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3. März 2019

Tatort: Borowski und das Glück der Anderen (Kiel)



Nun stecken wir mittendrin, im Schlussgang dieser Party, in den letzten drei Songs dieses Abends. Das Licht ein klitzekleines bisschen heller gedimmt, die Menge auf der Tanzfläche leicht ausgedünnt, Janis Joplin ist gespielt, und wie bereits im letzten Barometer erwähnt, läuft nun die W. Nuss vo Bümpliz.
Tja. Der Song könnte nicht besser zu diesem Tatort passen. Bei weitem nicht das beste Stück von Patent Ochsner, aber Büne geht irgendwie immer.
Und das wird bei weitem nicht der beste Tatort aus Kiel, aber Borowski geht doch auch irgendwie immer.
Am Ende halt doch lieber einen durchschnittlichen Patent Ochsner Track, anstatt ein Hit-Song von Göle oder so. Wie am Ende eben auch lieber eine durchschnittliche Folge aus Kiel, anstatt ein Quotenhit aus Münster.
Alleine die Präsenz von Büne und Borowski machen jeden Film, machen jede Fete sehens- und tanzenswert. Während wir also einmal mehr die schnulzigen Zeilen aus Bümpliz über uns ergehen lassen, versucht sich Kiel an einer eifersüchtig-durchgeknallten Nachbarin. Wer den Tatort länger schon verfolgt, kann sich vielleicht erinnern, dass Kiel mit „Borowski und die Frau am Fenster“ zu dieser Thematik bereits vor langer Zeit ein Meisterwerk, also einen 3.29 Uhr Song, geliefert hat. Diese Qualität wird heute sicher nicht erreicht, aber eben, Patent Ochsner und Tatort aus Kiel gehen irgendwie immer.

Erwartungs-Barometer: 5

Bisschen mitgrölen bei der Venus und bisschen mitfiebern, wenn die kranken Nachbarn völlig austicken. Wer kennt es nicht?
Zu dieser Uhrzeit, in unserem momentanen Zustand, reicht das völlig aus. Aber klar, kein Mensch redet am Tag nach der Party noch über Rausschmeisser-Songs, und auch dieser Tatort wird kaum lange nachhallen.

6 = Die Party geht weiter
1 = Die Party ist vorbei

Note danach: 4.5
Ein Rausschmeisser halt. Eigentlich nix, aber zu dieser Zeit genau das Richtige. Büne und Borowski gehen irgendwie immer.

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2. September 2018

Tatort: Borowski und das Haus der Geister (Kiel)



