helden und Heldinnen, die noch geblieben sind, diesen letzten Song des Abends geniessen und nicht daran denken, was nachher sein könnte.
Dieser Tatort aus dem Schwarzwald. Kein Song, den du dir zuhause anhören würdest, aber wenn er hier und jetzt in diesem Club, unter diesen Umständen läuft, ist er gut. Ist er richtig, richtig gut.
Kein Tatort, den du wünschen würdest, wenn du eine Wahl hättest, aber unter diesen Umständen, an diesem Sonntagabend, ist er gut. Vielleicht sogar richtig gut.

„Für immer und dich“ wurde nach einer wahren Geschichte gedreht.
Der Fall der Maria aus Freiburg hat damals in ganz Deutschland für Schlagzeilen gesorgt. Ein 13-jähriges Mädchen wird vermisst, über fünf Jahre ist es unterwegs, freiwillig, mit einem viel älteren Typen. Vor einigen Monaten ist das Paar nach Hause zurückgekehrt, der Mann wurde verhaftet. 
Spannend daran, dieser Tatort war bereits vor der Rückkehr abgedreht, noch bevor man wusste, was aus ihnen geworden ist. Das Ende ist also komplett offen.

Erwartungs-Barometer: 5.25

Nun stehen wir also auf dem noch glitzernd glänzenden Parkett. Alleine tanzend, aber anständig betrunken, und noch immer im Glauben alles richtig gemacht zu haben heute Abend. Der Song nimmt uns mit, geht tief, passt perfekt. Elvis. Meine Fresse, ist das gut. Genau wie dieser Tatort. Intensiv, geht unter die Haut, wird uns mitnehmen. Was für eine Stimmung, keiner will nach Hause. Lasst uns diesen Moment festhalten. Für immer. Das Leben ist ein solch gutes!

6 = Träume, gute Musik und gute Tatorte
1 = Das Erwachen

Note danach: 5.25
"Für immmer und dich" von Rio Reiser kannst du als letzten Song natürlich auch spielen, keine Frage.


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23. Dezember 2018

Tatort Feiertage 2018 / 2019



Der Übergang vom tristen Herbst in die hoffnungsvolle Weihnachtszeit kommt immer schleichender daher. Wann ist der Moment, in welchem Sehnsüchte den erfüllten Träumen weichen? Wann schneit es im Herbst und wann regnet es im Winter? Wann fällt das letzte Blatt? Wann ist Sehnsucht eine Freude und wann eine Verzweiflung?
Jedenfalls lohnt es sich immer und immer wieder, in der Stadt an einer Tramstation zu warten, die Luft, egal ob duftend herbstlich oder eisig kalt, durch die Nase zu ziehen und sich über das Leben zu freuen.
Glücklich sein im tristen Herbst oder fröhlich frohlocken zu Weihnachten? Völlig egal. Die tiefsten Sehnsüchte, die hoffnungsvollsten Horizonte, alles erschließt sich gegen Ende des Jahres und gipfelte früher jeweils in den Tatort-Glücksmomenten über die Feiertage.

Voll von Tatort-Freude war mir die Welt,
Als noch mein Leben licht war;
Nun, da der Nebel fällt,
Ist keine mehr sichtbar.
Hermann Hesse

Diese ganze Tatort-Misere der letzten Zeit brachte mich auf eine kongeniale Idee:

>> Tatort - 5 - Kampagne zu Weihnachten <<

Früher oder später muss man das Glück in die eigenen Hände nehmen.
Wenn wir nicht mehr auf den Tatort zählen können, wenn der Tatort uns die Freude nicht mehr schenken kann, die wir verdient haben, müssen wir uns halt selber zu helfen wissen.
Wir müssen das Tatort-Glück in uns selber finden. In unserer Seele.
Ab jetzt liegt es an uns, wie gut der Tatort werden wird, nicht mehr an den Sendern.
Und aus diesem Grund rufe ich auf diese Weihnachten hin die „Tatort-5-Kampagne“ ins Leben.
Natürlich war mal eine 6 das Ziel und natürlich war lange eine 5.5 der Anspruch, aber auch das Barometer muss sich den Gegebenheiten anpassen und gibt sich mittlerweile mit „gut“ zufrieden.
Wir wollen gut. Wir sind gut. Der Tatort wird gut.



