31. August 2013

TOP/FLOP 5: Tatort Gegensätze



Quasi die 5 grössten Gegensätze in den momentanen Tatort-Folgen. 


Rang 1: Kiel                       
Klaus Borowski Top / Sarah Brandt Flop 

Rang 2: Berlin   
Stadt Top / Drehbücher Flop 

Rang 3: Leipzig
Andreas Keppler Top / Eva Saalfeld Flop 

Rang 4: Dortmund
Schauspieler eigentlich Top / Ihre Figuren leider Flop 

Rang 5: Köln 
Freddy Schenk Top / Max Ballauf Flop


18. August 2013

Tatort: Geburtstagskind (Luzern)

Endlich, endlich! Der Sommer hat sich verzogen, die Hitze drückt mich nicht mehr zu Boden, der Schweiss rinnt nicht mehr aus allen Poren. Endlich, endlich! Die Sommerpause ist vorbei, der Tatort ist zurück. Meine Freude könnte nicht grösser sein, denn als wäre der Saisonstart nicht schon Ereignis genug, ballert das Erste einen Knaller raus, wie es ihn seit 14. v. Barometer nicht mehr gegeben hat. Ein Feuerwerk wird über euren Dächern explodieren, der 1. August und das Züri-Fäscht würden erstarren vor Neid. Genauso muss ein Saisonauftakt sein. Genauso holt man die Leute aus der Badi direkt vor die Glotze. Ich kann kaum mehr schlafen, seit ich weiss, welch Fass mit dieser Folge aufgemacht wird. Das wird ein Tatort-Start, den ihr so schnell nicht mehr vergessen werdet. „Boom“. Kann ich nur sagen.„Boooooooooooooooooooooooooooooooooooooooom.“
Was für ein Einstieg, was für ein Abend. Der Tatort ist zurück, und das mit einem absoluten Meisterwerk!!!
Wie unglaublich gerne würde ich nach einer Sommerpause einfach mal in dieser Art was schreiben können. Leider stecken wir aber nach wie vor mitten im Hochsommer, und die ARD jubelt uns, zum Auftakt, den neuen Gubser unter. Gääääähhhhnnnn.
Ich wäre nach dieser Pause dermassen heiss gewesen eine Tatort-Bombe zu präsentieren. Ich habe eine kriminalistische Unruhe in mir, die nichts lieber tun würde, als mit voller Wucht meine Tatort-Seele aus dem Körper zu schreiben. Ich bin sowas von positiv eingestellt, auf das Ende dieses Sommers, auf die neue Saison. Ich möchte die ersten herbstlichen Anzeichen spüren, ich möchte einen Haufen frische Maroni fressen, ich wäre noch viel bereiter als Hertha und YB zusammen. Ich wäre dermassen bereit, dass ich beim kleinsten Anflug von hoher Qualität mit Sechsen nur so um mich werfen würde. Ja, ich wäre wirklich offen gewesen Pandoras Tatort-Box zu öffnen. Aber eben. Wir stecken noch mitten im Hochsommer, die Sonne brennt zum Fenster rein, die Badis sind nach wie vor gefüllt mit fettig bruzelnden Cervela-Würsten, und an die Türe klopft kein Meisterwerk, sondern der neue Schweizer Tatort. Was soll man da machen? Das Kader der ARD sitzt noch nicht einmal im Flieger Malle-München, da ist meine ganze Barometer-Euphorie schon wieder verpufft.
Gut zu wissen, dass der eigentliche Genuss des Tatorts ja sowieso praktisch nur aus Vorfreude besteht. Und derer werde ich euch sicher nicht ganz berauben. Ich konnte zwar einmal mehr nicht das Barometer schreiben, welches ich gerne geschrieben hätte, aber der neue Luzerner Tatort wird sehenswert sein. Ein düsterer Film. Eine schwere Geschichte, ein hartes Familiendrama. Je nach Autor, Regisseur und Schauspieler, könnte diese Geschichte sicher weit oben mitspielen, weil ruhig, weil authentisch, weil deftig. Aber inszeniert wurde sie halt von der Abteilung Schweiz.
Die leicht biederen Kommissare gehören da genauso zum Programm, wie die etwas holprigen Dialoge. Dass in die beklemmende Familiengeschichte auch noch eine streng gläubige Freikirche reingepappt werden musste, passt irgendwie auch. Man will ja dem deutschen Publikum zum Ende des Sommers schon was ganz Verrücktes bieten.
Zum Ende des Sommers? Schon irgendwie speziell, dass die letzten paar Luzerner Folgen (bis auf den gelungenen Fasnachts-Tatort) alle entweder als letztes vor, oder als erstes nach der Sommerpause gesendet wurden bzw. werden. Wenn ich das SRF wäre, würde mich dieser Fakt leicht irritieren. Nur ganz leicht. Denn wer sagt eigentlich, wann die Sommerpause wirklich vorbei ist? Vielleicht stecken wir noch mitten drin und die deutsche Chefetage hat sich auf ihrer GEZ-Yacht vor Palma bei einem feinen Gläschen Sekt halb totgelacht, als sie sich entschieden hat, den neuen Schweizer einmal mehr während der Sommerpause, in mitten von all den endöden Bodensee-Wiederholungen, zu verbraten. Die Zuschauer sind doch von der Hitze und von der Klara Blum-Überdosis dermassen gaga in der Birne, dass sie gar nicht kapieren, ob das nun der Vierwaldstätter- oder der Bodensee ist. Hauptsache bisschen Wasser, bisschen Nebel und noch bisschen CH-Dialekt. Aber das ist nicht ok. So sollte man sich unter keinen Umständen behandeln lassen. Und irgendwie trifft es mich mittlerweile auch persönlich. Unter dem Strich bin ich halt doch ein Schweizer, und ich finde es eine Frechheit. In den letzten 2-3 Folgen aus Luzern, waren doch auch ein paar richtig gute Dinge zu sehen gewesen. Besser als in so mancher Saarbrückener oder Ludwigshafener Schwarte! Aber unter dem Strich ist und bleibt der Schweizer Tatort aus deutscher Sicht halt eine seichte und feige Berglersuppe. Auf der limbischen Karte weit unter Heimat und Natur einzuordnen.
Und objektiv betrachtet kann man die immer wiederkehrende Kritik aus Deutschland ja auch irgendwie verstehen, aber trotzdem finde ich diese Terminierung unter aller Sau! Solange das Barometer, solange wir alle am Schweizer Tatort rumnörgeln ist das ja ok, aber sobald sich die wichtigen Herren der ARD eine solch unglaubliche Frechheit rausnehmen, löst das bei mir den patriotischen Pro-Schweizer-Tatort-Effekt aus. Das ist Mobbing auf allerhöchstem Niveau, und als Schweizer Fernsehen würde ich auf der Stelle aus dem Tatort-Verbund austreten. Wir sind ein zahlendes Mitglied und haben ein Recht auf Gleichbehandlung! Die sind doch nicht ganz dicht da in der Tatort-Zentrale.
Und für all die Leser, welche mir nun gleich wieder masslose Polemik vorwerfen möchten, sei gesagt, dass der nächste neue Tatort am So. 08.09. ausgestrahlt werden wird!!!
Weiterer Kommentar überflüssig!
 
