14. März 2013

Spannender Kommentar zu Hamburg


Ich habe einen äußerst interessanten Blogeintrag gekriegt. Er hat mich insofern extrem gefreut, weil er mir gezeigt hat, wie aufmerksam das Barometer zum Teil gelesen wird. Das weiss man ja nie so genau. Spannend daran ist, dass dieser Eintrag eine grosse Schwäche des Barometers offenbart. Er zeigt auf, wie labil der Autor in seinen Einträgen ist, wie sehr er sich von ganz bestimmten Gefühlen leiten lässt, und wie irgendwie jeden Sonntag ein anderes Mass gilt.
Und irgendwie fand ich diesen Aspekt so interessant, dass ich ihn gerne als Blogeintrag mit euch teilen möchte.

Auszug Kommentar:

Kriminaltango hat gesagt…
„Mit der Bewertung des Tatorts bin ich überhaupt nicht einverstanden. Wie kann man die Schauspielqualitäten von Maria Furtwängler in Frage stellen, aber gleichzeitig Til Schweiger über den grünen Klee loben obwohl dieser ungefähr gleich viel Mimik besitzt. Der Spagat zwischen bemühten alleinerziehenden Vater und knallhartem Action-Cop war nie unglaubwürdiger inszeniert. Til Schweiger versuchte mit diesem Tatort seine Kitafilme mit einem Schuss Hollywood Actionfilm zu vermischen, doch das Resultat war noch schlechter als seine letzten Filme (wer sich Kokowähh2 oder Keinohrhasen2 anschaut weiss wovon ich spreche. Ok der eine ist ein Kinderfilm…). Das Element mit dem Flirt mit der Staatsanwältin wirkt vielleicht im Kindergarten (wie mit der Schauspielerin in Keinohrhasen) noch einigermassen glaubwürdig aber war völlig aufgesetzt. Das Zusammenspiel mit seiner Tochter funktionierte in Kokowääh ebenfalls sehr gut, aber bitte mit einer 15jährigen Tochter, der man noch das Frühstücksei mache da hört der Spass auf. Eigentlich strotzte der gesamte Tatort nur so von unrealistischem Plunder wie die live Hacking-Szenen oder die per Zufall offene Baustelle an der Elbphilharmonie. Seine geile Assistentin verkümmerte in ihrer Rolle und der Hackerbuddy hat eher in einem Eddie Murphy Film etwas zu suchen als beim guten alten Tatort. Ok es geht um Unterhaltung und zumindest das ist dem Tatort einigermassen gelungen. Dass die Krankenschwester von Goodbye Lenin noch die Krankenschwester im Spital war (glaub ich zumindest), war einer der raren Höhepunkte für mich. Ich gebe ihm eine knappe 4.25“


Antwort vom Barometer:

Lieber Kriminaltango

Herzlichen Dank für deinen Kommentar. Es freut mich ehrlich extrem, wie aufmerksam du meine Beträge liest. Mein Blog könnte unbeständiger nicht sein, oft ist er gespickt mit Widersprüchen, aber nur selten kriege ich ein Feedback, welches das bemängelt. Ich habe also keine Ahnung, wie sehr sich meine Ambivalenz beim Leser überhaupt bemerkbar macht. Und nun weist du mich ausgerechnet auf eine Sache hin, die mir selber gar nicht so aufgefallen ist. Lassen wir mal die ganze Story, und die nicht vorhandene Glaubwürdigkeit beiseite und konzentrieren uns auf deinen Hinweis, was die Hauptdarsteller von Hamburg und Hannover angeht. Du hast natürlich zu 100% Recht. Es ist schon ziemlich grenzwertig, die Furtwängler als eine, zwar clevere, aber schlechte Schauspielerin zu betiteln, wenn ich gleichzeitig den Schweiger für eigentlich genau dieselbe Sache, als hervorragenden Schauspieler hochleben lasse. Das funktioniert so überhaupt nicht und beweist, wie sehr dieses Barometer von meinen jeweiligen Tageslaunen abhängig ist. Es hält sich an keinen klaren Maßstab und basiert auch irgendwie auf einer Null-Relevanz-Strategie.