So. 23.12. - Tatort: Damian (Schwarzwald)

Welch grosse Hoffnungen hatte ich an diese Neulancierung. Von authentischer Polizeiarbeit und grossartig normalen Schauspielern war die Rede. Erfüllt haben sie in den ersten zwei Folgen leider kaum was davon. Jetzt aber scheinen sie die Richtung gefunden zu haben. Ein anstrengender Fall, erschöpfte Kommissare und erschöpfte Seelen. Das Drehbuch wird extrem gelobt. Der perfekte Einstieg um unsere fünfer Serie zu lancieren!

Erwartungs-Barometer: 5
Die Note danach: Eine knäppste 5
Hab ich das nun mit meiner Psyche hingekriegt, oder war der tatsächlich ganz okay?
Jetzt bin ich völlig verunsichert. Hab ich mir den nun einfach schön geredet?
Irgendwie schizophren.


Mi. 26.12. - Tatort: Der Turm (Frankfurt)

Der Hessische Rundfunk lehnt sich einmal mehr weit aus dem Fenster. Und zwar hoch oben, an der Spitze des Turmes. Ein kafkaeskes Bürogebäude, an welchem angeblich gar die Polizei abprallen wird, klingt irgendwie spannend, wenn auch ziemlich unrealistisch. Aber sie probieren, sie riskieren und sie sind auch immer mal wieder richtig gut, in Frankfurt am Main. Janneke und Brix mag ich irgendwie so oder so.

Erwartungs-Barometer: 5
Die Note danach: 4.75
Lang roch das nach einer geschmeidigen 5, wie von mir geplant, aber bei einem solch feigen Schluss kannst du mental noch so bereit sein, auf mehr als eine 4.75 bringst du diesen Tatort einfach nicht, auch nicht mit dem stärksten Willen.
Jetzt muss die Schweiz halt einen rauslassen, damit wir den 5er-Schnitt halten können.


So. 30.12. - Tatort: Friss oder stirb (Luzern)

Und am Ende werden wir dem Flücki nach seinem Abgang gar noch nachweinen. Der Tatort aus Luzern wird besser und besser.
Ein Klassenkampf, der bestens in die Schweiz passt und ein Drehbuch, über welches selbst die Deutschen jubilieren, was will man mehr? Anstatt den verhassten Start-Termin im Sommer, kriegt die Schweiz nun plötzlich das Grande Finale 2018 und bespielt das bravurös.
Stellt euch mal vor, wenn der letzte Tatort des Jahres der beste wäre und auch noch aus der Schweiz kommen würde.
Das wäre dann die Geschichte für ein Weihnachts – Kitsch – Drehbuch.

Erwartungs-Barometer: 5.25
Die Note danach: 5.25
Die Kritiken reichen von „eine Frechheit für den Zuschauer“ bis „der beste Tatort 2018“.
Das Barometer jedenfalls fand ihn klasse (hochdeutsche Version geschaut). 
Und die hervorragend aufspielenden Darstellerinnen und Darsteller, lassen mich sogar über den unfassbaren Tatort-Zufall hinwegsehen, dass ein Mord und eine Geiselnahme, die absolut nichts miteinander zu tun haben, einfach so am selben Tag zusammenkommen.


Di. 01.01. - Tatort: Der höllische Heinz (Weimar)

Weimar darf natürlich nicht fehlen über die Feiertage. Und da gehören sie auch hin. Während sie mich nämlich inmitten des Jahres ziemlich enttäuscht haben, servieren sie uns nun zum Start 2019 ein wunderbares Western-Märchen. Es ist wie immer. Man mag sie oder man mag sie nicht. Es bleibt absurd und unrealistisch. Es bleibt Theater.
Anstatt Tombstone in Arizona, El Dorado in Thüringen. Ich werde es mögen.

Erwartungs-Barometer: 5
Die Note danach: 5
Mit gutem Theater und Nora als Cowgirl, hat man das Barometer auf sicher. Ich mag Weimar.



Wenn die miserablen Autoren es nicht mehr hinkriegen einen guten Krimi zu schreiben und die Regisseure nur noch solchen Bullshit inszenieren wie in diesem Jahr, müssen wir den Tatort halt selber zu einer Fünf pushen. Mit der eigenen Psyche kann man bekanntlich Unmögliches erreichen. Wenn man nur will. Endlich wieder anständige Tatort-Festtage. Nur Dank eurem Willen!

6 = Wir
1 = Sie

Die Feiertags-Bilanz danach: Eine glatte 5 im Durchschnitt.
Die besten Feiertage seit langem. Krass, was sich mit dem Glauben an das Gute alles erreichen lässt. Wenn sich doch der Tatort nur immer auf diesem Niveau bewegen würde.


