1. Januar 2014

Tatort: Türkischer Honig (Leipzig)



Die Tage der letzten Chance - die Tage der letzten Hoffnung …. Diese Zeile hat sich vorerst erübrigt.

Hallo liebe ARD!
So sieht das also aus, wenn du einen richtigen Tatort machst. Ob es ein richtig guter war, darüber lässt sich diskutieren. Ich musste die Story jetzt erstmal setzen lassen. Noch während dem Schauen war ich mir unsicher, was du damit genau willst. Aber je länger ich am nächsten Tag darüber nachgedacht habe, desto besser fand ich ihn. Desto mehr Dinge fielen mir auf, die mir während des Tatorts nicht richtig bewusst waren. Der war schon irgendwie sehr raffiniert. Man ist sich ja von dir eine leicht anspruchsvollere Geschichte gar nicht mehr gewohnt. Da muss man erstmal umschalten können. Und so kann ich auch heute noch nicht genau sagen, ob ich diesen Tatort nun richtig gut fand, oder ob meine Erwartungen im Laufe des letzten Jahres einfach dermassen gesunken sind (denn niemand versteht es besser, Erwartungshaltungen runterzuschrauben als du). Nun, zumindest war er sehenswert, das steht ausser Frage. Ein Tatort, der mich auch am Tag danach noch lange beschäftigt hat. Du hast es also im allerletzten Moment geschafft, mich doch noch umzustimmen. Ich werde vorerst bei dir bleiben. Doch während ganz Deutschland über diese ausgewöhnliche Kieler Folge jubelt, und sich die positiven Kommentare nur so überschlagen, mag ich mich trotzdem nicht so richtig freuen. Das ewig pessimistische Barometer halt.
Da kriegen wir von dir ein Jahr lang eine solche Scheisse vorgesetzt, nur um mit der allerletzten Folge des Jahres doch noch zu realisieren, dass es anders gehen würde. Ganz ehrlich liebes Erstes, auf diesem Niveau müsste dein Durchschnitt liegen. So muss ein Tatort sein. Punkt. Und auf dem solltest du für die richtig guten Folgen aufbauen können. Natürlich kannst du mir nun vorwerfen, dass das Barometer mal wieder mitten in der grossen Feier, mitten im Erfolg des Jahres, seine schlechte Stimmung verbreitet, der Miesmacher vom Dienst, aber das glaubt dir nur, wer noch nicht weiss, was du heute Abend auf den Sender sauen wirst. Es ist zum Verzweifeln. Warum machst du das mit uns? Wir sind doch deine treusten Leute. 2013 ist nun vorbei, das Highlight wurde gesetzt, jetzt kannst du die Tatort-Reihe also wieder ganz, ganz unten ansiedeln. Und wer wäre dafür besser geeignet, als eines deiner grössten Problemkinder? Der MDR. Bekannt für sehr viel Ärger in den eigenen Reihen und Tatorte aus Erfurt, Weimar und nun Leipzig. Mir graust!
Ich zitiere den Pressetext aus einem TV Magazin (wortwörtlich!):
„Überraschendes über Eva Saalfeld. Die Kommissarin hat eine Halbschwester und einen Vater, den sie einst höchstpersönlich in den Knast gebracht hat. Erstere heisst Julia, meldet sich erstmals im Leben bei Eva und wird vom Fleck weg entführt. Das Erste müsste eigentlich auf seiner Website ein Diagramm der saalfeldschen Familienverästelungen präsentieren.“  
Ich hätte da einen viel besseren Tipp an dich, liebe ARD. Spreng den saalfeldschen Familien Clan in der nächsten Folge einfach in die Luft. Am besten gleich am Anfang. Bääääm und weg! Welch unendliche Win/Win/Win-Situation für den Zuschauer. Die völlig talentfreie Thomalla wäre endlich vom Bildschirm verschwunden, und ihr müsstet nicht mehr mit solch hanebüchenen Storys zu vertuschen versuchen, dass sie als Kommissarin Saalfeld vor lauter Botox ihr Gesicht gar nicht mehr bewegen kann. (Keine Ahnung, ob sie es vor den Spritzen jemals konnte). Und als absolute Krönung, könntest du dich dann vollends auf Kommissar Keppler konzentrieren. Besetzt mit Martin Wuttke, etwas vom Besten, was der Deutsche Schauspielmarkt zu bieten hat. Kann mich immer nur wiederholen. Aber eben, du fokussierst lieber auf die Familien-Saga von der Saalfeld. Warum? Bei dir arbeiten doch die besten Leute des Landes, liebe ARD. Wer kommt auf sowas? Frau Kommissär wird mal wieder völlig überfordert und ohne jeglichen Plan durch diesen Tatort tappen, kriegt Eiszeit ohne Ende, während du deinen besten Ermittler lieber völlig unterfordert, ob dieser dürftigen Geschichte, ein bisschen im Hintergrund rumhantieren lässt. Warum? Warum machst du das? Und das als Geschenk zum Jahresbeginn! Bist du eigentlich total bescheuert?