Und doch:

Was ich zu meiner Verteidigung anfügen kann, ist die Tatsache meiner lang erforschten Furtwängler-Studie. Von Maria Furtwängler habe ich in der letzten Zeit viele Tatorte gesehen und habe das in meiner Studie intensiv ausgewertet. Von Til hingegen habe ich seit Jahren nichts mehr gesehen. Ich kriege jeweils schon beim Trailer seiner Teddybär-Filme konstanten Brechreiz, darum konnte ich ihn vor dem Tatort eigentlich auch nicht richtig beurteilen. Ich glaube der letzte deutsche Schweiger-Film, den ich gesehen habe war Barfuss, und da fand ich ihn ziemlich gut. Aber auch das kann einfach eine Laune oder eine Stimmung gewesen sein. Vielleicht hat der damals irgendwo grad meine tiefromantische Ader getroffen. Wenn ich nämlich jetzt daran denke, dann bin ich mir nicht sicher, ob ich den wirklich noch gut finden würde. Der strotzt ja auch vor purer Sülze.

Wenn ich nun also in einem Kurzverfahren Til Schweiger nach der Furtwängler-Studie bewerten müsste, dann käme ich wohl tatsächlich exakt auf dasselbe Resultat wie bei Maria. Beide sind nicht wirklich gute bzw. vielseitige Schauspieler, aber beide sind sehr clever und spielen in ihrem spezifischen Fach jedoch sehr gut! Das würde ich genauso unterschreiben…

… wenn es nicht doch einen ganz grossen Unterschied geben würde:

Til Schweiger ist für mich der wesentlich spannendere Typ. Für mich ist Frau Furtwängler als Person, als Mensch die pure Langeweile, hingegen einer Bar-Tour durch Berlins Kneipen mit dem Herrn Schweiger, wäre ich definitiv nicht abgeneigt. Ich weiss, das hat nichts mit dem schauspielerischen Können zu tun, aber dafür umso mehr mit der Wahrnehmung jedes einzelnen Zuschauers (von denen ich nun mal einer bin). Auch wenn unter dem Strich vielleicht beide nicht die grössten Schauspieler sind, so interessiert er mich als Figur 100mal mehr. Und das Interesse an einem Menschen, an einer Figur, ist zwar selbstverständlich noch objektiver gesteuert, als die Bewertung des schauspielerischen Talents, aber dieses Interesse, ist extrem wichtig. Daran denkt man viel zu wenig, und es fällt den meisten gar nicht auf. Es gibt beste Hollywood-Schauspieler, die für ihr unheimliches Können gefeiert werden, die man in x verschiedenen Rollen sieht, über die man staunt und frohlockt, aber wenn man ganz genau hinschaut, sieht man auch bei denen, dass sie eigentlich immer nur genau dasselbe machen. Egal ob Komödie, Liebesfilm oder Mafiaepos. Sie spielen einfach nur sich selber. Man würde sie alleine an ihrem Schatten erkennen, egal in welchem Film. Aber da sie extrem spannende Typen sind, funktionieren sie in solch verschiedenen Rollen, und man kann nicht anders, als ihnen zusehen zu wollen. Diese Gabe macht sie so einzigartig. Til würd ich natürlich nicht grad in diese Kategorie heben, aber ich schaue im doch gerne zu. (Wenn er nicht grad mit seiner Tochter knuddelt). Womit wir wieder am Anfang der Diskussion stehen. Ich bleibe dabei und bewerte Til Schweiger höher, als Maria Furtwängler. Nicht weil er ein besserer Schauspieler ist (du hast absolut Recht mit deinem Einwand), sondern einfach weil ich ihm wesentlich lieber zuschaue. So komplex das Barometer manchmal scheint, so simpel gestrickt ist unter dem Strich, der der es schreibt! Und darum funktioniert plötzlich auch die abstruseste Unterhaltungs-Story, während mich bei andern Folgen selbst kleine Fehler in der Geschichte, völlig aus dem Tatort werfen.

