1. Oktober 2017

Tatort: Goldbach (Schwarzwald)


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So, das musste jetzt einfach mal gesagt sein. Bitte nicht erschrecken, mit dem neuen Tatort hat das überhaupt nichts zu tun, im Gegenteil.
Aber, und da muss ich ehrlich sein, seit das Barometer so optimistisch unterwegs ist, fehlt ihm irgendwie eine Art Ventil, um seine Welt verarbeiten zu können.
Das jedoch braucht definitiv nicht euer Problem zu sein, denn die Welt des Tatorts, die scheint in allerbester Ordnung.
Wir sind uns ja eigentlich gewohnt, dass bei neu erschaffenen Tatort-Teams so ziemlich alles falsch gemacht wird, was man heutzutage falsch machen kann. Und auch der SWR schien mit seinen Ideen zu einer neue Tatort-Reihe wieder mitten ins klischierte Verderben zu rennen. Aber irgendwie, als wäre es Karma, passierte eine Art Wunder. Es scheint nämlich so, als ob in der Entwicklung dieses Tatorts auf einmal bei allen Schlüsselentscheidungen die richtige Wahl getroffen wurde. Aber von vorne.

Schlüsselentscheidung Nr.1: KONSTANZ
Nach jahrelangem Drängen und knallhartem Mobbing des Barometers, kapierte endlich auch der SWR, dass sie dem Konstanz-Elend dringend ein Ende setzen müssen.
Und so versenkten sie an einem nebligen Sonntag die Klara und ihren Toy Boy inmitten des Bodensees.

Schlüsselentscheidung Nr.2: HEIKE MAKATSCH
Der Versuch mit Heike Makatsch als MI6 Rückkehrerin eine Kommissarin in Freiburg einzuführen, scheiterte mit der ersten Folge dermassen grandios, dass dieses Projekt auf der Stelle wieder beerdigt wurde. Messi. Messi viu mau!

Schlüsselentscheidung Nr.3: HARALD SCHMIDT
Wurde nicht vom SWR getroffen, sondern von Dirty Harry persönlich. Obwohl eigentlich alle Details schon geklärt waren, und er als Leiter der Mordkommission eine grosse Rolle übernehmen sollte, kapierte er in letzter Sekunde gleich selber, dass auch dieser Besetzungs-Coup in einem absoluten Fiasko enden wird und zog sich zwei Wochen! vor Drehstart ehrenwerterweise vom Projekt zurück.

Schlüsselentscheidung Nr.4: SCHAUSPIELER
Nachdem also zwei grosse Namen floppten bzw. gar nicht erst antraten, besann man sich in der Entwicklungsabteilung und kam auf folgende Idee:
„Es kann auch einfach der Fall überzeugen!“
Wooooooooowwwwww! Was für uns als selbstverständlich klingen mag, ist beim Tatort mittlerweile eine enorm mutige Entscheidung. Soll die neuen Ermittler aber in keiner Art und Weise schmählern. Zwar hat man mit Eva Löbau und Hans-Jochen Wagner keine „Stars für die Massen“ engagiert, doch unbekannt sind auch die nicht. Aber wenn, dann kennt man sie, weil sie überragende Schauspieler sind, und nicht weil sie Anfang der 90er-Jahre auf VIVA rumgurkten oder eine (zweifelsohne brillante) Late Night präsentierten.

Schlüsselentscheidung Nr.5: LOCATION
„Wer will mit Freiburg eine weitere langweilige Stadt im Tatort sehen?“, fragte das Barometer vor einiger Zeit. Und ja, genau solche Fragen muss man sich auch bei den Sendeanstalten stellen. Und so entschieden sich die Autoren für den Schwarzwald als Ermittlungsgebiet. Auf den ersten Blick mag das langweilig-biedere Provinz sein, aber wer sich noch an die früheren Wiener oder Münchner Tatorte erinnern kann, als oft in ländlichen Gebieten ermittelt wurde, der weiss, dass das eine enorme Ausstrahlungskraft haben kann. Der Schwarzwald mag auf den ersten Blick ein bisschen dröge wirken, aber das Potential an Tristheit und an authentischer Normalität ist enorm.

