17. Mai 2015

Tatort: Kälter als der Tod (Frankfurt)


All die Stunden, die wir in diesen famosen Theatern verbracht haben. All die grossartigen Aufführungen, all die Gänsehaut, all die Glücksmomente, trotz Rückenschmerzen von den übel engen Holzsitzen. Und über all der Glückseligkeit schwebten drei göttliche Schauspieler. Drei Schauspieler, welche die Bretter Berlins mit einer solchen Genialität, mit einer solchen Wucht bespielten, dass ich die Volksbühne jeweils schweissgebadet und das Deutsche Theater mit weichen Knien verlassen habe. Drei Schauspieler, die mit solch einem Talent gesegnet sind, dass selbst die arbeitsverweigernden Tatort-Besetzer der ARD am Strand von Bora Bora irgendwann auf sie aufmerksam werden mussten. Auch wenn sie sich geschworen haben, absolut nichts für ihr hohes Gehalt zu tun. 
Drei Schauspieler, die nun allesamt beim Tatort gelandet sind.


Samuel Finzi spielt seit ein paar Folgen den Rechtsmediziner von Borowski in Kiel. Eine zurückhaltende Rolle, in welcher sein Talent wirklich nur sehr bescheiden zur Geltung kommen kann. Vielleicht aber ist er auch einfach ein Theaterschauspieler und nicht ganz so perfekt geeignet für das Fernsehen.



Milan Peschel wurde bereits für diverse Episodenhauptrollen besetzt und hat in der endgenialen Folge „Weil sie böse sind“ (Frankfurt) als alleinerziehender Familienvater eine Performance hingelegt, die bisher kaum je bei einem andern Tatort überboten wurde. Sein letzter Auftritt war als verkleideter Superheld in „Der Hammer“ (Münster). Dieser Tatort war zwar nicht grad der Hammer, aber Milan spielte selbstverständlich hammermässig.


Und nun, last but not least, wie man so dämlich sagt, folgt Wolfram Koch als neuer Hauptkommissar in Frankfurt. 
Welch geniale Sache...







...welch ein Erbe.
Momentan gibt es wohl keine schwierigere Aufgabe im Deutschen Fernsehen. Zu präsent ist die Geschichte mit dem Abgang von Nina Kunzendorf und Joachim Król. Zu bewusst ist dem Zuschauer noch, dass Frankfurt soeben, das wohl beste Ermittler-Duo aller Zeiten völlig dilettantisch zerstört und vertrieben hat.
Der Druck also ist immens. Die Erwartungen extrem. Und aufgrund meiner Theater-Erlebnisse sind meine Erwartungen noch wesentlich höher als extrem!
Eigentlich kann Frankfurt aus Barometersicht also nur verlieren. Und was machen sie? Sie werden gewinnen.

Neben Wolfram Koch wurde mit Margarita Broich auch die weibliche Hauptkommissarin mit einer hervorragenden Theaterschauspielerin besetzt. Lustigerweise ist sie im richtigen Leben die Partnerin von Martin Wuttke, der eben erst in Leipzig entlassen wurde. Tut hier aber natürlich nix zur Sache. Zudem engagierte der Hessische Rundfunk das Regie/Autor-Gespann von „Im Schmerz geboren“ (Wiesbaden), die einzige Folge mit der Note 6, seit ich das Barometer schreibe. Und auch sonst waren die zwei schon für einige sehr gute Folgen verantwortlich. Frankfurt versucht also alles, wirklich alles, damit wir Zuschauer ihnen den eigentlich unverzeihlichen Fehler verzeihen werden. Und auch wenn ich dem alten Team noch heute nachtrauere, so schätze ich diesen Aufwand, diesen Einsatz wirklich extrem. Frankfurt kämpft wie ein dem Tode geweihter Löwe, damit sie den sehr hohen Standard, welchen sie sich in den letzten Jahren hart erarbeitet haben, auch weiterhin halten können. Grosser Respekt vom Barometer.