Erwartungs-Note: 3
Die Note danach: 3 
Wenn nicht der Wuttke zwischendurch mal im Cabrio durchs Bild gefahren wäre, hätte ich glatt gedacht, dass das eine Folge von GZSZ sei...

Ein ganzes Jahr lang Müll und zu guter Letzt eine annehmlich feine Folge. Mein gestecktes Ziel wurde zwar haarscharf erreicht, aber von der Normalität, wie sie ein Barometer gerne sehen würde, sind wir weit entfernt. Bis endlich mal wieder ein paar wirklich gute Folgen ausgestrahlt werden, bis sich der Tatort endlich mal wieder auf einem konstant annehmbaren Niveau befinden wird, hält sich meine Lust also nach wie vor in Grenzen. Es kann also durchaus sein, dass das Barometer in der nächsten Zeit auch mal etwas knapp ausfallen werden wird. Na, zumindest werden sich darüber diese Leser freuen, die mir oft sagen, dass ich mich im Barometer wesentlich kürzer halten müsste (womit sie natürlich absolut Recht haben). Selbst in der grössten Krise der Tatort-Neuzeit gibt es also auch ein paar Gewinner! Sehr schön.
…Obwohl, bei dieser Folge aus Leipzig, kann man kaum von irgendwelchen Gewinnern unter den Zuschauern reden. (Ausser die, die ihn nicht sehen werden.) Na dann, prost. Frohes neues Jahr!!!

0 = Soviel Erwartungen wie vom Tatort-Jahr 2013
0 = Soviel Erwartungen wie vom Tatort-Jahr 2014

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29. Dezember 2013

Tatort: Borowski und der Engel (Kiel)




Die Tage der letzten Chance - die Tage der letzten Hoffnung

Chance 3 von 6:

Viel gibt es nicht mehr zu schreiben. Ich bin zu nervös. Zu angespannt, um noch grosse Erklärungen abgeben zu können. Dass es so eng werden würde, hätte ich nicht gedacht. Die Lage könnte ernster nicht sein.

--- Kiel! ---

Wer soll mich rausholen, wenn nicht Kiel? Danach folgen eine Katastrophe aus Leipzig und je eine Wundertüte aus Frankfurt (ohne Nina Kunzendorf) und Köln. Ob die zwei letzteren mich retten werden können, wage ich jedoch schwerstens zu bezweifeln. Kiel also muss es richten. Ausgerechnet Kiel. Kiel, welches mich seit ich das Barometer schreibe noch nie enttäuscht hat! Und nun muss ich ausgerechnet diesem Kiel, welches so viel Gutes für uns getan hat, eine solch zentnerschwere Last aufbürden. Dieser unbeschreiblich grosse Druck, endlich mal wieder einen richtig guten Tatort abzuliefern. (Der letzte war übrigens am 12. Mai 2013. Eine sehr lange Zeit. Und es war Kiel.)