Schlüsselentscheidung Nr.6: KOMMISSARE
„Ungeschminkt überzeugen die zwei in einem Fall, der offenbar nicht ihr erster ist. Dass sie als eingespieltes Team ermitteln, machen die ersten Minuten schon klar.“
„Mit dem erfrischend unaufgeregten Neuzugang geht ein Duo an den Start, von dessen persönlichen Problemen der Zuschauer erst mal nicht viel erfährt.“
„Statt Lautstärke und Kleinkrieg zu zelebrieren, versuchen die beiden mehr und mehr „Feinstofflichkeit“ in ihre Figuren zu weben.“
Also was soll ich als Barometer da noch anfügen? Ich könnte flennen vor lauter Entzückung.

Schlüsselentscheidung Nr.7: DREHBUCH
Und zu guter Letzt scheint es so, als ob sich der SWR auch beim eigentlichen Fall richtig Mühe gegeben hat. Eine traurige und äusserst schwierige Geschichte. Ein totes Kind im Wald. Es heisst Eltern informieren und möglichst schnell vorankommen. Moderne Stadtflüchtlinge in der idyllischen Provinz. Deutsche Waffenproduktion.
Ähh... was? Deutsche was? Dieser Punkt ist der einzige, der mich ein bisschen verunsichert. Deutsche Waffenproduktion, hmmm. Am Ende doch wieder eins zu viel? Barometer-Traum vorbei?
Ach was. Lasst uns das für heute ignorieren, und ich gebe das Schlusswort dieses Barometers an den neuen Hauptdarsteller:
„Wie oft stehen Polizisten an einer Tür und müssen jemandem sagen, dass sein Kind tot ist? Sicher selten, aber wenn, dann muss es die pure Hölle sein, enorm belastend. So was zu untersuchen finde ich viel spannender, als einen Kommissar zu kreieren, der irgendeinen Spleen hat.“

Erwartungs-Barometer: 5.5

Halefuckinglujiah! So machte man sich in Südwestdeutschland auf, mit einem unspektakulären Team, im unspektakulären Schwarzwald, eine simple aber authentische Geschichte zu entwickeln. Und genau das ist hoffentlich das verflucht Spektakuläre daran! Ich vermute, dass dieser neue Tatort aus dem Schwarzwald genau die Wünsche erfüllen könnte, die das Barometer seit jeher hegt. Danke lieber Optimismus, danke.

1 = Fehlende Ventile
6 = Karma gibt es wirklich

Die Note danach: 4
Uiuiui. Das ist halt das grosse Problem am Optimismus. Man wird viel eher enttäuscht, als wenn man die Dinge negativ angeht.
Die erwartete Authentizität war für mich bereits nach zwei Minuten gestorben. Natürlich kann niemand auch nur annähernd erahnen, wie Eltern reagieren die ihr Kind verlieren, aber so bestimmt nicht. Tut mir leid, aber so was von unglaubwürdig. Die Polizei taucht einfach so im Garten auf, ohne Care-Team, ohne irgendwas. „Ihre Tochter ist tot. Besser wenn ihr heute bissl zusammen bleibt und tschüss!“. Die Eltern gehen noch am selben Tag ganz alleine!!! in die Gerichtsmedizin und müssen da ihre Tochter identifizieren. Die Nachbarn schmusen rum und essen gemütlich. Der Junge, der eben seine beste Freundin verloren hat, wird ohne psychologische Betreuung einfach so verhört, und die Klasse wird huschhusch informiert... Hallo??? Da ist ein Mädchen gestorben und ein Junge verschwunden, und wir sehen ein paar lamentierende Nachbarn, die emotional ungefähr das verschwinden einer Hauskatze rüberbringen! Da wollte man doch die Polizeiarbeit für einmal authentisch zeigen und der Hauptdarsteller hat noch geprahlt, wie spannend er es findet, solch schreckliche Situationen zu erforschen. Ich glaubte keiner einzigen Figur! Ah doch, dem Vater des verschwundenen Sohnes, als er die blauen Plastiksäcke im Wald fand, das war klasse, aber sonst absolut keiner.
Natürlich wurde der Film gegen Ende etwas besser, aber die ganze Situation mit den drei Elternpaaren war an Unglaubwürdigkeit kaum zu überbieten.
Hätte ich eine 3 erwartet, wäre ich nun zufrieden, hab ich aber nicht, also bin ich halt ziemlich enttäuscht. Tja, so kann man sich irren. Ein sehr bescheidener Einstieg, wie alle anderen neuen Teams auch. Von wegen Schlüsselentscheidungen. Sehr schade.