Absurd, aber irgendwie auch logisch simpel!
Das Barometer

10. März 2013

Tatort: Willkommen in Hamburg (Hamburg)



Nach dem letzten Tatort habe ich folgende Nachricht gekriegt.
„Ist gut und recht, der tatort. Aber komischerweise möchte ich irgendwie einfach wieder mal nen 08/15- fall ohne riesenverschwörungsgebilde dahinter sehen.“

Lieber Leser, ich muss dich leider enttäuschen. Du musst für mindestens eine weitere Woche auf einen 0815-Tatort warten. Denn jetzt kommt Hamburg. Jetzt kommt TIL „the Kino-Gott“ SCHWEIGER!
Und glaubt mir, mit 0815-Tatort wird der so wenig zu tun haben, wie die 7gün Sükür-Liga mit einem regelkonformen Spielbetrieb. Til selber meinte ja, dass in den ersten zehn Minuten mehr Action zu sehen sein wird, als in den restlichen 34 Folgen, die im 2013 ausgestrahlt werden, zusammen.
Aber was bedeutet das nun für unsere geliebte Krimi-Reihe?
Fakt ist, Til wird ein Fass aufmachen, wie kein anderer je zuvor. Und obwohl man sich kaum mehr erinnern kann, dass der auch mal in ein, zwei guten Filmen mitgespielt hat, so sollte man einige Dinge nicht vergessen: Wenn einer in Deutschland perfekte Unterhaltung bieten kann, dann ist es er! Keiner weiss so gut, was bei den Leuten ankommt und keinem würde ich einen Action-Tatort eher zutrauen als ihm.
In der letzten Zeit haben sich ja einige Städte genau in diesem Genre versucht, aber funktioniert hat es in keiner Art und Weise. Bremen oder Wien sind nun mal nicht Hollywood. Til Schweiger hingegen schon. Also zumindest ein bisschen. Und so liest man im Vorfeld bereits vom hanseatischen Popcorn-Tatort. Treffender könnte man es wohl kaum ausdrücken. Natürlich, es fragt sich definitiv, ob es überhaupt einen Popcorn-Tatort braucht. Die hartgesottenen Fans werden sich in den Kneipen mit ihrem Restgarn an die TV-Geräte knöpfen, damit keine öffentlichen Vorführungen von diesem Teufelszeug zu Stande kommen kann, und ich weiss, dass auch der eine oder andere Barometer-Leser schlicht zu cool ist, um sich auf einen Popcorn-Tatort, geschweige denn auf einen Schweiger, einlassen zu können. Aber ihr alle, die den Til verflucht, ihr, die das Popcorn-Kino verflucht, ihr seid genau die, die kommerzielle Kunst aus Prinzip scheisse findet, ihr seid die, die z.B. nach Titanic über di Caprio hergezogen seid. Und wann immer ich einen von euch gefragt habe, ob er mir neben Titanic auch nur einen Film von Leo nennen könne, in dem er nicht oscarwürdig gespielt hat, bekam ich nichts als betretenes Schweigen zur Antwort. Da wart ihr plötzlich alle Schweiger. Klar, Til mit Di Caprio zu vergleichen ist natürlich völlig vermessen, aber Mainstream bedeutet noch lange nicht, dass ein Film nicht auch gut sein kann.
Ich muss zwar zugeben, ich habe mir nach Keinohrhasen all die weitern Vieraugkokowääherzenkacke-Filme nicht mehr angesehen, sie sind die Pest, aber trotzdem weiss ich, dass Til Schweiger ein hervorragender Schauspieler ist. Er spielt sicher nicht allzu facettenreich, aber sein Fach beherrscht er wie kein anderer in Deutschland und hat zudem als Regisseur und Produzent ein perfektes Gefühl für den Zuschauer und für gute Unterhaltung. So bringt er auch immer eine gewisse Selbstironie mit in seine Filme, macht auf knallhart, aber nimmt sich doch nicht so ernst. Und weil er eben nicht nur Schauspieler ist, sondern immer auch an das Gesamtprodukt denkt, wird der Tatort selbstverständlich nur mit Elite-Darstellern ausgestattet, die dem Niveau Schweiger auch entsprechen. Der zweite Kommissar ist so gut besetzt, dass der Til aufpassen muss, nicht an die Wand gespielt zu werden. Obwohl dafür, dass das im Endeffekt dann doch nicht passieren kann, hat der Drehbuchautor (also Schweiger) schon vorgesorgt und hat dem Fahri Yardim einen doch ziemlich beschränkten Spielradius ins Script geschrieben. Denn zu allererst, geht es hier um Mr. Schweiger und erst danach um den Tatort! Auch wenn der Regisseur und der Autor offiziell ganz andere Namen tragen, so ist doch sonnenklar, dass der Til seine Finger überall im Spiel hat, genau wie bei all seinen Kinohits, die in den letzten Jahren Deutschland eroberten. Und somit ist auch klar, was uns erwarten wird. 0,1% Anspruch, 99,9% Popcorn.
Für den grossen Clou wird es leider trotzdem nicht reichen. Denn unter dem Strich ist Til zwar Hollywood, aber wie erwähnt, halt doch nur ein bisschen. Aber immerhin: Gute deutsche Action, gute deutsche Unterhaltung, nicht mehr und nicht weniger.
Und somit erübrigt es sich irgendwie auch, etwas zu der Geschichte zu schrieben.