Nun, die Story klingt äusserst vielversprechend. Sehr unkonventionell. Eine Zeugin, die bei einem Autounfall helfen wollte, verstrickt sich immer mehr in eine Lügengeschichte, und irgendwann weiss man nicht mehr so genau, was jetzt Realität ist und was sie nur erfindet bzw. ob sie nun eigentlich eine Gute oder eine Böse ist. Oder gar was dazwischen? Ein genial subtiles Drehbuch, hervorragende Schauspieler und ein feines Ende, ist über diese Folge zu lesen. Was will man mehr? „PERFEKT“ schreit es aus jeder Pore meines Körpers! Zudem sei erwähnt, dass der Drehbuchautor bereits „Borowski und die Frau am Fenster“ und „Borowski und der stille Gast“ geschrieben hat. Die Nummer 1 und die Nummer 3 auf meiner BarometerTop10 Liste! Welch unglaubliche Voraussetzungen also, um das Blatt im allerletzten Moment doch noch zu wenden! Und wenn der Regisseur clever genug war, die Sibel vielleicht für einmal ein bisschen ruhig im Hintergrund zu inszenieren, da sie der unsrigen Sprache ja offensichtlich nicht mächtig ist und kein Wort von dem versteht, was sie sagen muss, könnte zum Jahresende die so unglaublich lang ersehnte „richtig gute Folge“ doch noch Tatsache werden. Stellt euch diese Dramatik vor: Der allerletzte Tatort in diesem Jahr rettet mich vor dem endgültigen Totalausstieg. Wahnsinn, was die ARD hier mit uns macht. Ein Drama, welches besser nicht hätte geschrieben werden können. Meine Knie sind weich, meine Hände zittern beim Schreiben. Authentizität pur. Kiel muss es sein!
Warum ich trotzdem so nervös bin? Irgendwie klingt das alles zu perfekt, es ist zu ruhig, fast zu schön um wahr zu sein. Zudem frage ich mich, ob man wirklich drei so gute Drehbücher in Serie abliefern kann? Wenn das tatsächlich möglich wäre, warum würde man nicht einfach nur noch diesen Autor schreiben lassen? Dann gäbe es ja nur noch gute Tatorte. Stellt euch mal vor! Nein, so einfach kann es nicht sein. Gerade bei solchen Scripts besteht auch immer die Gefahr, dass alles etwas zu konstruiert wirken könnte, dass die Story auf zu vielen Zufällen beruhen wird. Das ist heikel und kann schnell mal einen richtig guten Tatort versenken. Sehr schwierig. Aber um ganz ehrlich zu sein, das muss ich jetzt schlicht ignorieren. Ich brauch die „richtig gute Folge“, ich brauche sie dringendst. Jetzt!

Erwartungs Note: 5.5
Die Note danach: 5++

Kurz und knapp: Kiel muss es sein. Danach wird es sauschwer. Ich habe hoch gepokert, zu hoch, habe naiv an das Gute geglaubt, war mir sicher, dass da doch noch irgendwo ein bisschen Liebe zwischen mir und dem Tatort sein muss, oder dass die Macher den eigenen Anspruch, einen guten Tatort zu realisieren, noch nicht ganz verloren haben. Wie immer habe ich doch noch an eine positive Wende geglaubt, auch nach all den Enttäuschungen. Ich bin wohl ein negativ denkender Optimist. Also bitte, bitte liebes Kiel erlöse uns von all dem Schwachsinn und schenke mir eine Tatort-Zukunft!
3. Chance => Borowski sei mein Engel

0 = Ahhhhhh, ihr kennt doch alle das Notensystem.
Was weiss ich. Sage doch, dass ich viel zu nervös bin…

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26. Dezember 2013

Tatort: Die Fette Hoppe (Weimar)



Die Tage der letzten Chance - die Tage der letzten Hoffnung.

Chance 2 von 6:

Dass uns ein Tatort-Weihnachts-Special mit zwei rumalbernden MTV-Eselchen nicht aus der endgrundtiefen Misere helfen würde, war ja absolut klar. Also werde ich von diesem Krippen- bzw. Krüppelspiel auch nicht enttäuscht sein. München liess mich hängen, deftig hängen und das tat richtig weh, aber von Weimars Christkindlausgabe erwarte ich ungefähr so viel wie von einem lauwarmen Schluck Apfelpunch ohne Alkohol. Also so, wie Tom und Rich ihn gerne trinken.