Nur weil es ab und an noch immer schneereiche Wochen im Winter und kühl-verregnete Tage im Sommer gibt, bedeutet das noch lange nicht, dass der Klimawandel nicht real ist. Über all die Jahre gesehen steigen die Temperaturen kontinuierlich an. Das ist ein bewiesener Fakt.
Und nur weil wir ab und an immer noch einen guten Tatort zu sehen kriegen, bedeutet das noch lange nicht, dass die Qualität über all die Jahre nicht kontinuierlich sinkt.
Es scheint also tatsächlich, dass der Niedergang des Tatorts in direktem Zusammenhang mit der Aufwärmung der Erde und somit eben auch mit dem Niedergang unserer Welt zusammenhängt.
Was schwafelt das Barometer also noch immer von fehlender Authentizität. Näher am Geschehen, näher an der brutalen Realität kann man kaum sein.
Noch kann diese Theorie, kann dieser Zusammenhang, nicht annähernd mit ähnlichen Fakten belegt werden, wie die Erderwärmung, aber zumindest sprechen sämtliche Indizien dafür. Eigentlich reicht ein genauer Blick auf die Statistiken.
Immer kürzer werden die Abstände, in denen wir von einem Jahrhundert-Sommer reden, und immer länger werden die Abstände zwischen zwei guten Tatort-Folgen.
Und so haben meine tiefschürfenden Recherchen auch ergeben, dass nach einer solch deftigen Hitzeperiode immer auch ein miserabler Saisonstart folgen wird.
Ob das jedoch Beweis genug ist, dass die Barometer Theorie auch wirklich stimmt, müsste am Ende wahrscheinlich in einem Indizien Prozess bestimmt werden. Hinweise dazu kann ich aber liefern.
Wir hatten zwar zweifelsohne bisschen Aufregung mit der Midsommer Folge aus der Schweiz, schönes Experiment, aber inhaltlich eine Katastrophe. Gefolgt von Weimar, welches früher vor Wortwitz und skurrilem Humor nur so strotzte, mittlerweile jedoch billigste Münsterianische Massenware liefert. Und als ob das nicht Indizien genug wären, versucht sich nun ausgerechnet der Borowski an dem Geister-Huhuh-Gespenster-Genre. Das hatten wir doch in der letzten Zeit schon viel zu oft. Und viel zu schlecht.
Kiel also ist das perfekte Beispiel dafür, wie ein einst schier unfehlbares Tatort-Team, ein Drehbuch-Feuerwerk nach dem andern zündete (was hatten die für tolle Folgen), über die Jahre nun aber die Fälle des Borowskis kontinuierlich zu Boden stampften. Wie gesagt, es gab zwischendurch immer mal wieder eine gute Folge, ein schneereicher Winter eben, aber bei der Ansicht des Gesamt-Diagrammes, zeigt die Kieler Kurve stetig bergab. Das wiederum sind pure Fakten.
Und so erstaunt es nicht, dass nach diesem Sommer, die Gletscher so klein sind wie noch nie und gleichzeitig wohl auch der bisherige Tiefpunkt des Kieler Tatorts anstehen wird.

Es soll zwar am Ende dann doch gar nicht so übernatürlich werden und der Mix mit tollen Sommerbildern wird bestimmt als grosse Filmkunst gefeiert, aber unter dem Strich wird das den Tatort auch nicht retten. Das Drehbuch scheint zu schlecht. Also wenn Horror, dann richtig, so wie der Tatort damals aus Frankfurt. Mit Poltergeist und allem drum und dran. Aber ein bisschen Spuken, und dann irgendwie doch nicht, kann überhaupt nicht funktionieren.
Einzige Spannung an diesem Tatort, wie schlägt sich die neue Kommissarin an Borowskis Seite?

Erwartungs-Barometer: 3.5

Für Kieler Verhältnisse ist das einfach viel zu wenig. Dieser Tatort wird ein weiteres Indiz für die Theorie des Barometers liefern. Je wärmer die Erde, desto schlechter der Tatort. Vielleicht könnte ich das längst schon alles beweisen, nur wird mir die ARD und ihre treue Gefolgschaft bestimmt „alternative Fakten“ oder gar „Fake News“ vorwerfen. Insofern behalte ich die Resultate vorerst noch unter Verschluss und lasse die Zuschauerinnen und Zuschauer einfach selber entscheiden.

6 = Echter Kieler Ostsee Sommer (fast schon skandinavisch).
1 = Tatort-Niedergang Leugner

Die Note danach: 3.5
Vater deckt sein Kind. Immer wieder dieser Plot, und bereits ab Minute 10 sonnenklar. Gäääähhhhnn.

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(Am schönsten bei 3.15)






25. Februar 2018

Tatort: Borowski und das Land zwischen den Meeren (Kiel)


Selbstverständlich war ich etwas übereuphorisch, was den Tatort aus Berlin anging. Aber ich wurde dermassen unerwartet aus meinem angeödeten Winterschlaf geweckt, dass ich völlig aus dem Häuschen war. Konnte nicht fassen, dass ausgerechnet Berlin mal was Anständiges riskierte und mir die rückkehrende Freude am Tatort zu schenken vermochte.
Und immer nur von Karma schwafeln, aber nie wirklich was dafür tun, ist doch auch keine Lösung. Insofern macht es schon Sinn, dass ich für einmal meine Ansprüche zur Seite gelegt und Berlin mit meiner ganzen Liebe überschüttet habe. Und siehe da, eben dieses Karma scheint mitgekriegt zu haben, dass ich frisch verliebt den Tatort gebauchpinselt habe und es wirft uns nun das nächste Herzchen vor die geschundenen Füsse.