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17. September 2017

Tatort: Zwei Leben (Luzern)



Es ist unlängst bekannt, dass das Barometer bei all dem Luzern-Bashing unseres nördlichen Nachbarn immer ein wenig patriotisch wurde, und somit dem Luzerner Tatörtchen auch immer ein wenig milder gestimmt war, als vielleicht andern Folgen.
Dass jetzt aber ausgerechnet dieses Luzern meinen Optimums-Höhenflug bereits mit Folge 3 abrupt zerstören könnte, tut meine Seele doch beachtlich schmerzen.
Luzern hat sich gebessert, Luzern hat versucht relevante und passende Themen anzugehen. Sie überzeugten mit der Fasnacht, sie wagten sich an die Sterbehilfe, und sie landeten einen Kracher mit dem Scharfschützen.
Okay, sie konnten nie darüber hinwegtäuschen, dass die Dialoge teilweise desaströs waren, und dass halt die Kommissare mitunter zu den schlechtesten im Tatort-Bunde gehören. Aber trotzdem und trotz einem helvetisch zugedrückten Barometerauge, waren die Geschichten teilweise überraschend stark.
Und nun, mitten in meiner euphorischsten Krimi-Phase seit langem, scheint der Tatort aus Luzern auch mit dem Drehbuch wieder ins Mittelalter zurück zu fallen. Positive Punkte aus dem noch nicht gesehenen Film raus zu erraten, ist selbst für den mildest gestimmten Optimist-Patrioten schier unmöglich. Es gibt sie sicher, aber ich weiss schlicht noch nicht, wo sie versteckt sein werden.
In der heutigen Folge geht es um einen Bahnsuizid. Eigentlich wagt sich das SRF mit dieser Geschichte wieder viel, es ist mutig, ein solch sensibles Thema anzugehen. Aber da es am Ende halt doch zu heikel sein könnte, wurde aus dem Zug ein Bus, und vielleicht war es ja doch kein Selbstmord, es ist ja ein Krimi. Und irgendwie rätseln die Kommissare, ob die Leiche ein längst Totgeglaubter war (ähhh Zwei Leben? Hallo?). Alles arg konstruiert und angeblich voller Zufälle. Schade, schade.
Aber da ich nach erst drei Folgen weder das Karma verärgern, noch meine neu gewonnene Tatort-Freude verspielen möchte, ziehe ich hier nun meinen Optimismus-Joker.
Ich habe vergessen, das vorgängig zu erwähnen. Einen solchen hab ich natürlich zur Verfügung.
Hab zwar gehofft, ihn nicht schon bei der 200 Euro-Frage zücken zu müssen, aber es geht schlicht nicht anders. Lieber jetzt, als alles zu verspielen, bevor ich es überhaupt gewonnen habe.

Erwartungs-Barometer: Joker

Tja, was soll ich also als Zusammenfassung gross erwähnen? Miese Dialoge, langweilige Kommissare und ein Drehbuch, das mich den Joker ziehen lässt. Aber ich bleibe optimistisch und lasse mich sehr gerne positiv überraschen!

