25. November 2012

Tatort: Das Wunder von Wolbeck (Münster)



10 Jahre Tatort aus Münster, 10 Jahre Boerne und Thiel. Welch ein Jubiläum, welch ein Ereignis...
...müsste man eigentlich denken. Aber warum wird das nicht mit Pauken und Trompeten angekündigt? Kein Feuerwerk, keine Berichte in den Medien und überhaupt ist es ganz still um diesen sonst so lauten Tatort geworden. Ist doch irgendwie sonderbar, wenn man bedenkt, dass in den letzten Jahren der Münsteraner jeweils beworben und betrailert wurde, als wäre er das noch nie dagewesene Jahrtausendereignis der Deutschen TV-Geschichte. Aber ausgerechnet zum Jubiläum nun, spricht praktisch niemand darüber, und schon gar nicht die ARD selber.
Nun, das Barometer wäre nicht das Barometer, wenn es den Grund dafür nicht vermuten (oder kennen) würde.
Der Zenit im Münsterlande ist schlicht überschritten. So einfach ist das. Der geschulte Barometerleser weiss, dass ich schon lange kein Fan dieser Reihe mehr bin. Aber im Gegenteil zu anderen Städten habe ich mir beim Münster Tatort nie angemasst zu sagen, dass er schlecht sei, ich mag ihn einfach nicht. Schlecht war er nie. Wenn Mal für Mal über 10 Millionen Deutsche ihre innige Liebe zu diesen Kommissaren bekunden, dann kann ich als Gegensatz wohl kaum mit grossen Tönen spucken. Ich bin durchaus beeindruckt, was die Macher, die Schauspieler und der WDR in Münster geschaffen haben. Dieser Tatort ist mit Abstand der beliebteste der letzten Jahre und auch unter meinen Lesern gibt es ein paar grosse Fans davon.
Leider, leider muss ich genau diese nun für einmal enttäuschen. Denn ich garantiere euch, dass ihr bei diesem Tatort nun zum ersten Mal merken werdet, was ich jeweils meinte, wenn ich meine Bedenken äusserte. Von Folge zu Folge wurde immer noch mehr Klamauk eingebaut, wurde die Ertragbarkeits-Grenze noch mehr ausgereizt, und nun ist sie definitiv überschritten. Die Spannung ist in den letzten Jahren sukzessive verloren gegangen und in diesem Fall nun wohl komplett verschwunden. Irgendwo auf dem Lande (momentan ziemlich angesagt bei den Tatort-Machern), wird irgendein Heilpraktiker tot aufgefunden. Neben all den lustigen Hauptfiguren, werden nun also auch noch absurde Dorfbewohner, komische Ziegen und wilde Zuchtbullen eingebaut. Und irgendwie hängt Wolbeck dann eben doch mit der ganzen Welt zusammen. Ehrlich: Ich bin sicher, dass auch der grösste Münster-Fan mir nach diesem Tatort für einmal zustimmen wird. Das Mass ist voll, jetzt wünschte man sich einfach mal wieder einen guten Kriminalfall. Es wäre ja auch kein Problem, ihr Komödien-Konzept mit einem spannenden Fall zu verschmelzen. Es gab eine Zeit, da haben sie das gemacht, und es ist perfekt aufgegangen. Ich mochte die wirklich, aber irgendwie scheint, als ob mittlerweile das ganze Drehbuch-Budget nur noch in die Comedy-Abteilung des WDR fliessen würde. Schade.

Erwartungs-Barometer: 3
Die Note danach: 3
 
Bei aller Qualität, bei aller Professionalität, bei allem Respekt vor diesem Erfolg und vor den hervorragenden Schauspielern, aber der Tatort sollte unter dem Strich einfach doch ein Krimi bleiben.

0 = ungefähr so viel Erwartung wie vom Montagtraining.
6 = ungefähr so viel Erwartung wie vom Freitagtraining.

Falls dieser Barometer-Blog nicht euren Vorstellungen entspricht, könnt ihr ihn unter folgendem Link löschen:
Delete Blog

 

18. November 2012

Tatort: Dinge, die noch zu tun sind (Berlin)