Erwartungs-Barometer: 4.5
Note danach: 5
(Und wenn die Sommerpause dann irgendwann mal wirklich vorbei sein sollte, kommt bestimmt eine 2.5 aus Ludwigshafen. Bravo, ARD, bravo! Selbst aus Trotz hätte ich eine 5 gegeben. Kein Meisterwerk, aber ich fand ihn wirklich gut.)
 
Ich bin nach wie vor der Meinung, dass der Luzerner Tatort auf einem guten Weg ist. Da sind so viele gute Ansätze, aber warum hat hierzulande niemand den Mut, einfach mal durchzuziehen, mal richtig was zu riskieren? Schaut doch nach Wien. Es ist schwierig, aber es lohnt sich so sehr. Während der Fasnacht spürte man die Versuche an jeder Ecke, und jedes Mal hätte es einem gleich volle Kanne mit reingezogen, aber auch jedes Mal haben sie es gleich selber wieder irgendwie zerstört. Ich bin nur ein nutzloser Barometerschreiber, ich weiss, aber falls ihr mich hört da draussen, ihr Verantwortlichen für den Schweizer Tatort, glaubt für einmal dem niedrigen Fussvolk. Die Leute fangen an, eure Filme zu mögen, und das ist doch super. Aber Mut zum Risiko, Mut raus zu gehen und einfach mal richtig unter die Haut zu fahren, Mut, für einmal über die durchschnittlichen Stränge zu schlagen, oder einfach auch Mut, komplett zu versagen, das macht die Filme erst richtig spannend. Risiko! Die Zuschauer würden eure Filme nicht nur anfangen zu mögen, sie würden sie lieben, und die ARD würde nicht mehr drum rum kommen, die Luzerner Tatorte mitten in der Weihnachtszeit als grosser TV-Event zu senden, anstatt mitten im Hochsommer als feige Berglersuppe. Ich schwöre es!
 
0 = Sommerpausen, die mitten im Hochsommer beendet werden.
6 = Sommerpausen, die mit dem ersten kühlen Herbstwind beendet werden.

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23. Juni 2013

Tatort: Letzte Tage (Konstanz)



Jedes Jahr dasselbe Theater kurz vor der Tatort-Pause. Die Hitze steigt, das Niveau sinkt.
Konstant Konstanz: Schöner See, schlechte Story, langweilige Schauspieler, öde Gegend, obermühsamer Tatort. Für so nen Schrott habe ich momentan weder Zeit noch Muse. 
 