Ein Herzchen namens Kiel.

Nach dem Abgang von Madame Brandt arbeitet Borowski nun alleine, und das scheint seinen Sinnen nicht allzu gut zu bekommen. Er ermittelt auf einer einsamen Nordseeinsel, und die scheint ihn um den Verstand zu bringen. Klingt nach typischer „Kommissar geht in die Provinz und da leben nur Psychos“-Story. Aber dieses Mal sind es keine Psychos sondern geheimnisvolle Sirenen. Borowski torkelt liebestrunken über eine wilde Insel. Hmmmmm.
Nach ein paar sehr dürftigen Folgen wurde Kiel in letzter Zeit wieder besser, und so hoffe ich in meinem eigenen Tatort-Liebeswahn, dass ich die Probleme, welche dieser Film mit Sicherheit haben wird, erneut wegdenken kann, und mich ein geiler Borowski genau so bezirzt, wie ihn die Amour fou des Opfers.

Erwartungs-Barometer: 5

Borowski gespenstisch und für einmal gar ein bizzeli erotisch. Huiuiuiu. Das wird mir ja ein Ding. Kann man sich gar nicht so vorstellen, aber schauen wir doch gerne. Kiel hat schon ganz anderes gemeistert. Und wenn der Tatort nix ist, ist es zumindest die Nordsee. Die kann man nicht nicht-lieben.

1 = Weniger Mehr
6 = Mehr Meer

Die Note danach: ???
Keine Ahnung, wie ich diesen Tatort bewerten soll. Die Nordsee war ein Traum, die Stimmung gefiel mir auch, aber die Autoren waren wahrscheinlich selber komplett im Liebeswahn, als sie das Drehbuch verfassten.


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17. Juni 2017

Tatort: Borowski und das Fest des Nordens (Kiel)


Irgendwie traurige Tage, irgendwie ein äusserst deprimierender Tatort, der uns erwartet. Paradoxerweise könnte ausgerechnet diese trist brutale Folge für uns Zuschauer in einem Freudenschrei enden. Die Depression klang lange nicht mehr so vielversprechend.
Die Geschichte beginnt mit einem Komplett-Absturz des Herrn Borowskis. Er ertränkt seinen Kummer im Alkohol.
Um jedoch den Grund seines Tuns zu verstehen, muss ich etwas weiter ausholen. Diese „aktuelle“ Folge wurde bereits 2015 gedreht, gleich anschliessend an „Borowski und die Rückkehr des stillen Gastes“, also an Teil 2 vom verrückten Pösteler, der durch Wände gehen konnte. Damals wurde am Ende der frisch verliebte Borowski von seiner Freundin verlassen, weil die mit seinem Job und mit solch krassen Fällen nicht umgehen konnte. Sein jetziges Besäufnis ist also eigentlich auf Liebeskummer aus dem Jahre 2015 zurückzuführen.
Warum diese Folge erst jetzt ausgestrahlt wird, erschliesst sich mir nicht so ganz. Es ist zu lesen, dass sie möglichst zeitnah mit der Kieler Woche* ausgestrahlt werden sollte. Aber da dieses Fest alljährlich stattfindet, hätte man den Tatort ja auch vor einem Jahr schon senden können.
Kann uns aber eigentlich völlig egal sein, denn was fürs Erste etwas absurd klingt, könnte sich als Glücksfall entpuppen. Da dieser Tatort bereits vor zwei Jahren gedreht wurde, stammt er nämlich aus einer Zeit, in welcher die Kieler Tatorte zur absoluten Spitze gehörten. Dieser Tatort entstand quasi am Ende der Kieler Erfolgswelle. Ob er aber noch auf dem Zenit entstand, oder bereits auf dem Weg nach unten, wie die anschliessenden Folgen, die wir in den letzten zwei Jahren sehen konnten, können wir erst wissen, wenn wir ihn gesehen haben. Fakt ist, dass die letzten Folgen mit Borowski nie mehr an die Qualität von damals herankamen und Fakt ist auch, dass nun dieser Tatort äusserst deftig daherkommen wird. Kiel geht wieder einmal an die Grenzen. Bzw. ging damals immer mal wieder an die Grenzen.