Heute werde ich, zu eurem Leide, ein etwas ausführlicheres Barometer schreiben müssen. Denn schon wieder muss ich mein Konzept neu überdenken. Es geht um Grundsatzfragen. Immerzu strebe ich nach der absoluten Glaubwürdigkeit und nach Authentizität pur. Aber an dieser Messlatte scheitert der Tatort immer wieder kläglich. So auch Dortmund. Da ich nun aber von einigen Lesern (durchaus auch solche, denen ich einen sehr guten Filmgeschmack attestiere) gesagt gekriegt habe, wie gut sie „Mein Revier“ fanden, habe ich mir selbstverständlich meine Gedanken darüber gemacht, ja machen müssen. Wahrscheinlich sollte ich sonntags einfach DOK-Filme schauen, wenn mir die Glaubwürdigkeit dermassen wichtig ist. Denn hätte ich all die absurd-schlechten Nebengeschichten beim letzten Tatort ausblenden können, wäre der wirklich ganz gut gewesen. Vielleicht muss ich den Tatort einfach von einer etwas andern Seite bewerten. Vielleicht sollte ich meinen Blickwinkel ändern. Vielleich sollte ich dieser Glaubwürdigkeit, dieser absoluten Echtheit etwas weniger Gewicht einräumen bei meiner Vorbeurteilung bzw. eben oft Vorverurteilung. Vielleicht sollte ich diese Dinge einfach mal wieder komplett ausblenden, um mich trotz Ungereimtheiten richtig auf den Tatort einlassen zu können. Es scheint, als habe ich mich da etwas verrannt. Aber das Gute ist, dass sich dieses Barometer-Projekt in einem stetigen Prozess befindet. Nur weil ich fest gefahren bin, nur weil es in meinem Kopf immer nur schwarz und weiss gibt, heisst das noch lange nicht, dass das Barometer nicht total agil sein kann, sich nicht verändern kann. Im Gegenteil. Das Barometer geht mit der Zeit, reagiert auf jeweilige Situationen, auf die Wahrnehmung der Leser und erfindet sich somit immer wieder neu. Und so werde ich also versuchen, meinen Durst nach Echtheit mit irgendwelchen Reportagen zu stillen, um dafür der totalitären Glaubwürdigkeit bei meiner Bewertung wesentlich weniger Gewicht einzuräumen. 
Das klingt doch gut, wenn nur nicht ausgerechnet Berlin vor der Türe stehen würde. Denn die Erwartungen, die ich an die Nordstadt in Dortmund gehabt habe, sind ein klitzekleiner Furz, gegen die Erwartungen, die ich an eine Stadt wie Berlin und somit auch an den Tatort aus Berlin habe! Wenn ich sagte, dass in Dortmund ein grosses Potential verschenkt wurde, dann finde ich keinen passenden Vergleich, um auszudrücken, welch Potential die Berliner in ihrem Tatort verschleudern. Und da ist Glaubwürdigkeit und Echtheit noch das geringste Problem.
Vor drei Wochen habe ich im Münchener Barometer Berlin als Vergleich beigezogen:
„In Berlin z.B. werden mittlerweile sicher mehr Filme gedreht. Da passiert mehr. Der Berliner Film wächst rasant, in Berlin ist die Szene, in Berlin wird gepröbelt, in Berlin wird erfunden, in Berlin werden Fässer aufgemacht.“