1 = Innovation wollen
6 = Innovation machen

Die Note danach: Joker
Stark angefangen und bis zum "alles, wirklich alles zusammenführenden Ende" ins Bodenlose gefallen. Eine gute Idee heisst leider noch lange nicht, dass man auch ein gutes Drehbuch schreiben kann. Geschweige denn gute Dialoge. Aber eben. Ein paar positive Punkte lassen sich überall finden, auch hier. Eindrücklicher Einstieg und die gut aufspielende Psychiaterin z.B.!


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9. September 2017

Tatort: Stau (Stuttgart)


Losgelöst von all den schlechten Tatort-Gedanken also, frage ich mich, ob das nun bereits das Karma ist, welches uns ein Thema mit solch Potential beschert?
Eine Ausganglange so simpel wie genial:
„Nachdem in einem Wohnviertel ein Mädchen totgefahren wurde, vermuten die Kommissare, dass der Täter im Stau stecken geblieben ist.“
Viele Szenen im Auto sind zu vermuten. Eine Welt, die wir alle bestens kennen, und doch ist sie an Spannung kaum zu überbieten. Beklemmende Ermittlungen auf engstem Raum. Kommt hinzu, dass die meisten Menschen im Auto ein bisschen anders ticken als sonst. Die Liste an Verdächtigen ist immens. Mir schwebt eine Art Theaterstück im Verkehrskollaps vor. Zweifelsohne extrem schwierig, was Gscheites draus zu machen, aber als Grundidee phänomenal.
Optimistisch, wie ich nun mal bin, sehe ich also den Mut, so etwas zu wagen, und nicht die Chancen, daran zu scheitern.
Kommt hinzu, dass der Tatort aus Stuttgart ja sowieso eine beachtliche Wandlung durchgemacht hat. Fast unbemerkt haben die sich vom biederen Mittelmaß ins attraktive Spitzenfeld geschlichen. Die beiden Kommissare fand ich immer schon top, aber in der letzten Zeit hat man beim SWR auch in Sachen Drehbuch eine Schippe draufgelegt. Der Tatort Stuttgart wagt sich was. Der Tatort Stuttgart versucht nahe am Leben zu sein. Und der Tatort aus Stuttgart versucht auch immer wieder nahe an der eigentlichen Stadt Stuttgart zu sein.  Und so erstaunt es kaum, dass die Idee mit dem Stau ausgerechnet aus Stuttgart kommt. Stau gibt es zwar überall, aber Stuttgart ist eine Autostadt, und Stuttgart mit seiner ausgedehnten Zersiedelung hat aufgrund der beschränkten Platzverhältnisse in dieser hügeligen Umgebung massivste Verkehrsprobleme. Ein Tatort im Stau passt also perfekt in diese Stadt und lässt mein Barometerherzl höher schlagen.

Erwartungs-Barometer: 5 (mit ganz vorsichtiger Euphorie auf mehr..)

Ganz egal ob nun das Karma oder die ARD für diesen Tatort verantwortlich ist, die Ausgangslage strotzt nur so vor potenter Energie, und wenn die Umsetzung genau so brillant ist, wie ich mir das vorstelle, könnte diese Folge seit langem mal wieder die Barometer-Fünf sprengen!
Auf der anderen Seite wäre das vielleicht etwas zu positiv gedacht. Ich will ja nicht bei Optimismus-Folge Nr. 2 schon gierig werden. Nicht gut fürs Karma.

1 = Stuttgart 21
6 = Der Kluge reist im Zuge (...also, zumindest meistens)

Die Note danach: 4.75
Ich will nicht sagen, dass dieser Tatort scheiterte, aber ein bisschen mehr hab ich erwartet. Doch während die Probleme normalerweise schon beim Drehbuch liegen, sah das hier etwas anders aus. Die Idee gefällt mir nach wie vor, die Figuren jedoch waren erschreckend schlecht besetzt. Die Verdächtigen, der Mob, die Polizisten, wirklich teilweise auf Laien-Niveau. Ob das nun an den Schauspielern oder viel eher an der Umsetzung der miserablen Regie gelegen hat, kann ich nicht so genau sagen.
Aber Dank den grossartigen Kommissaren, der genialen Grundgeschichte und der feinen Auflösung bleibt mein Optimismus ungebrochen.