Und es geht gleich weiter mit der Lobhudelei. Denn während man von einem Autor, welcher „Im Schmerz geboren“ geschrieben hat, ein weiteres knalliges Märchen-Feuerwerk erwarten dürfte, liefert er das pure Gegenteil. Er schreibt einen Krimi aus dem Leben. Eine simple, glaubwürdige Grundgeschichte. Und so sieht es für einmal nach völlig normalen Kommissaren aus. Welch unglaubliche Wohltat, nach all den Psycho-Wracks, nach all den mies gelaunten Ermittlern, nach all dem Depro-Dortmund. Ein neues Team ohne geistige Schäden, ohne Krankheiten, ohne Suizid-Absichten, keine tote Ehefrau, keine kranken Sexfantasien, keine übersinnlichen Kräfte, keine 12-Jährige bei der Polizei und weder alkohol-, noch drogenabhängig. Zwei 0815 Menschen, welche sich nun mal entschieden haben bei der Mordkommission zu arbeiten. So was soll es geben. Angeblich werden sie sogar gut gelaunt zur Arbeit kommen und vielleicht werden sie gar mal lächeln, trotz tragischem Mordfall. Mit Sicherheit jedoch werden sie sich nicht 75% der Sendezeit anschreien. „Jaaaaaaa“, schreie ich dafür! Welch angenehme Freude. Und ihr werdet sehen, normal kann durchaus spannend sein. Normale Menschen können durchaus 90 Minuten lang unterhalten. So ist das richtige Leben. Normal. Juheeeee!

Die eigentliche Geschichte dieser Folge klingt jedoch nicht ganz so normal und ist der einzige Punkt, bei welchem das Barometer heute leicht ins Zweifeln gerät. Aber er ist halt ein nicht ganz unwichtiger. Ein Familien-Drama mit Inzest, Missbrauch, Adoptivkindern, Rabenmüttern, Lesben-Liebe und ein verdächtiger Pösteler in den Häusern (hatten wir doch schon mal in Kiel. Ob das der gleiche ist? Der kam ja damals davon...). Zudem versetzen sich die Kommissare angelblich bildlich immer wieder in das Geschehene rein. Das ist ja auch sehr in Mode momentan und ein bisschen CSI-gaga oder so. Tja. Klingt schwierig, aber bei dem unglaublichen Aufwand, welcher Frankfurt für diese neue Reihe betreibt, könnte diese Folge trotzdem der Anfang einer grossen Barometerliebe werden.

Erwartungs-Barometer: 5

Mittlerweile kriegen wir ja alle zwei Wochen ein neues Team vor die Nase gesetzt. So richtig, richtig überzeugt hat aber irgendwie noch keines.
Dass Frankfurt weiss, wie man grosse Teams aufbaut, haben sie bewiesen. Jetzt müssen sie beweisen, dass sie wissen wie man eines aufbaut und danach auch halten kann. Vieles klingt sehr vielversprechend. Ich hoffe aber, dass die Story einigermaßen hält, und ich hoffe, dass Theatergenies auch im TV so grandios funktionieren.

0 = Macht und Rebell im Theater
6 = Finzi, Peschel und Koch im Theater

Die Note danach: Ø = 4.5
Die Kommissare versprechen sehr viel (5.5), die Story jedoch hätte abstruser nicht sein können (3.5)!

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3. Mai 2015

Tatort: Schwerelos (Dortmund)