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13. Mai 2018

Tatort: Sonnenwende (Schwarzwald)


Zitat:
„Der neue Tatort handelt von Öko-Bauern und Neonazis.“

Barometer Kommentar:
Ganz simpel wollte ich in den nächsten drei Einträgen jeweils ein ARD-Zitat und meinen Kommentar dazu veröffentlichen, aber was soll ich da gross kommentieren? 
Öko-Bauern und Neonazis - Juheee.


Erwartungs-Barometer: 4

Die Note danach: Kä Lust



1. Oktober 2017

Tatort: Goldbach (Schwarzwald)


UUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHH!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!


So, das musste jetzt einfach mal gesagt sein. Bitte nicht erschrecken, mit dem neuen Tatort hat das überhaupt nichts zu tun, im Gegenteil.
Aber, und da muss ich ehrlich sein, seit das Barometer so optimistisch unterwegs ist, fehlt ihm irgendwie eine Art Ventil, um seine Welt verarbeiten zu können.
Das jedoch braucht definitiv nicht euer Problem zu sein, denn die Welt des Tatorts, die scheint in allerbester Ordnung.
Wir sind uns ja eigentlich gewohnt, dass bei neu erschaffenen Tatort-Teams so ziemlich alles falsch gemacht wird, was man heutzutage falsch machen kann. Und auch der SWR schien mit seinen Ideen zu einer neue Tatort-Reihe wieder mitten ins klischierte Verderben zu rennen. Aber irgendwie, als wäre es Karma, passierte eine Art Wunder. Es scheint nämlich so, als ob in der Entwicklung dieses Tatorts auf einmal bei allen Schlüsselentscheidungen die richtige Wahl getroffen wurde. Aber von vorne.

Schlüsselentscheidung Nr.1: KONSTANZ
Nach jahrelangem Drängen und knallhartem Mobbing des Barometers, kapierte endlich auch der SWR, dass sie dem Konstanz-Elend dringend ein Ende setzen müssen.
Und so versenkten sie an einem nebligen Sonntag die Klara und ihren Toy Boy inmitten des Bodensees.

Schlüsselentscheidung Nr.2: HEIKE MAKATSCH
Der Versuch mit Heike Makatsch als MI6 Rückkehrerin eine Kommissarin in Freiburg einzuführen, scheiterte mit der ersten Folge dermassen grandios, dass dieses Projekt auf der Stelle wieder beerdigt wurde. Messi. Messi viu mau!

Schlüsselentscheidung Nr.3: HARALD SCHMIDT
Wurde nicht vom SWR getroffen, sondern von Dirty Harry persönlich. Obwohl eigentlich alle Details schon geklärt waren, und er als Leiter der Mordkommission eine grosse Rolle übernehmen sollte, kapierte er in letzter Sekunde gleich selber, dass auch dieser Besetzungs-Coup in einem absoluten Fiasko enden wird und zog sich zwei Wochen! vor Drehstart ehrenwerterweise vom Projekt zurück.

Schlüsselentscheidung Nr.4: SCHAUSPIELER
Nachdem also zwei grosse Namen floppten bzw. gar nicht erst antraten, besann man sich in der Entwicklungsabteilung und kam auf folgende Idee:
„Es kann auch einfach der Fall überzeugen!“
Wooooooooowwwwww! Was für uns als selbstverständlich klingen mag, ist beim Tatort mittlerweile eine enorm mutige Entscheidung. Soll die neuen Ermittler aber in keiner Art und Weise schmählern. Zwar hat man mit Eva Löbau und Hans-Jochen Wagner keine „Stars für die Massen“ engagiert, doch unbekannt sind auch die nicht. Aber wenn, dann kennt man sie, weil sie überragende Schauspieler sind, und nicht weil sie Anfang der 90er-Jahre auf VIVA rumgurkten oder eine (zweifelsohne brillante) Late Night präsentierten.

Schlüsselentscheidung Nr.5: LOCATION
„Wer will mit Freiburg eine weitere langweilige Stadt im Tatort sehen?“, fragte das Barometer vor einiger Zeit. Und ja, genau solche Fragen muss man sich auch bei den Sendeanstalten stellen. Und so entschieden sich die Autoren für den Schwarzwald als Ermittlungsgebiet. Auf den ersten Blick mag das langweilig-biedere Provinz sein, aber wer sich noch an die früheren Wiener oder Münchner Tatorte erinnern kann, als oft in ländlichen Gebieten ermittelt wurde, der weiss, dass das eine enorme Ausstrahlungskraft haben kann. Der Schwarzwald mag auf den ersten Blick ein bisschen dröge wirken, aber das Potential an Tristheit und an authentischer Normalität ist enorm.