Erwartungs-Barometer: 5
(...bzw. eine 2 - Für alle die, die prinzipiell zu cool für Mainstream sind).
Die Note danach: 5

Ich bin der Meinung, dass es neben zwei Clowns, ein paar Psychopaten, einer lesbischen Oma und einem aufgespritzten Playboy-Hasen durchaus noch Platz für einen Actionhelden in einem Popcorn-Tatort geben kann. Aber natürlich nur, wenn er auch gut gemacht ist, und wenn dafür all die andern Städtchen endlich die Finger davon lassen, und sich wieder auf ihre 0815-Tatorte konzentrieren.

0 = ungefähr so viel Erwartung wie von der 7gün Sükür- Liga.
6 = ungefähr so viel Erwartung wie von Manta, Manta!

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24. Februar 2013

Tatort: Puppenspieler (Bremen)


Vor paar Wochen hat mich ein guter Kollege gefragt, ob es sich lohnen würde, mit seiner Freundin paar Tage nach Bremen zu fahren. Einfach so, ohne bestimmten Grund. Ich doch ziemlich überrascht, da ich eigentlich niemanden kenne, der einfach so nach Bremen fahren möchte, ohne dass es da irgendwas Bestimmtes zu tun gäbe. Ich aber natürlich hell begeistert, habe die Stadt sogleich wärmstens empfohlen. Er also ab ans Buchen und zu seiner eigenen Überraschung gleich einen Direktflug Zürich-Bremen gefunden. Mit der Bremischen Regional-Fluggesellschaft OLT. (Quasi die Skyworks aus Bremen). Die Frage an dieser Stelle sei erlaubt, welche Klientel wohl diese Flugroute benutzt, ausser eben mein guter Kollege und dessen Freundin? Die also voller Vorfreude, kriegten ein paar Tage vor Abflug per Mail mitgeteilt, dass die OLT total unerwartet Insolvenz anmelden musste, und ihr Flug somit leider ersatzlos gestrichen werde. Etwas ärgerlich, aber er, als extrem „bereister“ Mensch, liess natürlich nicht von seinen Plänen ab und buchte bei der Swiss/Lufthansa einen Flug von Zürich nach Hamburg, um von da aus den letzten Abschnitt mit der Deutschen Bahn zurück zu legen. Mein Kollege und seine Freundin also am Tage des Abfluges am Züricher Flughafen, kriegten die Nachricht überreicht, dass in Hamburg total unerwartet das Bodenpersonal streike und ihr Flug leider ersatzlos gestrichen werden müsse. Die Swiss biete ihnen aber eine Alternative an. Ab Zürich via Frankfurt nach Bremen fliegen und von da aus den Zug nach Hamburg nehmen. Jetzt also die Beiden hell begeistert, da sie ja eigentlich sowieso nach Bremen wollten und Hamburg nur eine Notlösung war. Nach zwei Flügen (inklusive viel Wartezeit in Frankfurt) wurde