Eine Woche – viele Fragen. Fragen meiner Leser, die nicht fassen konnten, wie ich den Abschlusstatort aus Leipzig so gut bewerten konnte, da ich doch ein Authentizitäts-Fetischist sei. Nun, das ist eine sehr komplexe Sache. Ich versuche sie aber simpel zu erklären. Normalerweise kommt ein Tatort als Kriminalfilm daher, welcher versucht so glaubwürdig wie nur möglich zu sein. Und wann immer dieser irgendwelche Fehler drin hat, fallen die sofort auf und werfen mich komplett aus der Geschichte. „Unglaubwürdigkeiten“ in glaubwürdigen Filmen stören also massiv. Leipzig jedoch war so abgedreht, so skurril, jeder hatte dermassen einen an der Waffel, dass das eher ein Theater denn eine reale Geschichte war. Nichts daran war glaubwürdig, aber das dafür glaubwürdig erzählt. Meistens scheitern solche Versuche kläglich, aber für mich hat es dieses Mal vorzüglich funktioniert. Ich war entzückt, ob dem Risiko, welches Leipzig zu guter Letzt nun doch noch einmal eingegangen ist. Leider erst, als sie nichts mehr zu verlieren hatten. Aber es hat sich gelohnt. Sogar die Thomalla offenbarte eine minimste Art von Spielfreude. In Minute 67 sollen sich gar die Gesichtszüge kurz verändert haben.
Natürlich kann ich alle verstehen, die mit diesem Tatort nichts anfangen konnten, geht mir ja oft genug so, aber manchmal funktioniert für einen etwas und manchmal einfach nicht. Kommt auch immer irgendwie auf die Tageslaune des Zuschauers selber an.

Und nun kommt mit Dortmund eigentlich das perfekte Beispiel für meine endwissenschaftlichen Zeilen. Während viele Zuschauer über den irren Faber und seine ähnlich irre Truppe jubilieren, konnte ich mich damit bisher noch nicht ganz anfreunden. Dortmund versucht in vielen Punkten eher einen realistischen Tatort zu produzieren, was ich ja lieben würde, aber es stört mich massiv, wenn der Hauptkommissar gleichzeitig total geisteskrank sein kann. Es ist die von mir beschriebene Unglaubwürdigkeit in einer realistischen Geschichte. Das kann für mich nicht funktionieren.
Nun aber ist es ja so, dass der Faber von Folge zu Folge etwas weniger Austicker und Suizidabsichten hatte (war wohl auch den Machern zu unglaubwürdig), und das hat dem Tatort sichtlich gut getan. Man konnte sich, neben all den privaten Geschichten der Kommissare, nämlich endlich auch einmal auf die eigentlichen Geschichten selber konzentrieren, und die waren doch ganz gut. Aus Barometer—Sicht wäre man nun also auf dem richtigen Weg, in Dortmund jedoch traut man meinem Einwand noch immer nicht, konzentriert sich weiter auf diese miesen Background-Stories der Ermittler und macht jetzt halt die junge Kommissarin zur Psychotante, da der Faber ja leicht geerdeter daher kommen wird. Kann man ja auch verstehen. Wer innerhalb zweier Folgen ein Kind abtreiben muss und auch noch von Nazis überfallen wird, der hat doch Einiges zu verarbeiten.
Im Tatort selber geht es heute um einen Basejumper, dessen Schirm manipuliert wurde. Aber eben, in Dortmund reicht ein Krimi nicht, da muss natürlich auch die Nora mit Fallschirmspringen anfangen, damit sie sich wieder spürt und der Faber muss auch weiterhin schön seinen Verlust von Frau und Tochter verarbeiten... ich weiss nicht.

Erwartungs-Barometer: 4.5

Wenn Dortmund es endlich einsehen würde, dass man entweder Märchen oder eben realistische Geschichten erzählen sollte. Alles dazwischen funktioniert sehr selten und ist nur schade für dieses unglaubliche Potential, welches hier mit Stadt und diesen sehr guten Schauspielern schlummern würde. So erwarte ich auch heute wieder die Unglaubwürdigkeit in der versuchten Glaubwürdigkeit.

0 = Die Jungen
6 = Die Alten

Die Note danach: 4
Danke Dortmund für die Barometer-Bestätigung auf voller Linie. Jedes Märchen kommt glaubwürdiger daher. Im echten Leben wären mindestens 3 dieser 4 Ermittler längstens in der Klapse. Im Tatort zu Dortmund jedoch bumsen sie die Hauptverdächtigen und leiten die Kripo... meine Fresse.
Zudem würde bei dieser unfassbaren Last an Schwere bestimmt jeder Fallschirm reissen.