Schlüsselentscheidung Nr.6: KOMMISSARE
„Ungeschminkt überzeugen die zwei in einem Fall, der offenbar nicht ihr erster ist. Dass sie als eingespieltes Team ermitteln, machen die ersten Minuten schon klar.“
„Mit dem erfrischend unaufgeregten Neuzugang geht ein Duo an den Start, von dessen persönlichen Problemen der Zuschauer erst mal nicht viel erfährt.“
„Statt Lautstärke und Kleinkrieg zu zelebrieren, versuchen die beiden mehr und mehr „Feinstofflichkeit“ in ihre Figuren zu weben.“
Also was soll ich als Barometer da noch anfügen? Ich könnte flennen vor lauter Entzückung.

Schlüsselentscheidung Nr.7: DREHBUCH
Und zu guter Letzt scheint es so, als ob sich der SWR auch beim eigentlichen Fall richtig Mühe gegeben hat. Eine traurige und äusserst schwierige Geschichte. Ein totes Kind im Wald. Es heisst Eltern informieren und möglichst schnell vorankommen. Moderne Stadtflüchtlinge in der idyllischen Provinz. Deutsche Waffenproduktion.
Ähh... was? Deutsche was? Dieser Punkt ist der einzige, der mich ein bisschen verunsichert. Deutsche Waffenproduktion, hmmm. Am Ende doch wieder eins zu viel? Barometer-Traum vorbei?
Ach was. Lasst uns das für heute ignorieren, und ich gebe das Schlusswort dieses Barometers an den neuen Hauptdarsteller:
„Wie oft stehen Polizisten an einer Tür und müssen jemandem sagen, dass sein Kind tot ist? Sicher selten, aber wenn, dann muss es die pure Hölle sein, enorm belastend. So was zu untersuchen finde ich viel spannender, als einen Kommissar zu kreieren, der irgendeinen Spleen hat.“

Erwartungs-Barometer: 5.5

Halefuckinglujiah! So machte man sich in Südwestdeutschland auf, mit einem unspektakulären Team, im unspektakulären Schwarzwald, eine simple aber authentische Geschichte zu entwickeln. Und genau das ist hoffentlich das verflucht Spektakuläre daran! Ich vermute, dass dieser neue Tatort aus dem Schwarzwald genau die Wünsche erfüllen könnte, die das Barometer seit jeher hegt. Danke lieber Optimismus, danke.

1 = Fehlende Ventile
6 = Karma gibt es wirklich

Die Note danach: 4
Uiuiui. Das ist halt das grosse Problem am Optimismus. Man wird viel eher enttäuscht, als wenn man die Dinge negativ angeht.
Die erwartete Authentizität war für mich bereits nach zwei Minuten gestorben. Natürlich kann niemand auch nur annähernd erahnen, wie Eltern reagieren die ihr Kind verlieren, aber so bestimmt nicht. Tut mir leid, aber so was von unglaubwürdig. Die Polizei taucht einfach so im Garten auf, ohne Care-Team, ohne irgendwas. „Ihre Tochter ist tot. Besser wenn ihr heute bissl zusammen bleibt und tschüss!“. Die Eltern gehen noch am selben Tag ganz alleine!!! in die Gerichtsmedizin und müssen da ihre Tochter identifizieren. Die Nachbarn schmusen rum und essen gemütlich. Der Junge, der eben seine beste Freundin verloren hat, wird ohne psychologische Betreuung einfach so verhört, und die Klasse wird huschhusch informiert... Hallo??? Da ist ein Mädchen gestorben und ein Junge verschwunden, und wir sehen ein paar lamentierende Nachbarn, die emotional ungefähr das verschwinden einer Hauskatze rüberbringen! Da wollte man doch die Polizeiarbeit für einmal authentisch zeigen und der Hauptdarsteller hat noch geprahlt, wie spannend er es findet, solch schreckliche Situationen zu erforschen. Ich glaubte keiner einzigen Figur! Ah doch, dem Vater des verschwundenen Sohnes, als er die blauen Plastiksäcke im Wald fand, das war klasse, aber sonst absolut keiner.
Natürlich wurde der Film gegen Ende etwas besser, aber die ganze Situation mit den drei Elternpaaren war an Unglaubwürdigkeit kaum zu überbieten.
Hätte ich eine 3 erwartet, wäre ich nun zufrieden, hab ich aber nicht, also bin ich halt ziemlich enttäuscht. Tja, so kann man sich irren. Ein sehr bescheidener Einstieg, wie alle anderen neuen Teams auch. Von wegen Schlüsselentscheidungen. Sehr schade.


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