Hab ich damals geschrieben. So ist es also in der Hauptstadt. Da sind die Leute, die Geschichte und Geschichten schreiben wollen, Schauspieler, die sich für die Kunst auf der Bühne das Herz raus reißen, Regisseure, die in der U-Bahn um Geld betteln, damit sie auch nur einen Bruchteil ihrer Ideen verwirklichen können. Die Stadt könnte jederzeit explodieren (oder implodieren?), vor lauter kreativer Energie. In jedem Bissen Imrem-Kebab schmeckt man die Unendlichkeit, an jeder Ecke riecht man die Welt, wenn einem mal wieder der energetisch geladene Ostwind um die Ohren pfeift. Jeder Straßenköter schafft es, aus Berlin ein Paradies zu machen, alle schaffen es Berlin auf irgendeine Art und Weise zu nutzen, zu ihrer eigenen Stadt zu machen! Nur der Berliner Tatort fühlt sich Mal für Mal wie grüne Grütze an. Wie Ratingen oder Schweinfurt. Ich glaube, es gibt keinen Tatort, der dermaßen an der Stadt vorbei zielt, wie der Berliner. Seit jeher versuche ich eine Erklärung dafür zu finden, aber es gelingt mir nicht. Es stecken sicher die falschen Leute dahinter. Leute, die Berlin nicht als das sehen, was es ist (oder wie ich es sehe). Wahrscheinlich sind es Leute, aus Süddeutschland, die von der ARD nach Berlin umgesiedelt wurden. Leute, denen Berlin zu gefährlich, zu dreckig, zu egal ist. Leute, die rausgeputzte Fussgängerzonen mögen und nun in Berlin einen Tatort produzieren sollen. Nur so ist diese unendliche Schande irgendwie erklärbar. Denn bei keinem Tatort klaffen Anspruch (meinerseits) und Realität so weit auseinander. Natürlich musste auch ich akzeptieren, dass in Berlin längstens nicht alles so läuft, wie es laufen sollte. Aber dass die Berliner es auch nach 20 Jahren nicht schaffen einen Flughafen zu bauen, das kann man rational erklären. Auch die sehr vielen anderen Dinge, die da schief laufen kann man auf irgendeine Art verstehen, aber dass sie es einfach nicht hinkriegen, einen Tatort zu produzieren, der zumindest ein bisschen von Berlins riesigem Herzen transportieren kann, das ist und bleibt mir ein ewiges Rätsel.
Nach so viel Text sollte eigentlich alles gesagt sein. Es geht um Synthetische Drogen in Nachtclubs und dunkle Geheimnisse. Natürlich klingt das zumindest nach einem Versuch Berlin zu nutzen, aber es klingt irgendwie auch wieder verdächtig danach, dass hinter diesem Drehbuch erneut ein Zwangsumgesiedelter aus dem idyllischen Schwarzwald steckt.
Was das alles nun mit der Glaubwürdigkeit in Dortmund zu tun hat? Woher soll ich das wissen? Das ist Berlin. Und wenn es um Berlin geht, bin ich weder objektiv, noch nüchtern, geschweige denn auf irgendeine Art zurechnungsfähig. Die totale Ambivalenz. Ich verzeihe Berlin immer und immer wieder. Denn jetzt, ja jetzt könnte doch alles besser werden (obwohl ich mich an keinen einzigen guten Tatort aus Berlin erinnern kann). Aber wie sagte ich vor einer Woche so schön: Ich bin mir sicher, dass „ein geniales Konzept für den Dortmunder Berliner Tatort fixfertig auf dem Silbertablett bereit liegen würde, und ich wünschte mir so so sehr, dass es einfach einer nehmen und verfilmen würde. Es wäre doch so simpel. Man müsste das Leben nur laufen lassen. Eine einfache, bewegende und packende Geschichte aus diesemr zwar tragischemn, aber eben auch äusserst spannendemn Viertel Stadt. Es braucht so wenig, um die Zuschauer mitzureissen. Einfach ehrlich und echt müsste es sein.“
Und so sehr ich weiss, wie ich enttäuscht sein werde, so sehr weiss ich, dass es jederzeit geschehen kann/könnte. Einfach so. In Berlin ist alles möglich!
 