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26. April 2015

Tatort: Niedere Instinkte (Leipzig)


So oft wie die ARD mittlerweile genau das Gegenteil von dem macht, was das Barometer vorschlägt, ist nun wirklich offensichtlich, dass die Verantwortlichen des Tatorts diesen Blog mitlesen. Das freut mich natürlich sehr, da dürfen die vom Ersten ruhig auch ein bisschen trötzelen. Aber selten, ganz selten, schaffen sie es nicht mal mehr sich selbst zu belügen und es bleibt ihnen gar nichts anderes übrig als zu gestehen, wie unglaublich recht doch das Barometer immer wieder hat. Und es ist amüsant zu sehen, wie sie möglichst unauffällig versuchen, die Dinge so zu biegen, wie das Barometer sie ihnen empfohlen hat. Möglichst unaufgeregt, als wäre es eine ihrer eigenen genialen, selbstverständlichen Ideen gewesen. Und das ist ja auch okay. Polizisten stellen ihre Radarfallen nicht auf um Kasse zu machen, sondern in erster Linie, um die Strasse sicherer zu machen und um Leben zu retten. Das sehen viele zwar nicht so, aber genau so ist es. Und so ist es auch im Barometer. Ich kritisiere nicht, um Kasse zu machen oder um mich aufzuspielen, sondern weil ich den Tatort besser machen will. Ich kann zwar damit keine Leben retten, aber ich möchte zumindest das Leben der Zuschauer am Sonntagabend etwas besser machen.
Und normalerweise gehe ich auch gar nicht darauf ein, wenn die ARD mal wieder heimlich meine Tipps befolgt, ich will sie ja eigentlich im Glauben lassen, dass ich es nicht merke, aber dieses Mal ist es nun wirklich etwas gar offensichtlich.
Es ist noch nicht lange her, als der letzte Tatort aus Leipzig zu sehen war. Damals wusste man zwar, dass bald mal Schluss sein wird, aber man wusste noch nicht, wie es genau weiter gehen wird, bzw. wann denn nun wirklich der LETZTE aus Leipzig gesendet werden wird. Genau wie bei all den andern abgesetzten Reihen, sah es auch hier nach einem schleichenden Ende mit Verlierern auf allen Seiten aus. Die Zuschauer, die Macher, die ARD. Für alle ist das jeweils eine unbefriedigende Situation. Und das Barometer hat diesen Schrecken ohne Ende schon mehrmals aufs Schärfste kritisiert. Wenn Schluss, dann zegge bäng und fertig.

Und nun, zwei Monate später: Zegge bäng und fertig! Keine lange Abschiedstour. Eben noch die letzte Folge aus Leipzig (Blutschuld), nun die LETZTE Folge aus Leipzig hinterher und fertig Banane. Danach haben wir Ruhe von diesen miesen Geschichten. Genau, wie das Barometer es vorgeschlagen hat. Tja.
„Ende gut, alles gut“ könnte man nun also denken.
Nur leider, leider, hat das Barometer einen ganz anderen Aspekt völlig ausser Acht gelassen. Vor lauter Freude, dass es danach endlich vorbei sein wird, hat es gar nicht daran gedacht, dass diese Folge vielleicht ganz gut werden könnte. Nach all dem Ossi-Schrott der letzten Jahre, konnte auch wirklich niemand mehr damit rechnen. Dieser Sekten-Psychothriller über ein kinderloses Paar, welches ein Mädchen entführt, klingt aber irgendwie so abgedreht, dass ich mich doch tatsächlich richtig freue auf heute Abend. Es klingt, als würde uns zum Abschluss ein ziemlich wuchtiger Tatort präsentiert. Das gefällt mir. Also doch noch ein bisschen trötzelen bei der ARD. Schau her du blödes Barometer, eigentlich hätten wir auch in Leipzig gute Folgen machen können. Nur jeden Wunsch erfüllen wir dir dann doch wieder nicht. Lieber produzieren wir jahrelang Scheisse, als dir den Wunsch nach feinen Folgen aus Leipzig zu erfüllen. Aber natürlich hätten wir grossartige Folgen machen können, wenn wir es gewollt hätten.
Nicht dass das nun ein Meisterwerk werden würde, liebe Leser, aber wir werden mit grosser Wahrscheinlichkeit sehen, welch Potential dieses Team (Thomalla selbstsprechend ausgeschlossen) doch eigentlich gehabt hätte. Und am Ende werde ich (man wird es kaum glauben) wegen dem Abschied von Leipzig gar noch ein Tränchen verdrücken müssen.