ihnen in Bremen jedoch mitgeteilt, dass man als Service für die geschundenen Fluggäste, das Gepäck gleich mit einem Transporter nach Hamburg bringen würde, damit sie die Taschen nicht im Zug mitschleppen müssen. Sie also total am Rotieren, ob man das Gepäck nicht irgendwie schon in Bremen in Empfang nehmen könnte, Bodenpersonal also auch total am Rotieren, wollen ja alles für den Kunden möglich machen, aber der Laster war leider schon unterwegs. Die Zwei also ab zum Bremer Hauptbahnhof, um von da nach Hamburg zu fahren, um dort ihr Gepäck an einem provisorischen Schalter abzuholen, um danach von Hamburg wieder nach Bremen zu fahren, da man ja eigentlich nicht nach Hamburg, sondern eben nach Bremen fahren wollte.
Anstatt eines gemütlichen 1h-Fluges Zürich-Bremen waren sie am Ende 16 Stunden unterwegs um von Zürich via Frankfurt, via Bremen, via Hamburg, wieder nach Bremen zu kommen. Ich also irgendwie total schlechtes Gewissen, weil ich ja diese Stadt empfohlen habe. Aber irgendwie auch egal, denn wollt ihr wissen, was er nach seiner Rückkehr als erstes zu mir gesagt hatte?
"Wenn du ein paar Tage in dieser Stadt erleben durftest, dann weisst du, dass es jede Minute dieses extrem beschwerlichen Trips wert war!"
Das hat mit dem Tatort natürlich herzlich wenig zu tun, und doch könnte es besser nicht passen:
Höchst ominöse Machenschaften einer geheimen Eliteeinheit, erwarten uns. Macht, Korruption, Intrigen im Wirtschafts- und Politikbereich. (So was hatten wir doch in der letzten Zeit des Öftern.) Und das alles wird untermauert durch einen flippigen Look im Splitscreen Modus.
Also wenn das nicht nach einem unheimlich beschwerlichen Trip klingt! Und trotzdem denke (hoffe) ich, dass es jede einzelne der 90 Minuten wert sein wird.

Erwartungs-Barometer: 5
Die Note danach: Eigentlich eine 4.5, obwohl eine solche Geschichte in Deutschland unglaubwürdiger nicht sein könnte.

Natürlich gibt es spektakulärere Städte und natürlich gibt es bessere Tatorte, aber Bremen weiss mit seiner Leichtigkeit, mit seiner natürlichen Bescheidenheit irgendwie immer zu überraschen, wenn auch nicht auf allerhöchstem Niveau.

0 = ungefähr so viel Erwartung wie von der OLT Express Germany (zuvor OLT – Ostfriesische Lufttransport)!
6 = „Modernes, Modernes, Modernes“!
(Text gesungen mit Melodie von „Marroni, Marroni, Marroni“!)

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17. Februar 2013

Tatort: Zwischen den Fronten (Wien)