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27. August 2017

Tatort: Virus (Wien)


„Im neuen Tatort gibt es eine mit dem Ebola-Virus infizierte Leiche, abgeriegelte Ortschaften und einen fatalen Plan. Mitten in diesem Katastrophen-Einsatz müssen Harald Krassnitzer und Adele Neuhauser ermitteln – und schweben dabei selbst in Lebensgefahr. Ein solider Fernsehkrimi mit einem moralischen wie politischen Thema und einer straffen Inszenierung der „Tatort“-Debütantin Barbara Eder.“
TV-Kritik

Ihr alle kennt das Barometer nun schon eine ganze Weile. Wir haben viel gemeinsam durchgemacht. Und ihr alle wisst ganz genau, wie das Barometer auf einen solchen Pressetext zum Start der neuen Saison reagieren würde.

Unfassbar, diese Pfeifen. Jetzt verkacken sie sogar Österreich. Themen werden immer dämlicher. Unglaubwürdig. Schwachsinnig. Öffentlich-rechtliche sollten Gott danken, dass sie überhaupt noch eine solche Erfolgsgeschichte im Programm haben. Sollten jede verfluchte Sekunde ihres Lebens damit verbringen, das absolut Perfekteste aus dem Tatort rauszuholen, damit die Fans auch wirklich das Bestmögliche zu sehen kriegen. Zum Start ein 100 Tonnen Fass aufmachen, ab der ersten Minute voll da sein. Hype am Leben erhalten, um jede Zuschauerin und um jeden Zuschauer kämpfen wie Sau. Aber sicher nicht ein „solider Fernsehkrimi, straff inszeniert“. Das klingt nach „Bullshit-Krimi, miserabel inszeniert“. Moralisch und politisch my ass. Die moralischen sind die schlimmsten Folgen! Nur weil die Zuschauer treu sind, braucht man sie nicht zu verarschen. Was hab ich dazu neulich in eine Klo-Türe geritzt gelesen?
„Es gibt bei der ARD eine eigene Abteilung, die immer raffiniertere Modelle entwickelt, damit der Zuschauer die Reibungshitze, die entsteht, wenn er von den Tatort-Verantwortlichen über den Tisch gezogen wird, als Nestwärme empfindet.“
So sieht es aus. Faules Beamten-Pack. Scheiss Programmplanung.
Kaum ist der Sommer vorbei vermasseln die wieder alles. Ideenlos. Träge. Tragisch. Langweilig... Bla bla bla...
So ungefähr hätte sich das angehört. Halt das typische Barometer. Frustriertes Geschwurbel, analog zu den frustrierenden Drehbüchern. Ihr kennt es ja.  