Erwartungs-Barometer:
Eine 5 wünschte ich mir sehnlichst.
Bei einer 4 könnte die Wahrheit liegen.
Eine 3 würde mich auch nicht überraschen.
Die Note danach: 3,5

Auch wenn der eigentlich tragisch gemeinte Titel mit Berlin nichts zu tun hat, so könnte er für diese Stadt besser nicht passen.

0 = ungefähr so viel Erwartung wie von Max‘ Music Productions und seinem Telefon!
6 = ungefähr so viel Erwartung wie von Max‘ Palast und der Dieffenbachstrasse!

Falls der neue Barometer-Blog nicht euren Vorstellungen entspricht, könnt ihr ihn unter diesem Link löschen:

11. November 2012

Tatort: Mein Revier (Dortmund)



Ach Dortmund, wie habe ich mich auf dich gefreut...
Über Erwartungen und Enttäuschungen, was den Ruhrpott angeht, habe ich ja bei der Dortmund - Premiere bereits ausführlich berichtet. Und wie damals im Barometer befürchtet, ging die erste Folge tatsächlich deftig in die Hosen. Nun, ein Jeder hat eine zweite Chance verdient, sogar die Westfalen, und schlechter kann es ja kaum mehr werden. Die Geschichte spielt dieses Mal im Problemviertel Nordstadt, also quasi in Dortmunds Neukölln. Ziemlich düster und kaputt soll es werden. Eigentlich genau das, was ich mir bei der ersten Folge bereits gewünscht hätte. Und somit befinde ich mich heute wieder an exakt demselben Punkt, an dem ich bereits vor 6 Wochen war. Es riecht nach einer Ausgangslage, die besser nicht sein könnte (für meinen Geschmack). Ein geniales Konzept für den Dortmunder Tatort würde quasi fixfertig auf dem Silbertablett bereit liegen, und ich wünschte mir so so sehr, dass es einfach einer nehmen und verfilmen würde. Es wäre doch so simpel. Man müsste das Leben nur laufen lassen. Eine einfache, bewegende und packende Geschichte aus diesem zwar tragischen, aber eben auch äusserst spannenden Viertel. Es braucht so wenig, um die Zuschauer mitzureissen. Einfach ehrlich und echt müsste es sein. Aber ihr ahnt es, der WDR verkackt es erneut. Es ist ja lobenswert, dass sie nach einer schlechten Folge nicht das ganze Konzept über den Haufen schmeissen, aber dadurch erwartet uns wohl wieder eine Klischeeorgie, die zu platzen droht, vor lauter konstruierten Geschichten. Ich kriege echte Schmerzen, wenn ich daran denke, was in Dortmund für ein unglaubliches Potential verpulvert wird. (Warum schmerzt das eigentlich keinen dort oben?) Vielleicht will man einfach auch zu viel. „Mein Revier“ scheint, wie erwähnt, wieder komplett überladen. Das Drehbuch explodiert vor dramatischen Themen. Armut, Ausbeutung, Strich, Drogenhandel, Bulgaren-Mafia, zu hohe Mieten, frustrierter Kiez-Polizist mit Frau, die den Prostituierten hilft, Ladenbesitzer, der durch dreht, ein Mord, der direkt vor Baby-Kommissarin`s Haustüre geschieht. Und als ob das alles nicht genug wäre, kommen ja eben auch noch die ganzen Nebengeschichten der 400 Hauptfiguren hinzu. Haltet euch fest. Die Faxen von Hauptkommissar Faber (Dr. House, Monk oder wen auch immer er darstellen soll) mit all seinen Psychoproblemen sind ja programmiert und werden sicher nochmals ordentlich ausgebaut, Kommissarin Bönisch kriegt einen arbeitslosen Mann und einen kiffenden Sohn zur Seite und tröstet sich logischerweise gleich mit einem Callboy, und die zwei Kinder-Kommissare aus der 21 Jump Street sind ja bekanntlich heftig mit sich selber beschäftigt. Auch da wird man sicher noch die eine oder andere Ausdehnung rein gebaut haben. Ist ja auch ne Knaller Story-Sideline. Aber wie das alles in die 90 Minuten gepackt werden soll, ist mir ein absolutes Rätsel. Tja, Dortmund hat es geschafft und wird uns folglich zeigen wie man es macht. Ob gut oder nicht spielt ja dann eigentlich keine Rolle mehr. Hauptsache alles drin.

Erwartungs-Barometer: 4
Die Note danach: 4,5
 
Es kommt, wie es kommen musste. Dortmund hat von Anfang an den falschen Weg eingeschlagen und mit jeder neunen Folge wird es schwieriger werden, da noch raus zu kommen!

0 = ungefähr so viel Erwartung wie von der Social-Media-Aktivität meiner Blog-Leser!
6 = ungefähr so viel Erwartung wie von Suvi und Jenny‘s China Blog: http://catchingupwithtthechange.blogspot.ch/

Falls der neue Barometer-Blog nicht euren Vorstellungen entspricht, könnt ihr ihn unter diesem Link löschen:

3. November 2012

Tatort - Pause



Nachdem meine Barometer-Blog-Premiere doch leicht in die Hosen ging, bzw. meine Prognose, bin ich grad ziemlich froh, dass an diesem Wochenende kein neuer Tatort ausgestrahlt wird. Natürlich waren die Schauspieler wieder top (bis auf den Wuschelkopf-Hobby-Polizisten, der unter aller Sau war), aber so gut das Lesben-Paar und die zwei Kommissare auch spielten, die Geschichte war dermassen absurd und schlecht, dass auch die Schauspieler nichts mehr retten konnten. Was ich jedoch erst im Nachhinein erfahren habe, und all die Unzufriedenen unter euch, auch ziemlich überraschen wird, diese Story beruhte auf einer wahren Begebenheit! Na ja, schlecht war er trotzdem, und ich lag mit meiner Einschätzung definitiv daneben. Aber ich verspreche euch, dass ich die Pause nutze um meine ganze Konzentration und Energie zu bündeln, damit ich euch in einer Woche wieder ein 1A-Barometer-Deluxe servieren kann!