-Ein Borowski am Ende. Grosser Kummer. Tragische Arbeit.
-Ein Täter am Ende. Tickt völlig aus. Gewalt pur.
-Eine Kekilli am Ende. Ihr letzter Tatort Auftritt. (Obwohl sie das bei den Dreharbeiten 2015 noch nicht wusste).
-Ein Drehbuch am Ende. Das Script basiert auf einer Idee von Henning Mankell. Dem Krimigott aus Schweden, der bereits früher an zwei Borowski Masterstücken mitgeschrieben hat, jedoch mittlerweile leider verstorben ist. Aussgerechnet im Jahre 2015.
-Ein Film am Ende. Herkömmliches Tatortmachen könnt ihr vergessen. Sehr viel Handkamera, keine Beleuchtung, Dogma 95 lässt grüssen.
-Eine Stadt am Ende. Kiel wie man es kaum kennt. Zwischen Volksfest und Armenviertel.
-Eine Serie am Ende. Mit diesem Kunststück entlässt uns die ARD in die Sommerpause.

Erwartungs Hoffnungs-Barometer: 5.5

Wie immer wenn beim Tatort etwas riskiert wird, besteht eine relativ hohe Wahrscheinlichkeit, dass es komplett in die Hosen geht. Bin mir sicher, dass viele Zuschauer/innen mit dieser Folge überhaupt nichts anfangen können. Aber wie immer, wenn beim Tatort etwas riskiert wird, schäumt das Barometer vor Hoffnung auf ein Meisterwerk und verneigt sich mit grossem Respekt vor den Filmemacher/innen, die sich splitterfasernackt ausziehen und über die im Sommer so selten gefrorene Kieler Bucht tänzeln. Es wird eine deftige Geschichte. Ein trauriger Film, aber vielleicht ein richtig guter Tatort.

1 = Keil im Jahre 2017
6 = Keil im Jahre 2007

Die Note danach: 5 für den Tatort + 0,5 Extra* = 5.5
Man kann dem Film durchaus vorwerfen, dass es ihm an einer gewissen Tiefe fehlt. Die Figuren sind immer nur am Agieren (Austicken, Saufen, Streiten, Töten...), was sie jedoch dazu treibt, wird komplett ignoriert. Das macht sie für uns Zuschauer natürlich etwas unnahbar. Schade, denn die Machart fand ich wirklich grandios. War genau nach Barometer-Gusto.
Aber je länger der Tatort dauerte, desto weniger fragte ich mich, warum sie tun, was sie tun. Für mich spielte es irgendwann keine Rolle mehr. Also eine gute 5.
*Zudem kommt eine 0.5 Note als Extrapunkt dazu. Diese hat der Tatort der Ex-Frau des Mörders zu verdanken. Die Szenen mit ihr waren absolut fantastisch. Streit mit ihrem Ex-Man am Anfang und als die Polizei bei ihr war. Absolut genial, selbst als Nebendarstellerin spielte die alle und alles an die Wand. Selten sieht man im Deutschen Fernsehen so authentisches Schauspiel! Halleluja!!!