Als ich vor ein paar Wochen sah, dass gleich nach dem Schweizer Tatort einer aus Österreich kommen wird, befürchtete ich das Allerschlimmste. Welch Höchststrafe für die Luzerner! Nur eine Woche nach einem erneuten Luzerner Debakel, kann die ganze Welt sehen, dass auch ein kleiner unbedeutender Alpenstaat gute Tatorte produzieren kann, dachte ich mir.
Aber siehe da, es ist alles etwas anders gekommen, als gedacht. Luzern und Wien liegen nicht mehr so weit auseinander wie auch schon. Wenn ich es ganz simpel erklären müsste: Luzern wurde etwas besser, Wien ist nicht mehr ganz so gut wie auch schon.
Ich war letzten Sonntag doch ziemlich überrascht, wie die Schweizer plötzlich genau mit dieser österreichischen Stärke auftrumpfen konnten. Als hätte ich es geahnt, spielte Luzern phasenweise auf allerhöchstem Niveau mit den Klischees. So clever und frech, dass sich in Luzern so mancher Zünftler ziemlich vor den Kopf gestossen fühlte. Diese unglaubliche Stimmung zu Beginn, Dani Levy war drauf und dran ein Meisterstück zu präsentieren, aber leider konnte selbst er das miserable Drehbuch und das Ende des Films nicht wirklich retten. Und wer den Tatort auf Schweizerdeutsch gesehen hat, dem wird wohl auch ziemlich missfallen haben, dass selbst in einer Luzerner Zunft nur Berner, Bündner und Zürcher zu sehen bzw. zu hören waren. Unverständlich. Wenn es in Luzern keine Schauspieler gibt, sollte man entweder den Tatort nicht da ansiedeln, oder man sollte Schauspieler auf einem Niveau engagieren, die vielleicht auch einen Dialekt nachahmen können. Aber egal. Unter dem Strich zeigte die Schweiz immer mal wieder genau das, was ich an Österreich immer so mochte, und das ist extrem erfreulich.
Tja, jetzt kommt er, dieser Österreicher. Wie so oft in letzter Zeit, wird zu Beginn erst einmal eine Bombe gezündet. Riesen Knall vor dem UN- Gebäude, ein Terroranschlag auf einen US-Diplomaten und ein Verdächtiger ist schnell gefunden. Ein Iraker. Womit wir auch gleich wissen, welche Rasse dieses Mal aufschreien wird. Die Kommissare also mitten in einem weltpolitischen Verschwörungsthriller und im stetigen Kampf mit der militärischen Staatspolizei. Ob das wohl zu einem Tatort passt?
Wenn es irgendwo klappt, dann in Wien. Die Stadt ist äusserst international und irgendwie hat das ORF immer die richtigen Töne gefunden, um auch bei solch übertrieben Geschichten gerade noch glaubwürdig zu bleiben. Aber trotzdem, …ich weiss nicht. Die leisen Tatorte aus Österreich haben mir irgendwie besser gefallen. Ich wünschte mir, dass einfach mal wieder in einem Tiroler Bergdorf ein Jesusdarsteller an ein Kreuz genagelt wird, anstatt zwei Ermittler, die sich durch die halbe Stadt Wien ballern, oder dass gar das UN- Gebäude in die Luft gesprengt wird.

Erwartungs-Barometer: 4,5
Die Note danach: 3,5

Natürlich sollte man den sehen. Österreich hat immer eine gewisse Qualität, auch wenn sie mit dieser Folge erneut übers Ziel hinaus schiessen werden. Falls es in diesem Stile weitergehen sollte (was bei der Schweiz zwar eher unwahrscheinlich ist), wird Wien irgendwann von Luzern überholt werden. Stellt euch das mal vor!

0 = ungefähr so viel Erwartung wie vom Morgenstraich 2013.
6 = ungefähr so viel Erwartung wie von Halloween 2013.

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10. Februar 2013

Tatort: Schmutziger Donnerstag (Luzern)