28. Oktober 2012

Tatort: Ein neues Leben (München)



Zugegeben, es ist schon etwas länger her, dass ich in München gewohnt habe, aber ich würde behaupten, dass ich die Stadt nach wie vor a bissl kenne. Und mit München verbindet mich eine Art Hassliebe. Irgendwie war mir die Stadt immer zu sauber, zu korrekt, zu gradlinig, irgendwie zu perfekt. Auf der andern Seite ist München eben genau dadurch halt einfach auch eine gute Stadt. In München gibt es gutes Theater, gute Kinos, gute Clubs, gute Sommer, gutes Essen, gute Tage im Englischen Garten, gute Momente im Eisbach, guten Fussball, ja in München kann man ein gutes Leben führen. Und einmal mehr bin ich verblüfft, wie sich diese Tatsachen auch im Tatort widerspiegeln. Der Tatort ist irgendwie sauber, korrekt, gradlinig, fast zu perfekt. Nicht falsch verstehen, ich will mich sicher nicht über einen guten Tatort beschweren! Denn während in andern Städten viel experimentiert wird, somit viel in die Hosen geht, aber halt auch mal was grandios explodiert, verlässt man sich in München auf das gute alte Filmhandwerk, welches man seit Jahrzehnten beherrscht und welches auch heute noch top funktioniert. Und so ist der Tatort aus Bayern eigentlich immer gut. Ich könnte über die nächsten 20 Jahre eine 5 prophezeien, ich würde selten daneben liegen. München weiss einfach, wie man gute Fernsehfilme macht. In Berlin z.B. werden mittlerweile sicher mehr Filme gedreht. Da passiert mehr. Der Berliner Film wächst rasant, in Berlin ist die Szene, in Berlin wird gepröbelt, in Berlin wird erfunden, in Berlin werden Fässer aufgemacht. In München lässt man das bleiben. Man macht einfach gute Filme, man macht was man kann, und das macht man gut. Das mag nicht allzu spannend klingen, aber wenn der Tatort über Jahre konstant gut ist, spielt das ja keine Rolle. Warum sollte man was Gutes auch ändern? Gut, so läuft das halt in den Bavaria-Studios. Gute Drehbücher, gute Regisseure, gute Filmsprache, gute Kamera und vor allem auch immer wieder wirklich gute Schauspieler. Wenn du in München was verbockst, warten vor der Türe 100 gute Leute, die das beim nächsten Mal sicher guter machen werden als du. Das gibt den Filmen eine unheimliche Qualität (eine solche Situation würde übrigens dem SRF sehr gut bekommen, aber das ist ein anderes Thema). Der Tatort ist in München meist bis in die hinterletzte Nebenrolle top besetzt. Ich würde sogar behaupten, dass in München die 40€-Statisten oft bessere Schauspieler sind, als in anderen Städten die Kommissare. Und ja, neben all den Experimenten in andern Tatorten, ist dieses gute alte Filmhandwerk eine wahre Offenbarung!
So auch morgen. Die Geschichte über eine verdeckte Ermittlung bei einer Gruppe Staubsaugervertreter, bzw. eigentlich einer illegalen Organisation, die Spenden für kanadische Robbenbabys sammelt, klingt nicht gerade nach einem Schuss durch die Decke. Aber eben, es ist München!
 
Erwartungs-Barometer: 5
Die Note danach: 4
 
München bläst einen nicht vom Sofa, die Geschichte ist kein Knaller, aber München war immer gut, ist immer gut und wird immer gut bleiben, und das ist gut!

0 = ungefähr so viel Erwartung wie von Kuri’s Zustand auf der Treppe zum Joshi Lamm!
6 = ungefähr so viel Erwartung wie von Kuri als palästinensischer Kampfsoldat in Schwabing!

Falls der neue Barometer-Blog nicht euren Vorstellungen entspricht, könnt ihr ihn unter diesem Link löschen:

27. Oktober 2012

Tatort News



Und wie der Zufall so spielt, sind in der ersten Woche des neuen Tatort-Barometer-Blogs, gleich zwei Tatort Bomben geplatzt. Ich würde mal sagen, eine gute und eine schlechte Nachricht.

Zuerst die Schlechte:
Da freue ich mich wie ein kleines Kind auf ein neues Tatort-Team aus Thüringen und nun präsentieren die uns Ulmen & Tschirner. Was soll dieser Scheiss? Versteht mich nicht falsch. Die zwei sind in ihrem Fach hervorragende Schauspieler und grossartige Entertainer, keine Frage, aber das sind doch keine Tatort-Ermittler! Himmelherrgott, wer überlegt sich eigentlich so einen Quatsch? Davon, dass Til Schweiger funktionieren kann, bin ich ja nach wie vor überzeugt, aber nun das Blödel-Duo vom MTV? Da hat man ein Jahr lang Zeit spezielle Typen zu suchen. Typen, die interessieren könnten, Typen, die einen in eine Geschichte reinziehen könnten, ja vielleicht sogar Typen, die in den Osten passen, oder noch besser, Typen, die aus der Region kommen… und dann so was. Ich bin fassungslos. Nun gut. Während Christian Ulmen ja quasi ein Hamburger ist, so ist die Nora Tschirner zumindest im Berliner Osten gross geworden. Aber mir gefällt diese Idee trotzdem ganz und gar nicht. Wenn der Promistatus wichtiger ist als die Glaubwürdigkeit, dann könnten zukünftig auch Raab & Elton oder gar der Silbereisen ermitteln. Ich konnte schon kaum glauben, dass dieser Tatort in Weimar spielen soll, und nun versucht man mit zwei dusseligen Komödianten auch noch den Münster Tatort zu kopieren. Das MDR spricht vom Event-Tatort des Jahres, immer zur Weihnachtszeit… Ich glaub, ich muss kotzen.