Erwartungs-Barometer: 2.5
Note danach: Werde ich wohl nie erfahren!

Für das Barometer beginnt die Sommerpause bereits heute. Sorry.

0 = Meine Tatort-Stimmung bei solchem Schrott
6 = Meine eigentliche Tatort-Stimmung

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16. Juni 2013

Tatort: Die Wahrheit stirbt zuerst (Leipzig)



Gerade jetzt, als ich langsam aber sicher selber zu glauben begann, dass Leipzig nun endlich wieder ein gutes Niveau erreicht hat, kaufte ich mir dummerweise aus lauter Langeweile ein billiges TV-Magazin, welches mich mit einem Kurzbeschrieb hart auf dem Boden der Realität aufschlagen liess. Wirklich sicher ist man sich ja nie, aber ich befürchte, dass uns der MDR wieder eine ziemlich biedere Durchschnittsgurke in den Teller wurstelt.
Ach ach, was wird im Osten nur für Potential verschenkt. Man hätte eine solch unglaublich spannende Stadt und einen solch unglaublich guten Schauspieler zur freien Verfügung. Zusammen ergäbe sich eine solch geballte Ladung an Qualität, dass die uns locker ein Meisterwerk nach dem andern um die Ohren schmettern könnten. Wuttke und Leipzig könnten mit einer Energie in unseren Verstand dringen, da würde selbst die total talentfreie, ausgediente DDR-Barbie gar nicht mehr auffallen. Aber wenn nun natürlich die Drehbücher auch wieder ihrem Niveau angepasst werden, dann reicht halt nicht mal mehr dieses endgeniale Monsterpaket.
Sehr schade, die letzten Folgen liessen, wie erwähnt, einiges versprechen, und ich hatte wirklich den Eindruck, dass sich Leipzig zu einer grossen Reihe entwickeln könnte. Aber diese sehr gefreute Ost-Tatort-Laune wird jetzt erst einmal abrupt gestoppt.
Eine Frau findet ihre Tochter tot in einem Boot. Der von ihnen getrennt lebende Vater wird unweit vom Tatort benommen und mit aufgeschnittenen Pulsadern gefunden und ist somit Hauptverdächtiger. Er schwebt in Lebensgefahr,… (So weit so gut, aber) …und nur eine Blutspende von der Kommissarin Saalfeld kann ihn noch retten!?! Was? Wie absurd ist das denn? Also beim Drehbuchautor ist definitiv goar nix mehr zu retten. Egal, es kommt noch besser. Die Ermittlungen werden mal wieder durch eine bissige BKA-Beamtin erschwert. Wow, so genial. Gespielt wird sie übrigens von Katja Riemann. Bekanntlich eine der grössten deutschen Schauspielerinnen. Mich hat die zwar nie wirklich von den Socken gehauen, aber dass in Leipzig nun für einmal sogar eine echte Schauspielerin mitspielt, kann sich ja eigentlich nur positiv auf das Gesamtprodukt auswirken. Aber den absoluten Höhepunkt des Drehbuches habe ich noch gar nicht verraten. Als Riesenüberraschung ist die Spassbremse vom BKA selbstverständlich eine Ex-Freundin vom Kommissar Keppler. Yeees! Grosses Geschichteerzählen!!!
Ganz ehrlich, wie soll bei einer solch konstruierten Story noch irgendeine Spannung aufkommen? Wen interessiert jetzt noch, wer der Mörder sein wird? Also mich nicht.
Falls sich übrigens jemand über die unglückliche Programmierung nerven sollte, weil mitten im Hochsommer ein Tatort aus dem winterlichen Leipzig ausgestrahlt wird, dem sei gesagt, dass das mitunter der einzige Fehler ist, bei dem die Verantwortlichen wirklich nichts dafür können. Martin Wuttke hat sich bei einer Vorstellung an der Berliner Volksbühne das Wadenbein gebrochen, und die Dreharbeiten mussten auf Anfang 2013 verschoben werden. Ansonsten wäre dieser Tatort nämlich bereits im Winter ausgestrahlt worden. Schade eigentlich, dann hätten wir ihn schon durch.

Erwartungs-Barometer: 3.5
Die Note danach: 3.5
(...nur das winterliche Leipzig war grandios!)

Es lebe die Stadt Leipzig, es lebe der Martin Wuttke, es lebe der Erfolg, den man in dieser Stadt zweifelsohne erleben kann, aber zum Teufel mit solch biederen Drehbüchern. Wir sind doch erst in einer Woche am Bodensee.

0 = MFBC Löwen, wenn es drauf ankommt.
6 = Chris Worblental, wenn es drauf ankommt.

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