Wünsche einen schönen Sommer!
Euer Barometer

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19. März 2017

Tatort: Borowski und das dunkle Netz (Kiel)


Es ist an der Zeit euch die Wahrheit zu schreiben. Ich hatte bis heute nicht den Mut, euch davon zu erzählen, weil ihr mich mit Bestimmtheit für verrückt erklärt hättet. Aber über dem Tatort und dem Barometer herrscht eine Art Geist, welchem ich heillos ausgeliefert bin. Und erst diese Woche, dank dem neuen Tatort aus Kiel, habe ich endlich Antworten bekommen, auf all die Fragen, die ich seit langem hatte. So, nun ist es raus.
Aber erst einmal von vorne.
Seit jeher hatte ich das Gefühl, dass ich beim Schreiben des Barometers beobachtet werde. Irgendwie fühlte es sich immer so an, als ob mir eine Art Wesen über die Schulter schaut, mich kontrolliert und mich gegebenenfalls bestraft. Ich konnte zwar den Tatort kritisieren, so scharf ich wollte, so lange ich bei den Fakten blieb, meldete sich keiner. Aber sobald ich auch nur eine kleine Unwahrheit in die Tasten haute oder mich selber versucht habe zu belügen, bestrafte mich dieses ominöse Phantom postwendend. Clever und ganz perfide. Ob das nun mit einem Saarbrückener Tatort oder gar mit körperlichen Schmerzen war, irgendetwas Fieses liess es sich immer einfallen. Und obwohl ich mittlerweile überzeugt war, dass da ein Gespenst rumgeistert, konnte ich seine Anwesenheit nicht erklären, geschweige denn belegen. Ich wusste nur, dass ich auch bei Hasstiraden ehrlich bleiben musste, dann hatte ich meine Ruhe.
Als ich nun letzten Sonntag den Satz „Das Barometer muss aufpassen, dass es Stadt und Tatort nicht zu sehr vermischt“ beendet hatte, haute es mir einen Zwick in den Rücken, dass ich kaum noch aufstehen konnte. Der Tatort-Geist liess es mich sofort spüren, dass ich in diesem Moment einen völligen Quatsch geschrieben hatte. Tatort und Stadt lassen sich in einem Barometer natürlich kaum auseinander halten. Alles ist irgendwie verbunden. Alles kommt irgendwie zusammen.
Und je mehr ich mich diese Woche damit beschäftigt habe, desto klarer wurde mir die Absicht dieses Geistes. So gemein er auch ist, er hat dieselbe Motivation wie ich. Er will einfach nur guten Tatort. Und wie von einem Blitz getroffen kapierte ich, dass am Ende das Barometer eine viel grössere Verantwortung hat, als ich je dachte. Welch Schrecksekunde. Das Barometer ist mitschuldig an den teils miserablen Tatorten. Es sind oft Bestrafungen meines Geistes. Wie Schuppen fiel es mir von den Augen, dass der unerklärbare Absturz des Kieler Tatorts in jüngster Zeit einzig und allein mein Fehler ist.
Was hat uns Kiel über die Jahre für unfassbar viel Freude bereitet. Natürlich hat das Barometer diese enorme Qualität der Kieler Drehbücher immer wieder bis zum Exzess gefeiert, aber ich habe dabei die Stadt vergessen. Ich habe viel zu sehr getrennt und habe im Barometer schlicht nie an die Stadt Kiel gedacht. Es tut mir so leid. Lange, viel zu lange, liess mir diese Spukgestalt das durchgehen, aber irgendwann hatte sie die Schnauze voll. So viel guten Tatort aus einer Stadt, und ich undankbarer Sauhund habe dieses Kiel im richtigen Leben noch nie besucht. Welch elende Ignoranz! Es ist die einzige Tatort-Stadt, die das Barometer noch nie vor Ort gesehen hat. Wenn ich ganz ehrlich bin, da wäre ich auch sauer. Stinkesauer.
Nur so also ist zu erklären, dass die Kieler Aussetzer hatten, die man so noch nie von ihnen gesehen hat. Der Geist hat das Spiel umgedreht. Warum auch sollte sich irgendjemand anstrengen um dem Barometer tolles Fernsehen zu liefern, wenn es zwar Saarbrücken und Ludwigshafen gesehen hat, aber noch nie in Kiel war! Ja, warum? Es tut mir wirklich unendlich leid. Für euch alle.
Und nun kommt die eigentliche Wendung, quasi der endgültige Beweis, dass es dieses Wesen wirklich gibt. Noch bevor ich diese Woche nämlich all das rausgefunden habe, hatte ich mich entschieden, dass ich im 2017 endlich mal Kiel besuchen werde. Ich wollte ja schon lange mal hin, es hat sich aber bisher nie ergeben. Nun aber hat sich das Barometer entschieden, das endlich nachzuholen, und siehe da...
Die guten Kritiken zu diesem neuen Tatort aus Kiel überschlagen sich. Teilweise ist gar von einem Meisterwerk die Rede! Unfassbar gutes Fernsehen sollen wir zu sehen kriegen.
Soweit würde ich jetzt definitiv nicht gehen. Ich war ja noch nicht wirklich in der Stadt, und ich glaube nicht, dass sich der hässliche Geist alleine durch die Ankündigung meines Trips gleich so beschwichtigen lässt, dass er uns nun mit einem Meisterwerk belohnen würde. Nein, das glaube ich nicht. Aber, und das ist ein Fakt, der Geist scheint zufrieden mit meinen Plänen und zieht sich vorerst zurück. Mein Rücken ist wieder okay und der Kieler Tatort ist zurück auf dem Podest.
Diese Folge klingt wirklich vielversprechend. Irgendwas zwischen Cyber-Krimi und Freakshow, angereichert mit Comic-Einlagen soll es werden. Borowski scheint für uns wieder volles Risiko zu gehen. Das gefällt, das macht Mut.
Dummerweise habe ich den Trailer gesehen, inklusive Auftritt eines miserablen IT-Nerds*. Bei solchen Figuren schrillen bei mir bekanntlich sämtliche „Nicolas-Cage-Overacting-Terror-Alarmglocken“. Sehr ambivalent. Und auch sonst erwarte ich eine Geschichte am Rande des Abgrundes. Könnte jeden Moment kippen.
Aber wirklich Negatives getraue ich mich im Moment nicht zu prophezeien. Zu gross ist die Gefahr, dass mein Geist damit nicht einverstanden sein könnte. Geniessen wir also diesen einen geisterfreien Sonntag. So wie ich das Barometer kenne, wird es ihn noch früh genug zurückrufen.