Und nun die Gute:
Frankfurt spielt seit Joachim Krol auf allerhöchstem Niveau. Wirklich ganz gutes TV. Nur die Kommissarin Conny Mey wirkte in ihrem Joggingoutfit, in ihrer engsten Jeans und in den Cowboystiefeln oft wie ein kompletter Fremdkörper in den feinen Geschichten. Mir ist schon klar, dass man mit ihr einen möglichst krassen Gegenpol zu Krol schaffen wollte, und sie als Schauspielerin wäre ja eigentlich auch ganz gut dafür. Aber diese Rolle war dermassen übertrieben gezeichnet, dass ihre Auftritte einen immer wieder aus den Szenen rissen. Und das spürte wohl keine besser, als sie selber. Sie hat gekündigt und wird nur noch in den nächsten zwei Folgen zu sehen sein. Eigentlich die falsche Lösung, da das Unterfangen sicher nicht wegen mangelndem Talent ihrerseits, sondern wegen der absurd geschriebenen Figur gescheitert ist. Man hätte im Drehbuch ihr Tun und ihre Art einfach ums 5-fache runterfahren können, und schon hätte man ein perfektes Duo gehabt. Aber da das in der Entscheidungsetage mal wieder keiner gerafft hat, ist jetzt halt die Schauspielerin weg. Schade, aber konsequent. Denn eine Schauspielerin muss sich in einer Figur schon sehr, sehr unwohl fühlen, wenn sie eine Tatort-Hauptrolle nach nur 5 Folgen kündigt! Zumindest die Schauspielerin versteht also was von gutem Fernsehen, und wir können uns nun in aller Ruhe auf den grossartigen Krol und auf gute Geschichten konzentrieren.

21. Oktober 2012

Tatort: Tote Erde (Stuttgart)



Verschont mich doch bitte endlich mit dem Stuttgarter Tatort. Natürlich, für den Zuschauer gibt es mit Konstanz, Saarbrücken, Ludwigshafen usw. sicher auch noch schlechtere, aber für einen Barometer-Autor ist Stuttgart die Pest. Nicht annähernd gut genug, um ein spannendes Barometer zu schreiben, aber eben auch nicht schlecht genug um einen anständigen Komplettverriss zu publizieren. Der Stuttgarter Tatort ist ein unbedeutendes Lüftchen von Nichts. Bereits am Montagabend werdet ihr gar nicht mehr wissen, worum es eigentlich gegangen ist. Ihr werdet vielleicht noch wissen, dass er nicht grottenschlecht war, und ihr werdet vielleicht noch wissen, dass er nicht wirklich gut war. Aber die Geschichte? Keine Ahnung. Macht mal den Test. Wer von euch kann sich auch nur an eine Geschichte aus einem Stuttgarter Tatort erinnern? Tja… Genau das meine ich mit „keine Ahnung“. Da ist mir doch eine Entführung (incl. Ricola) in einem Postauto in die Appenzeller Berge fast noch lieber. Auch wenn die Szene an Peinlichkeit nicht mehr zu überbieten war, konnte man darüber zumindest heiss diskutieren, und ihr werdet diese Geschichte auch in einem Jahr noch in euren Köpfen haben. Das kann euch mit einem Stuttgarter nie und nimmer passieren. Weder im positiven noch im negativen Sinne.
Ich brauche euch nur ein einziges Stichwort zu geben und ihr werdet wissen, was ich damit meine: Ökoaktivist!
Also Entschuldigung. Mag ja sein, dass so was bei uns in den 80er Jahren für Spannung gesorgt hätte, aber heute? Ok, in Stuttgart ist das Thema sicher präsenter. Immerhin haben sich da vor nicht allzu langer Zeit fast drei Generationen (40-90 jährige) komplett neu erfunden, haben sich die Haare unter den Armen spriessen lassen, Pullover gestrickt, haben sich mit Baumarkt-Kabelbinder an morsche Bäume gekettet und haben sich von Polizeiwasserwerfern durch die Luft schleudern lassen. Das war vielleicht mal ein Erlebnis. Jeder durfte mitmachen, jeder durfte nochmals die Sau rauslassen, nochmals das Leben spüren, bevor es zurück in den Nachkinder-Ehealltag im Reihenhäuschen oder gar ins Altersheim ging. Das mag ja süss gewesen sein. Gebracht hat’s bekanntlich nix und so was nun in einen Tatort zu verpacken, bringt noch weniger (obwohl das Drehbuch mit Stuttgart 21 natürlich nichts zu tun haben wird). Dieser Fall spielt in der wesentlich spektakuläreren Freeclimber-Szene. Buuhhhuuuuu. Wirklich krass. Die Story wird mir also das Gesicht lähmen, und da mich die zwei Kommissare fast noch weniger interessieren, wird das wohl wieder ein Stuttgarter, wie die Stuttgarter nun mal sind: Langweilig und ohne jegliches Potential nach oben oder nach unten. Das einzig Positive daran, ich werde am Montagabend schon wieder vergessen haben, um was es in diesem Tatort eigentlich ging.