Vor kurzem jedoch, der Polterabend eines sehr guten Freundes war eben zu Ende, trafen wir frühmorgens, in einem hippen Kellergeschoss, auf des gepolterten Freundes zukünftige Ehefrau, auch eine sehr geschätzte Leserin des Barometers. Und während die ganze Meute vor lauter Euphorie und wummernden Bässen schier explodierte, fragte sie mich, in einer an diesem Morgen kaum mehr zu erwartenden Klarheit, warum das Barometer eigentlich immer so unglaublich pessimistisch sei.
Etwas durcheinander von der Tiefe, die sie mit einem Satz in diesem brechend vollen Club erreichte, wollte ich erklären, dass das nicht Pessimismus, sondern der pure Realismus sei, aber ich liess es bleiben. Zu laut war der Elektoschrott, zu ehrlich ihre Frage. Zu viel Glück des zukünftigen Ehepaars und zu viel Freude der ganzen Sippschaft lag in der Luft, als dass meine Sätze einen Sinn ergeben hätten. Ich wusste selber nicht, ob es Ausflüchte oder wirklich meine Meinung gewesen wäre.
Als ich es etwas später die Treppe hoch schaffte, klatschte draussen der Regen literweise auf die aufgehitzte Strasse. Es duftete so frisch wie lange nicht mehr. Ich befand mich noch kaum auf dem Heimweg, schon war ich komplett durchnässt. Mit jedem Schritt klebten die Kleider mehr auf meiner Haut und mit jedem feuchten Atemzug kreisten die Gedanken mehr um dieses Thema. Fast als wäre ich auf einer Art Pilgerweg in Richtung Barometer-Zukunft gewesen. Auch wenn die baldige Braut eigentlich von Pessimismus geredet hat und nicht von Realismus, so hat sie doch irgendwie eine erfrischende Wahrheit ausgesprochen.
Wenn der Pessimismus des Barometers wirklich auf Realismus basiert, könnte ich die Sache ja einfach auch mal unrealistisch angehen. Warum muss immer alles so realistisch sein? Ich schulde ja eigentlich niemandem die Wahrheit. Und sie lässt sich auch locker anpassen. Ein bisschen verdrehen. Im Voraus sowieso. Ich könnte also vom Pessimismus über den Realismus zum Surrealismus, oder gar zum Idealismus und somit eben zum Optimismus finden. Es muss also nicht alles so realistisch sein. Schon gar nicht meine Einschätzung. Vielleicht würde ein positiveres Angehen an den Tatort auch ein positiveres Gefühl nach dem Tatort auslösen. Vielleicht würde das Karma ein optimistisches Barometer mit besseren Folgen belohnen.
Geläutert also vom Moment, vom Regen und von dieser Frage, habe ich mir auf diesem Weg nach Hause zum Ziel gesetzt, dass ich nun versuchen werde immer zuerst das Positive an einem Tatort hervorzuheben. Zumindest im Rahmen der Möglichkeiten. Natürlich wird es noch immer schlechte Folgen geben. Aber das Ziel ist es, ganz optimistisch auf die positiven Aspekte zu fokussieren.

Und dafür ist Wien natürlich absolut perfekt. Ich muss die Story nämlich nicht einmal erwähnen. Wien würde sogar aus so was Absurdem wie einem Mordfall während einer Ebola-Epidemie in der Steiermark was Fantastisches machen! Denn Wien ist Bibi und Moritz und Bibi und Moritz sind die Besten.
Die Schauspieler, die Dialoge, der Schmäh, die feinen Kleinigkeiten... absolut grandios. Die eigentliche Geschichte beim österreichischen Tatort interessiert mich schon lange nicht mehr.
So also muss man nach einer Sommerpause einsteigen. Das nenn ich eine Top-Programmplanung. Es leben die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten. Da gibt es noch Platz für gutes Fernsehen. Da schaut man noch zu den treuen Fans. Da arbeiten noch die Besten des Landes!

Erwartungs-Barometer: 5 (Story komplett ausgeblendet)

Das Barometer also steigt soft und positiv in die neue Saison. Optimistisch, mit Sicht auf die guten Dinge im Leben.
Der Tatort selber unterstützt mich in meinem Unterfangen so gut er nur kann (ist das schon das Karma?) und schenkt uns nach der langen Pause ein bisschen Fernseh-Freude mit Bibi und Moritz. Auf eine gute Tatort-Saison und eine grossartige Hochzeit! Alles Gute und alles Liebe!

1 = Der ewige Pessimist
6 = Der optimistische Realist

Die Note danach: 5
Wie vermutet: Geschichte hanebüchen, aber drauf gschissen? 
Ich liebe die Wiener so sehr und belohne somit meinen Optimismus irgendwie gleich selber.


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