Natürlich ist es eine grosse Sache, wenn man sich zwei solche Nummern wie Nora Tschirner und Christian Ulmen angeln kann. Und natürlich sind das bewundernswerte Künstler, das steht doch alles ausser Frage. Die haben sowohl im TV, wie auch im Kino grossartige Dinge gespielt. Oft wurden Ihnen Rollen genau auf den Leib geschrieben. So als süsses Vieraughäschen, war die Nora natürlich zauberhaft, und Ulmen als schräger Vogel war auch immer wieder richtig gut. Aber welcher Teil davon qualifiziert sie nun zu guten Tatort-Ermittlern? Worum geht es den Verantwortlichen eigentlich? Um einen seriösen Tatort, oder einfach nur noch um ein Quoten-Spektakel? Das ist doch völlig absurd! Das Ganze bewegt sich mittlerweile wirklich auf einem Level, der kaum mehr zu ertragen ist. Irgendwelche Städtchen, die nicht der Rede wert sind, Kommissare, die kein Mensch ernst nehmen kann und möglichst viel Geld in bekannte Gesichter investieren, anstatt in ein gutes Drehbuch. Das Schlimme: Es wird immer noch schlimmer! Natürlich steht uns nicht die schlechteste Folge aller Zeiten bevor, aber trotzdem fühlt es sich irgendwie an, als wären wir nun an einer Art Tiefpunkt der bisherigen Tatort-Geschichte angelangt. Der Tatort killt sich selber! Suizid sozusagen. Bzw. eigentlich killen ihn ja die Verantwortlichen. Was für ein toller Fall: Die Leiche ist der „Tatort“ selber. Und wer soll diesen dann bitte noch auflösen? Gottschalk als Nikolaus und Jauch als Knecht Ruprecht? Überraschen würde es mich nicht.

Die Geschichte spielt im Endeffekt also einmal mehr nur noch eine untergeordnete Rolle. Auf dem Weihnachtsmarkt werden ein paar frische Plätzchen geklaut und gleichzeitig wird hinter einem Lebkuchen-Häuschen ein schizophrenes Rentier von einem trisexuellen Engel massiv belästigt oder so. Vielleicht wird auch eine Wurstkönigin entführt und vielleicht ist ja auch die Nora zufälligerweise hochschwanger. Wär ja irgendwie auch eine sehr gelungene Idee zu Weihnachten. Nora gebärt eine Art Jesuskindl und löst nebenher noch einen Mordfall in der Wursterei. Kongenial. Nun, wie auch immer die Story ausgehen wird, der Stern von Bethlehem wird für einmal golden über Weimar leuchten als läge es mitten in Judäa. Deutschland wird diesen Tatort lieben, Deutschland wird dieses Kommissarenpaar vergöttern! Eine Fortsetzung ist beschlossene Sache, für das gelobte Volke ist Weihnachten in einem Jahr also bereits gerettet, während ich mich langsam mit der Tatsache abfinden muss, dass für mich diese Weihnachten zum ganz grossen Tatort Fiasko verkommen könnte. Heute Abend werde wohl ich frierend und heulend, völlig verloren in einem Stall liegen und hoffen, dass die Welt eine bessere werden wird. (Leider nicht dank mir). Spannende Bösewichte wie Herodes gibt es schon lange keine mehr und die wenigen Hirten die mir geblieben sind, haben wohl aus lauter Langweile dieses Drehbuch geschrieben, anstatt sich um ihre Schäfchen zu kümmern.
Schickt mir endlich einen Engel, einen Lichtblick, einer, der uns einen anständigen Tatort herbei verzücken kann. Und wo bleiben eigentlich die heiligen drei Könige, wenn man sie wirklich braucht? Die sind doch angeblich so unglaublich spendabel. Die sollen gefälligst endlich auftauchen, Weihnachten ist ja schon fast vorbei! Sie müssen uns ja weder Weihrauch, Gold, geschweige denn Myrrhe schenken. Wir wollen doch einfach nur einen richtig guten Tatort. Ein Meisterwerk zum Jahresende. Mehr nicht. Also das ist ja bescheidener als der Jesus jemals wahr, und der war angeblich sehr bescheiden.

Erwartungs Note: 3  
Die Note danach: Tja, so als Dienstags-Familien-Komödie auf Sat1 wäre der gar nicht so schlecht gewesen, wirklich gute Schauspieler, aber als seriösen Tatort ist er schlicht nicht zu bewerten. Was soll man da noch sagen? Ich bin am Ende meines Lateins.

Der St. Stephanstag, eigentlich der Gedenktag des Martyriums des heiligen Diakons Stephanus, verkommt nun leider zum Martyrium, des anspruchsvollen Tatort-Zuschauers und könnte für mich das mögliche Ende meiner geliebten Tatort Zeit einläuten. Halefuckingluja!
2. Chance  =>  Mit absoluter Sicherheit vertan!

0 = Ungefähr so viele Erwartungen wie von dem, was vom Tatort noch übrig geblieben ist.
6 = Ungefähr so viele Erwartungen wie von dem, was der Tatort einmal war.

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