Erwartungs-Barometer: 5 (...aufgrund der finalen Folge eher milde beurteilt.)

Das Beste* zum Schluss. Nach allem, was wir mit Leipzig durchmachen mussten, wird diese Folge auf sehr ansprechendem Niveau sein. Es freut mich enorm, dass sich für einmal ein todgeweihtes Team nicht komplett hat gehen lassen. Die Stadt und auch der Martin Wuttke haben es verdient in der letzten Folge zumindest noch mit dem nötigen Respekt behandelt zu werden. Also ein würdiges Ende, eines mit Schrecken, anstatt Schrecken ohne Ende. Hab ich euch wirklich gerne vorgeschlagen, liebe ARD. Sehr gerne.
*("Das Beste" ist natürlich auf Leipzig Niveau bezogen.)

0 = Trötzelen, anstatt zu liefern.
6 = Aus Trotz eine solche Folgen fabrizieren.

Die Note danach: 5 
Ein versöhnliches Ende - völlig abgedreht und wuchtig. Auf diesem Niveau hätte man eigentlich starten und danach aufbauen sollen...


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19. April 2015

Tatort: Dicker als Wasser (Köln)


Ausgeruht, bestens gelaunt, topmotiviert. Ganz gross einfahren, mit einem Barometer der Extraklasse, welches nur noch vom aktuellen Tatort selber übertroffen werden kann. So mag ich es!
Aufdecken, unterhalten, gewinnen! Das Barometer ist zurück.
Ungefähr so habe ich mir das vorgestellt. Leider aber macht mir die Programmplanung der ARD einmal mehr einen Strich durch meine geniale Rechnung und bringt heute einen Kölner.

Köln?
Ja, Köln.
Aber Köln hatten wir doch eben.
Ist aber Köln.
Nicht Köln.
Doch, Köln.
Ja aber eben hatten wir doch Köln und vor dem eben, eben auch schon.
Trotzdem Köln.
Köln? Kann ich nicht glauben.
Doch Köln.
Schon wieder Köln.
Ja, Köln.
Also Köln kann ich mir wirklich nicht vorstellen.
Es ist aber Köln.
Warum Köln?
Ich hatte mal eine Taube.
Ja, sie war verletzt.
Was ist aus ihr geworden?
Er hat ihr den Kopf abgebissen. Er wollte dich abhärten.
Ok. Du hast Recht, es ist Köln.
Köln, Köln, Köln.

Köln ist der Tatort-Massenproduzent schlechthin. Der WDR produziert pro Jahr 3-4 Folgen mit dem Kommissarenduo Ballauf/Schenk und ist somit in der Quantität der absolute Spitzenreiter.
Und durch diese enorme Zahl an gesendeten Folgen ist es mittlerweile für das Barometer äusserst schwierig geworden, überhaupt was Neues über Köln zu schreiben. Es ist längstens alles gesagt, umso mehr, da sich mittlerweile auch die Geschichten kaum mehr unterscheiden lassen.

Die heutigen Barometer-Fakten zu Köln sind also eigentlich wie immer:

- Dietmar Bär ist und bleit das Highlight in Köln. Ihn mag ich einfach.

- Klaus J. Behrendt ist oder spielt den grössten Waschlappen in der Kommissaren-Riege. Ihn mag ich einfach nicht.

- Mindestens einer der beiden wird sich verlieben oder schiebt eine Lebenskrise. Und obwohl doch der Freddy eben noch am Tanzen war, trifft es schon wieder ihn. Dieses Mal, wird er selber Opfer eines Überfalls.

- Der Assistenzposten wird mal wieder neu besetzt. Und auch wie immer: ziemlich schlecht.

- Die Drehbücher waren früher richtig gut, ich mochte diese einfachen Nachbarsgeschichten, aber heute sind sie nicht mehr einfach nur einfach, sondern einfach nur noch langweilig und beliebig.