Ein Barometer voller Klischees, oder der äusserst oberflächliche Versuch, das Filmklischee in seiner Einfachheit zu ergründen.
Und welche Tatort-Reihe würde wohl besser zu „oberflächlich“, zu „Versuch“ und zu „Klischee“ passen, als die aus der Schweiz?
Fakt ist, jeder Film lebt auf irgendeine Art von Klischees. Von positiven, von negativen, aber vor allem auch von notwenigen. Wenn man in 90 Minuten eine Geschichte erzählen muss, ist man zwingend auf Klischees angewiesen. Klischees erklären binnen Sekunden ganze Situationen. Klischees haben sehr viel mehr mit der Wahrheit gemein, als ihr negativer Ruf vermuten lässt. Aber unabhängig von diesen notwendigen Klischees, gibt es Tatorte, die dermassen überladen mit peinlichsten Klischees sind, dass sich selbst der anspruchsloseste Zuschauer bis auf die Knochen fremdschämen muss. So geschehen vor zwei Wochen in Saarbrücken. Aber es gibt eben auch Folgen, in denen Klischees genutzt werden, in denen äusserst clever mit ihnen gespielt wird. Und wenn das funktioniert, ist es Filmgenuss in Reinkultur. Der Österreichische ist ein typisches Beispiel dafür. Zumindest war er das. In der letzten Zeit hat sich Wien leider etwas mehr der Komplett-Überboardung gewidmet, anstatt diese äusserst feine Schiene des cleveren Klischee-Spiels weiter zu verfolgen. Ganz gross, auf welch geniale Art und Weise Österreich es immer wieder schaffte, aus den eigenen Klischees eine grandiose Geschichte zu flechten. Den Münchnern gelingt das auch immer mal wieder, aber bei den meisten andern, klappen die Versuche leider nicht, und die Klischees kippen knallhart auf die peinliche Seite. Womit wir wieder beim Anfang wären. Der Grat zwischen den peinlichen Klischees und dem genialen Spielen mit Klischees, ist einmal mehr ein ganz, ganz schmaler. Eine extrem hohe Kunst sowohl von den Autoren, wie von den Regisseuren.
Und genau hier setze ich nun mit dem Schweizer Tatort ein. Die Wiedereinführung des Schweizer Tatorts ist ein Musterbeispiel dieses schmalen Grats. Gestartet ist man auf allerunterstem Niveau. Tiefer als bei „Wunschdenken“ wäre kaum möglich. Der Kommissar tuckert mit seinem Schiffchen vom Bodensee nach Luzern und die CSI Miami Tante schreit „Put your hands up in die air“. Aber entgegen meinen Erwartungen, hat man ziemlich schnell einen Weg gefunden, der vielleicht sogar funktionieren könnte. Und ich glaube, dass das nicht zuletzt genau mit den Klischees zu tun hat. Klar, die Geschichte, die Schauspieler, die Sprache, usw. sind alles Dinge die genauso wichtig sind, aber was das Spiel mit Klischees angeht, haben die Luzerner mich wirklich überrascht.
Spätestens jetzt befinden wir uns nun inmitten der Subjektive, dieses Barometers. Gerade bei Klischees, liegen Meinungen meilenweit auseinander. Ich war von der zweiten Folge „Skalpell“ positiv überrascht. Während halb Deutschland zwar damals den Schweizer Tatort als löchrigen Käse beschimpft hat, und sich unendlich darüber echauffierte, wie peinlich voll mit Klischees der Tatort doch gewesen sei, fand ich die Idee mit der Armbrust absolut genial. Für mich war das ein perfektes Beispiel, wie man mit dem Spielen, selbst von peinlichen Klischees einen guten Film, bzw. zumindest einen guten Plot hinkriegen kann. Wenn man eben genau den richtigen Ton trifft. Ich bin mir nämlich zu 100% sicher, dass sich die Deutschen vor Freude in die Arme gefallen wären, wenn der Wilhelm Tell ursprünglich aus Münster kommen würde, und wenn im Münsteraner Tatort ein früherer Studienkollege von Boerne mit einer Armbrust, jemandem ein Skalpell in den Hals gejagt hätte. Und das erst noch in der hohlen Gasse. Ich fand diese Idee fantastisch. Wirklich erfrischend für die Schweiz! Aber eben. Der Grat ist schmal und die Meinung dazu äusserst subjektiv. Und so kommen wir zur dritten Folge: „Hanglage mit Aussicht“. Nationalfeiertag