Erwartungs-Barometer:  < 4
Die Note danach: 3,5

 
Als Film wird es für eine 4 reichen und darum würde es ja in einer Empfehlung eigentlich auch gehen. Aber aus Tatortbarometer-Gesamtsituation-Übersicht wird die Wahrheit eher tiefer liegen.

0 = ungefähr so viel Erwartung wie von der Tipp-Zuverlässigkeit PFK Niva!
6 = ungefähr so viel Erwartung wie von der schrecklich harten Zeit, wenn R.S. in den USA arbeiten muss!

Falls ihr kein Interesse mehr an diesem Barometer haben solltet, könnt ihr den Newsletter jederzeit unter folgendem Link abbestellen:

14. Oktober 2012

Tatort: Borowski und der freie Fall (Kiel)



Und schon wieder Kiel. Es scheint, als ob die im hohen Norden mittlerweile monatlich eine Tatort- Folge produzieren. Aber sind wir ehrlich, uns kann das nur recht sein, denn so haben wir die Garantie, dass wir in jedem Monat mindestens  einen guten Tatort zu sehen kriegen. Wie vor kurzem erwähnt, ist für mich Kiel im Moment die konstant beste Tatort-Reihe. Natürlich gibt es von den meisten Städten immer mal wieder eine gute Folge, aber Kiel serviert uns wirklich nur noch Gourmet- Krimis, und der morgige wird wohl wieder ein richtiger Festschmaus. Dieses Mahl hat sich der Drehbuchautor wieder was äusserst Cleveres einfallen lassen. Der Fall des Politikers Barschel, der 1987 in Genf tot in einem Hotelzimmer gefunden wurde, wird thematisiert und könnte so für den Zuschauer, durch die Prise Realität, für eine Portion Extraspannung sorgen. Ein Journalist, der damals angeblich Zeuge war, wird ermordet aufgefunden. Es geht also um diesen Mord von heute und um Fakten bzw. Verschwörungstheorien von damals. Wieder ein Experiment, wieder riskiert man in Kiel Einiges und wieder bin ich mir sicher, dass das absolut gelingen wird.
Was mich jedoch in den letzten Borowski-Folgen immer leicht störte, war Sibel Kekilli bzw. ihre Rolle als Hilfsscheriffin. Ich fand sie in „Gegen die Wand“ wirklich klasse, aber in der Tatortreihe hat sie ihren Platz noch nicht gefunden. Ich habe bis heute nicht raus gefunden, ob ihre Figur einfach schlecht geschrieben ist, oder ob sie unter dem Strich halt doch keine so gute Schauspielerin ist. Ok, bis jetzt war sie ja auch eher Beigemüse und musste sich durch irgendwelche Klischee-Internet-Hacker-Geschichten kämpfen oder wurde von einem Psycho-Pösteler gestalkt. So richtig entfalten konnte sie sich definitiv noch nicht. Morgen nun scheint sich das zu ändern. Ihre Rolle wurde ausgebaut, ihre Figur kriegt wesentlich mehr zu tun und sie wird sich richtig in diesen Fall reinhängen können. Dieser (freie) Fall wird also zur Reifeprüfung der Sibel Kekilli werden(was den Tatort angeht). Sie bekommt ihre grosse Chance, mich nun endlich auch als Kommissarin zu überzeugen (also nicht, dass sie sich auch nur eine Sekunde für meine Fürze interessieren sollte, aber ich bin nun mal der, der das Barometer schreibt). Gnadenlos wird sich also zeigen, ob sie es schafft, ihre ausgebaute Rolle mit einer spannenden Figur zu füllen, oder ob sie weiterhin ein bisschen planlos durch das Kieler Hafenbecken schwimmen wird. Klar, das alles ist nur ein fieser Barometer-Nebenstrang, weil es sonst kaum was zu kritisieren gibt. Aber so ist es halt. Wenn die Qualität konstant stimmt, steigen die Erwartungen. Klar ist aber auch, der Kieler Tatort wird einmal mehr richtig gut und über Live-Schaltungen in Talkshows lässt sich für einmal grosszügig hinweg sehen.