- Und Wurstbude am Ende oder keine Wurstbude am Ende my ass. Spielt eh alles keine Rolle mehr.

Eine junge Frau sucht und findet ihren Freund, einen Jazzclub-Besitzer. Er wurde ermordet. Die Verdächtigten sind sofort gefunden und es wird auch gar nie in eine andere Richtung ermittelt. Ein Jugendlicher, der aufs selbe Flitschje stand und sein leicht cholerischer Vater. Jazz, Blues, Hotelpianist, Vater, Sohn, Grosi, Nachbarin. Vielleicht kennt man sich, vielleicht auch nicht. Vielleicht wohnt ja auch eine in Ballaufs Zimmer, vielleicht auch nicht. Wie auch immer, Zimmer. Grosser Unterschied zu allen andern Kölner Folgen: Armin Rohde spielt mit. Er kriegt als gestörter Vater quasi eine One-Man-Show. Mehr als 10 Jahre nach seinem legendären Auftritt im Tatort „Bestien“ (Köln) kann man also in Nordrhein-Westfalen doch noch von etwas Außergewöhnlichem reden. Aber die gestörte One-Man-Show von Rohde hatten wir ja eben erst in Frankfurt. Also für uns Zuschauer wird nicht mal dieser Auftritt überraschend sein. Man kann einschalten, man kann nicht einschalten oder man kann einschlafen.

Erwartungs-Barometer: 4

Mein Tipp an die Verantwortlichen vom Kölner Tatort: Lieber das ganze Geld in einmal „Franziska“ pro Jahr, statt in 3-4 solche nichts bringende Banal-Werke stecken.
PS: Ihr versaut mir mein Barometer-Comeback, ihr anspruchslosen Penner!

0 = Quak!
6 = Qualität


Die Note danach: 3.5
„Noch was Kollegen.“
Lange Pause
„Die Männer sind bewaffnet!“
Aha? Männer die einen Geldtransporter überfallen sind bewaffnet? Egal. Er ist ein guter Junge. 
Hab ich an seinen Augen gesehen. So hat man also in den 60er-Jahren Krimis gemacht. Interessant.


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12. April 2015

Tatort: Der Himmel ist auch ein Platz auf Erden (Nürnberg)


Irgendwie schade. Da startet der neue Franken-Tatort, zum ersten Mal ein Team in Nürnberg. Dem Barometer aber fehlt schlicht die Zeit sich damit zu befassen. Einige Fakten versprechen jedoch einen flotten Einstieg:

-Nürnberg wirkt nur auf den ersten Blick als biederer Christkindlmarkt-Wallfahrtsort. In Tat und Wahrheit ist diese Stadt rappelvoll mit Geschichte und Geschichten.
Aus meiner Sicht bietet ein Nürnberg gar wesentlich mehr Gosse als die grosse bayrische Schwester München.

- Mit Max Färberböck steckt hinter diesem Tatort ein äusserst erfahrener Regisseur und Autor. Zuletzt hat er uns mit dem Münchener Tatort "Am Ende des Flurs" beglückt.

Auch die zwei Hauptdarsteller Dagmar Manzel und Fabian Hinrichs versprechen doch einiges.

- Und fast am wichtigsten: Der bayrische Rundfunkt, welcher uns mit dem Münchener Tatort immer wieder beweist, auf welch hohem Niveau er in sämtlichen Bereichen arbeiten kann, produziert diesen Tatort. Was sollte da also noch schief gehen?

- Nur die Story um Bierbrauer und Raketenbauer klingt für das Barometer nicht so ganz stringent, aber warten wir mal ab.

Erwartungs-Barometer: 5

"Wieso Nürnberg?" - "Wieso nicht Nürnberg?" fragen sich angeblich die Kommissare gleich am Anfang selber. Ja, wieso eigentlich nicht? Ich jedenfalls freue mich auf den neuen Franken-Tatort.