Erwartungs-Barometer: 5 (+/-)

Zweifelsohne wird das eine spezielle Folge. Eine, die durch die Decke oder durch den Keller gehen kann. Das liebe ich.
Zudem ist dieser Tatort sowohl für Kiel wie auch für mich eine Art Schlüsselmoment. Für Kiel und Borowski ist es äusserst wichtig uns zu zeigen, dass die kurzen Aussetzer nichts mit ihnen zu tun hatten, und dass der Kieler Tatort nach wie vor top ist und für mich könnte diese Folge nun endgültig beweisen, dass es den von mir seit langem vermuteten Tatort-Barometer-Geist wirklich gibt. Uuhaahahahahahahahaha.

1 = Geister, die sich fügen.
6 = Geister, die mich rügen.

Die Note danach: Allerhöchstens eine 4.5, eigentlich eher tiefer...
Mut zum Risiko in Ehren, aber das war jetzt wirklich nix. Eher ein Cyberkrimi für Leute, die noch nie was mit dem Internet zu tun hatten. Und teilweise auch wirklich mies gespielt/besetzt. Vielleicht ist Kiel tatsächlich einfach schlechter geworden, und ich muss mir schweren Herzens eingestehen, dass ich mir diesen Geist eventuell doch nur eingeredet habe.


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