auf der Alp, Opfer aus dem Seilbähndli gestossen, böser KV Lehrling in einer Bank und Alpöi, der mit der Mistgabel auf die Innerschweizer Immobilienfuzzis losgeht, die seine Beiz an ausländische Investoren verkaufen wollen. Gegen zehn Schweizer Klischees der übelsten Sorte gleich in einem Satz bzw. in der Grundgeschichte dieses Tatorts. Eigentlich müssten da sämtliche Sirenen auf den Schweizer Schulhäusern 24 Stunden durchheulen, und trotzdem hat es irgendwie funktioniert. Für mich zwar weniger gut, als bei „Skalpell“, aber man hat gespürt, was die Macher ausprobieren möchten. Wie sie zumindest versuchen auf diesem Grat zu balancieren. Wo befindet sich die Grenze des Klischees? Wo kippt die Geschichte? Wann ist es ein spannendes Spielen mit Klischees, und ab wann ist es für den Zuschauer nur noch peinlich? Klischees sind eben nicht nur Klischees. Klischees strotzen oft vor lauter Echtheit. Und auf diesem Weg befindet sich Luzern. Man versucht was, man riskiert was, und genau das haben nach der dritten Folge auch unsere geliebten Nachbarn bemerkt. Die Kritiken wurden zusehends besser.
Und jetzt kommt Nummer Vier! Ein Tatort über die Luzerner Fasnacht! So was wie die Meisterprüfung des Schweizer-Klischee-Verfilmens. Drei Folgen lang konnte man nun ausprobieren, konnte man sich finden, jetzt werden wir sehen, was Luzern daraus gelernt hat, was Luzern aus ihrer eigenen Fasnacht macht. Die Voraussetzungen scheinen sehr gut. Regisseur Dani Levy ist ein Meister, wenn es um das geniale Spielen mit Klischees geht. Wer seinen Film „Alles auf Zucker!“ gesehen hat, der weiss wovon ich rede. Es gibt wohl kaum eine heiklere Aufgabe, als eine Komödie über das jüdische Leben, gespickt mit jüdischen Klischees, zu drehen. Ihm ist es famos gelungen. Der Film wurde eigentlich fürs Fernsehen gedreht, war am Ende aber im Kino ein grosser Überraschungserfolg und gewann den Deutschen Filmpreis 2005.
Jetzt ist jedoch 2013 und das jüdische Berlin ist weit weg. Jetzt ist schmutziger Donnerstag, die Fasnacht in Luzern kann beginnen. Und noch bevor die ersten bekloppten Fasnächtler richtig besoffen sind, wird einer vom „Tod“ höchstpersönlich mit einem alten Dolch ermordet. Das Opfer ist ausgerechnet ein ehrenhaftes Mitglied des Bauausschusses und der Zunft „Wächter des Pilatus“. Des Ermordeten Doppellebens fliegt nun langsam auf, und die Kommissarin ist plötzlich auch eine Lesbe?!? Das tut natürlich überhaupt nichts zur Sache, aber es spielt eine grosse Rolle, wenn es um die genialen und die total unnützen Klischees meines Barometers bzw. eines Filmes geht. Ein Barometer also gespickt mit eigenen Klischees, auf der Suche nach dem perfekten Filmklischee?  Funktioniert das? Als Barometer eher nicht, als Film hoffentlich schon!
Schmutziger Donnerstag, dreckige Bilder, viel Brauchtum, leicht absurd, ziemlich unheimlich und unendlich viele Klischees! Wenn es einer kann, dann er: Dani Levy, mach uns glücklich!

Erwartungs-Barometer: 4,5
Die Note danach: 4,5
(Auf einer 5,5 eingestiegen und mit einer 3,5 beendet!)

Wenn der neue Schweizer Tatort jeweils vor der Türe steht, findet sich neben NZZ, Bund, Glückspost, selbst im Bätterkindner Gemeindeblatt vorgängig eine Rezension. Ich habe bewusst keine einzige gelesen. Aber alleine die Überschriften zeigen, dass die Meinungen der Kritiker in eine ziemlich positive Richtung zielen. Das Barometer traut der Sache selbstverständlich nicht so ganz und wie immer bei der Schweiz, bin ich nur vorsichtig optimistisch. Es wird mit Bestimmtheit der Beste aus Luzern, aber mal sehen, wie er mit Deutschland und vor allem mit Österreich mithalten kann.

0 = ungefähr so viel Erwartung wie von jedem erdenklichen Bauausschuss.
6 = ungefähr so viel Erwartung wie von der „Zunft der Wächter der heiligen SGBAT“

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