Die Note danach: Okay, 5
Als Einstieg fand ich den ganz okay. Einige gute Momente, filmtechnisch auf bayrisch hohem Niveau (bis auf die verflucht nervigen 70er-Jahre Dominik Graf-Zooms) und die Geschichte - naja. Warum wurde eigentlich die Frau, die auf dem Opfer sass, nie verdächtigt? Von Anfang an war klar, dass es eine dritte Person sein musste. Die Unbekannte wurde nur als Zeugin gehandelt, nie als Täterin. Das ist doch absurd. Sie müsste doch erst einmal die Hauptverdächtige sein, oder nicht? Hab ich da was verpasst? Kann mir jemand helfen?
Tja, und die zwei Hauptdarsteller fand ich jetzt auch nicht überragend.
Obwohl, wenn sie eine nervige Tante und er eine typische deutsche Lusche spielen mussten, so haben sie es eigentlich ganz authentisch hingekriegt.

6. April 2015

Tatort: Frohe Ostern, Falke (Hamburg)


Die Hamburger High Society feiert sich an einer Gala für Kriegsopfer selber, an welcher das Buffet wohl teurer ist als die Spenden, die zusammenkommen. Plötzlich tauchen ein paar bewaffnete Aktivisten im Osterhasenkostüm auf, welche den reichen Säcken eigentlich nur mal zeigen wollen, was Todesangst bedeutet. Natürlich läuft das Ganze aus dem Ruder und artet in einer Geiselnahme mit Toten aus.
Fakt ist: Die Story gefällt mir gut. Klingt irgendwie richtig vielversprechend. Beinahe ein wenig Western-Tarantino-Feeling im hohen Norden.
Fakt ist aber auch: Was zum Teufel hat das mit dem Falke-Team aus Hamburg zu tun? Jetzt hat man doch nach brennenden Autos in der City, Familiendrama auf einer Nordseeinsel, völlig absurdem und nie aufgeklärtem Drohnenangriff und einem Schleuser- bzw. Flüchtlingsdrama mit Biegen und Brechen eine Art Story für diese Kommissare gefunden. Man hat die zwei zur Bundepolizei befördert und lässt sie nun in ganz Norddeutschland ermitteln. Aber nun kommt wieder eine 180´000 Grad Wende. Also das ist wirklich nicht mehr zu erklären. Wer kommt auf sowas? Und weil dieser Oster-Event-Tatort absolut nichts zu tun hat mit den Kommissaren und der eingeschlagenen Richtung, muss die Frau Lorenz halt per Zufall auch an dieser Spendengala sein. Und schon haben wir die Verbindung. Gut, im weitesten Sinne geht es ja auch um die Flüchtlinge, welche uns in der letzten Folge als neues Kerngebiet verkauft wurden. Also abstruser kann man ein Konzept nicht einführen. Der mit Müh und Not erzwungene rote Faden fädelt nun wieder irgendwo im Nirgendwo umher. Es scheint fast so, als ob in Hamburg jeder Angestellte vom NDR auf einem Flipchart eine Filmidee aufschreiben darf und danach wird mit dem Kommissar Falke ein Tatort daraus gedreht. Sorry, liebe Nordis, aber so geht das nicht. Es gibt Leute und Barometer, die mögen den Wotan Wilke Möhring wirklich sehr. Nur weil der Til Schweiger all eure Kohle verpulvert, solltet ihr dem Team 2 doch zumindest auch eine Art Geschichte geben, sonst könnt ihr es auch komplett sein lassen.
Wir müssen also trotz guter Idee leider davon ausgehen, dass auch diese Hamburg-Team 2-Folge am Ende wieder nur auf Flipchart-Niveau daherkommen wird. Jammerschade, paar richtig coole Osterhasen hätten mir gefallen.

Erwartungs-Barometer: 4

Meine Vermutung:
Ein toller Schauspieler, eine tolle Grundidee und eine tolle Stadt ergeben am Ende doch wieder nur einen knäppstens genügenden Tatort. Da stimmt doch einfach etwas nicht.
Mein Highlight:
Der Toni spielt schon wieder mit! Nur leider dieses Mal im Hasenkostüm.


Die Note danach: 3.75
Gute Ansätze, jedoch minim konstruiert. Wirklich nur mikrominim.