Erwartungs-Barometer: 5,5 
Die Note danach: 5,5

Gute Folge aus Kiel = weisser Schimmel.
Aber diese Folge wird wohl noch weisser als ein weisser Schimmel

0 = ungefähr so viel Erwartung wie von der morgigen Alternative auf ZDF!
6 = ungefähr so viel Erwartung wie vom morgigen „Autor&Regie“-Duett!

Falls ihr kein Interesse mehr an diesem Barometer haben solltet, könnt ihr den Newsletter jederzeit unter folgendem Link abbestellen:

7. Oktober 2012

Tatort: Nachtkrapp (Konstanz)



Das Tatort im Bodensee tut Jubiläum zum 10 Jahre für alten Fall aufgerollt wieder neuer Kommissar aus Schweizer Seite. Geht tun Junge ermordet auf Jugendgruppe. Nachahme Mörder vielleicht falscher aber damals in Klara Blum Fall ermittelt früher gegen Gefängnis. Fall tragisch sehr aus Polizist und vom Thurgau. Kommissar von Nerven blank liegen Fehler. Fall damals tun heute verwechselt Junge wiederholen Mord vom Konstanz zu See. Nebel lichtet vom Wasser das Sache damals über Buben.
Ungefähr so würde sich das Barometer lesen, wenn es vom heutigen Drehbuchautor geschrieben werden würde. Tja, was soll man dazu gross anfügen?  Der aufmerksame Barometer-Leser wird über die Jahre bemerkt haben, dass ich eher kein Fan der Bodensee-Grütze und der Klara Blümchen bin. Ein ganzes Jahrzehnt gibt es diese ungünstige Konstellation nun schon, und es waren 10 erbarmungslose Jahre voller Schmerz & Leid. Und wie es sich für ein würdiges Konstanz-Jubiläum gehört, schiessen sie mit dieser Folge wieder ganz unten rein. Obwohl die Story (von einem Bubenmord, der exakt so passiert, wie eine schon vor langer Zeit geklärte Tat) gar nicht so schlecht klingen würde, kann ich euch einmal mehr ein monströses Bodensee-Debakel garantieren.
Ich habe vor kurzem gelesen, dass im Durchschnitt 23 fertige Drehbücher bei der jeweiligen ARD Station eingereicht und bearbeitet werden müssen, bis eines den hohen Ansprüchen genügt, und dann auch wirklich verfilmt wird! Die Tatortkommission vom Südwestdeutschen Rundfunk musste also 22 noch schlechtere Bücher ertragen, um am Ende diesen Müll produzieren zu können. Stellt euch das mal vor! Absolut unfassbar, was uns hier wieder vor die Füsse gebrochen wird. Alleine, dass es überhaupt ein Script auf Erden geben soll, welches  noch schlechter sein könnte, als dieses, ist wirklich nicht zu glauben. Aber eben, laut Statistik wurden für „Nachtcrap“ 22 noch grottigere Bücher geschrieben! Wer macht so was? Gibt es denn kein Berufsverbot oder so? Das sind doch alles Profis? Irgendjemand muss das doch mal irgendjemandem sagen! Oder schieben die Deutschen dann einfach wieder die ganze Schuld auf uns, weil da ein neuer Schweizer Kommissar auftaucht? Aber wir haben das doch nicht geschrieben. Ich habe damit nichts zu tun! Hilfe. Irgendein überbezahlter Degeto-Kontrolleur bei der ARD muss das doch mal merken. Oder sieht sich das gar keiner an?  Oder wie oder was? Konstanz? Also Entschuldigung, aber mehr gibt es nun wirklich nicht zu sagen.

Erwartungs-Barometer: 1
Die Note danach: 2

Schlechte Folge aus Konstanz = weisser Schimmel.
Aber diese Folge wird wohl noch weisser als ein weisser Schimmel!

0 = ungefähr so viel Erwartung wie vom heutigen „Autor&Regie“-Duett!
6 = ungefähr so viel Erwartung wie von der heutigen Alternative auf RTL!

Falls ihr kein Interesse mehr an diesem Barometer haben solltet, könnt ihr den Newsletter jederzeit unter folgendem Link abbestellen: