30. September 2012

Tatort: Alter Ego (Dortmund)



Auf diesen Tag mussten wir lange warten. Der Pott hat wieder einen Tatort. 15 Jahre nach Schimanski wird endlich wieder ermittelt. Dortmund könnte dafür perfekter nicht sein. Eine ganz eigene Gegend, eine eigene Kultur, ein eigenes Volk. Es ist allerhöchste Zeit, dass sich der WDR neben Köln und Münster nun auch wieder im Ruhrgebiet ausbreitet. Und neben der Stadt ist eben auch die Ausgangslage extrem vielversprechend. Ein Team von vier Leuten wird ermitteln, und wir als Zuschauer sollen immer ganz nah dran sein. So wird es angeblich keine einzige Szene geben, in der nicht mindestens ein Kommissar zu sehen sein wird (ausser vielleicht beim Mord…). Der Zuschauer wird immer nur gerade so viel wissen, wie die Ermittler selber auch. Natürlich wird mit diesem Konzept nicht der Tatort neu erfunden, aber man will damit den Zuschauer mitten in die Geschichte reissen, ohne Kompromisse. Weit weg von all den ausgeflippten Psycho-Exzessen, zurück zum guten alten Krimi-Format. Die Idee passt mir sehr, da man diesen Stil tatsächlich lange nicht mehr gesehen hat. Und da neben all den oben erwähnten Punkten auch die Schauspieler vielversprechend klingen, würden meine Erwartungen eigentlich bei einer glatten 6 liegen!
Würden! Wenn ich das Barometer normalerweise schreibe, würde ich hier nun noch 2-3 Worte zur Geschichte schreiben und danach wäre eigentlich fertig. Ich informiere mich jeweils über die Ausgangslage, lese, worum es in der Story geht, wer mitspielt und wer dahinter steckt. Kritiken lese ich praktisch keine. Ich will mich ja auf mein Gefühl verlassen. Da nun aber ein komplett neues Team ermittelt, ja ein komplett neuer Tatort entstanden ist, konnte ich es für einmal nicht lassen. Ich gestehe, ich habe gesündigt und mich hinter all die Berichte gemacht, die von Kritikern geschrieben wurden, die den Film eben schon gesehen haben. Ich bin zutiefst schockiert. (Nicht nur ab meinem grenzwertigen Verhalten, sondern eben vor allem auch wegen dem Gelesenen). Obwohl die Mehrheit der Kritiker diesen Tatort durchaus lobt, glaube ich, dass da eine Riiiiiiiiiiiesenchance vertan wurde. Ein depressiver Kommissar, der tablettensüchtig ist, zwei Ermittler landen schon in der ersten Szene zusammen in der Kiste, die Morde geschehen zufälligerweise grad im Schwulen-Milieu, es wimmelt und bimmelt vor lauter Ruhrpott-Klischees. Aber was will man von einem Drehbuchautor auch erwarten, der vorher weit über 100 Folgen „Forsthaus Falkenau“ geschrieben hat? Stellt euch vor, was hier möglich gewesen wäre. Ein neues Team in einer solch spannenden Stadt. Ich sah die abgefuckten Dortmund Bilder schon vor mir. Die sauguten Kommissare, die einem mit einer authentischen Geschichte direkt in dieses Kohlenpott-Leben schleudern. Hier hätte ein gutes Team nur noch ernten müssen, aber bei Sätzen wie,  „Die Figuren kriegen gleich von Anfang an eine enorme Tiefe!“ schaudert es mich bis tief ins Mark. Das klingt zwar sehr gut, aber kann gar nicht funktionieren. Ich glaube all die Kritiker, die diesen Tatort so positiv bewerten, hatten einfach nicht den Mut, schon bei der ersten Folge einen anständigen Verriss zu publizieren. Aber wenn ich mir aus all den Rezensionen ein Barometer zusammen spinnen muss, (was nun mal mein Anspruch ist), dann weicht die anfängliche Euphorie, einer tiefen Depression, wie sie angeblich auch der Hauptkommissar morgen Abend durchmachen wird und meine Erwartung sinkt somit leider auf eine 2.

Erwartungs-Barometer: 4
Die Note danach: 3

Erstes Spiel verkackt, aber eine zweite Chance verdient ein Jeder.

0 = ungefähr so viel Erwartung wie von all den nicht so schönen Partys!
6 = ungefähr so viel Erwartung wie von „Die schöne Party“?

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16. September 2012

Tatort: Hochzeitsnacht (Bremen)



Deutschlands Norden dominiert die Tatort Liga! Erst der Kieler, der meine Erwartungen erneut übertroffen hat, dann plant Hamburg neben Til Schweiger auch noch eine zweite, komplett unabhängige Reihe mit W.W. Möhring *, Hannover trumpft bald mit einer Doppelfolge auf und nun lädt der NDR auch noch zu einer Bremer Hochzeit. Über die Stadt Bremen habe ich ja schon in meinem letzten Bremen-Barometer ausführlich berichtet. Dieses Mal fokussiere ich mich auf das Wesentliche:
Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes, Modernes….
Nur wer das „Modernes“ kennt, der kann auch die Stadt Bremen verstehen. Und genauso verhält es sich eben auch mit dem Tatort. Eher unauffällig, auf den ersten Blick eher unspektakulär, auch eher langweilig wirkende Kommissare. Aber lasst euch auch dieses Mal nicht täuschen. Seid ihr erst mal drin (im Modernes) wollt ihr nie mehr raus. Ich glaube zwar, dass die Geschichte um eine überfallene Hochzeitsgesellschaft etwas zu absurd konstruiert sein wird, um auf höchstem Niveau tanzen zu können. Zu verschroben die Idee, das Augenmerk für einmal zu sehr auf Knall und Rauch, auf Effekt, anstatt auf Story gelegt, aber die Idee gefällt mir trotzdem wieder sehr gut und wer sich drauf einlassen kann, dem wird er gefallen. Vielleicht tut bisschen übertriebenes Tempo den etwas fädigen Kommissaren sogar ganz gut. Eine TV- Kritik bringt es wahrscheinlich ziemlich auf den Punkt: Schräg, schnell und spannend! Womit wir wieder mitten im „Modernes“ wären.

Erwartungs-Barometer: 5
Die Note danach: 5

Empfehlung: Man sollte Bremen niemals unterschätzen. (Aber wohl auch nicht überschätzen…)

0 = ungefähr so viel Erwartung wie von TV Eiche Horn Bremen!
6 = ungefähr so viel Erwartung wie von, ja von was wohl?

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*Die Frage darf erlaubt sein. Wieso tut Hamburg das? Trauen sie dem Superstar Til Schweiger so wenig zu, dass sie tatsächlich noch eine zweite Reihe starten wollen? Ist vielleicht von Anfang an geplant, dass Superstar Til Schweiger eh nur einen Krimi spielen wird, und die Dreharbeiten zum Übernächsten (ohne ihn) konnten aber nicht geheim gehalten werden? Oder dreht der Superstar Til Schweiger einfach dermassen viel Kokkowäh Keinohrscheissendreck, dass er pro Jahr max. eine Tatort Folge machen kann? Was natürlich für eine Weltstadt wie Hamburg def. nicht reichen würde. Schliesslich hat sich ja der Cenk Batu jährlich 25mal in irgendwelche Organisationen reingem()ogelt. Wir kennen die Antwort nicht, aber das Barometer bleibt für euch dran!

9. September 2012

Tatort: Borowski und der stille Gast (Kiel)



In der Zeit, in der ich nun dieses Barometer schreibe, wurde Kiel für mich zur ganz grossen Überraschung (im positiven Sinne). Während ich früher weder der Stadt, noch dem Schauspieler oder gar dem Tatort selber grosse Beachtung geschenkt habe, gehören die Kieler heute zu den wirklich feinen Krimi-Folgen. „Borowski und die Frau am Fenster“ war gar die Beste überhaupt, in der Barometer-Ära. Aber mit dem Erfolg steigen natürlich auch die Erwartungen, und die wird der Morgige kaum erfüllen können. Zu verschroben klingt die Geschichte von einem Mörder der durch Wände gehen kann, aber dann irgendwie alles doch nichts damit zu tun hat, weil man den wirklichen Mörder ziemlich schnell kennt…  usw. Hmmm??? Bei einer andern Stadt würde ich in diesem Falle wohl eher abraten. Aber mit dem Wissen, was der NDR in den letzten paar Folgen geleistet hat, vermute ich, dass auch dieser gerade noch die Kurve kriegen wird. Die Schauspieler werden es richten und besonders die unter euch, die gerne etwas absurde Geschichten mögen, welche überhaupt keinen Sinn machen, die werden morgen Abend sicher zufrieden ins Bettchen gehen.

Erwartungs-Barometer: 4,5
Die Note danach: 5,5

Empfehlung: Kleiner Ausreisser nach unten, aber gerade noch ok.

0 = ungefähr so viel Erwartung wie von R.S. vor einem Gläschen Salmiakki!
6 = ungefähr so viel Erwartung wie von T.J. vor einem frischen Katzenkistchen!
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2. September 2012

Tatort: Fette Hunde (Köln)



In ziemlich regelmässigen Abständen beliefert uns Köln mit ziemlich regelmässiger Mittelmass-Kost. Früher einer der Besten, konnten mich die Kölschen Jungs in den letzten Jahren kaum mehr überzeugen. Da war diese Gentech-Nullnummer, da war diese Entführung, die gescheitert ist und da war der Doppel -Tatort mit Leipzig, der auch nur bedingt funktionierte. Alles flotte Ansätze, aber dann doch zu wenig für einen guten Tatort. Zudem (und das muss ich leider immer wieder erwähnen) ist Klaus J. Behrendt einfach ein sehr schlechter Schauspieler. Im Vergleich zu ihm, dürfte man Maja Brunner für ihren Auftritt letzten Sonntag glatt fürs Bambi nominieren. Die Voraussetzungen scheinen also nicht die Besten, und doch sagt mir irgendein Gefühl, dass das morgen eine feine Sache werden könnte. Ein heikles Thema. Es geht um den immer grösser werdenden Drogenanbau in Afghanistan, seit dem Sturz der Taliban und es geht um Soldaten, die vom Krieg zurückkehren. Eine Geschichte, die mittlerweile auch zu Deutschland gehört und es braucht schon ziemlich Mut, so was in einen Tatort zu packen. Eine gewagte Story also, als Zückerchen, ein Schweizer der mitspielt und eigentlich immer noch dasselbe Team wie damals, als Köln noch wirklich gut war. Es besteht also durchaus die Möglichkeit, dass Köln morgen endlich mal wieder richtig punktet. Zumal bei einem solchen Thema praktisch keine Chance besteht, dass dem Ballauf schon wieder irgendeine peinliche Liebelei, mit irgendeiner peinlichen Statistin rein geschrieben wurde. (Falls doch, wäre das dann wohl der letzte Kölner Tatort gewesen, den ich mir angesehen hätte).

Erwartungs-Barometer: 5 
Die Note danach: 5

Empfehlung: Fette Hunde - ziemlich fette Erwartung.

0 = ungefähr so viel Erwartung wie von diesem Wochenende!
6 = ungefähr so viel Erwartung wie vom nächsten Wochenende!

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26. August 2012

Tatort: Hanglage mit Aussicht (Luzern)


Heutige Story: Am 1. August wird ein Immobilieninvestor aus einer Gondel gestossen.  Welch freudiges Wochenende für unser grossartiges Nachbarland: Olympia ist vorbei, Bayern spielt wieder Fussball, am Sonntag läuft wieder Tatort. Und was könnte einem Tatort-Barometer-Autor Besseres passieren, als dass die Saison gleich mit dem neuen Schweizer Juwel startet. Noch bevor ich irgendwas dazu schreiben kann, stellt sich nun schon wieder die Frage der Programmierung. Pfingstmontag, der letzte Tatort vor der Sommerpause und nun gleich wieder der erste danach. Was hat sich die ARD dabei gedacht? Es kann nur spekuliert werden. Wollen die Bosse nach fast drei Monaten Pause mit einem Feuerwerk an Filmkunst einfach dermassen ein Fass aufmachen, dass es ganz Deutschland von den Sofas bläst oder hat man auf sonniges Wetter gehofft, um somit den Schweizer Schrott vor möglichst wenigen Zuschauern gleich am Anfang verbraten zu können. Tja, jeder mag die Wahrheit bei sich selber finden. Fakt ist, innert kurzer Zeit läuft nun bereits der dritte Tatort aus Luzern und wir sollten uns darüber freuen. Die Schweiz ist wieder Tatort. Immerhin  war bei „Skalpell“ eine leichte Steigerung auszumachen. Während der Erste wirklich ganz schwach war, fand ich die Ansätze beim Zweiten schon wesentlich besser. Für mich ein Rätsel, dass viele Deutsche Medien so schlecht auf die Armbrust-Idee reagierten. Klar waren viele Szenen langfädig und altbacken, aber die Tell-Geschichte fand ich grandios. Und ich bin mir 100% sicher, dass die Deutsche Presse jubiliert hätte, wenn der Moritz aus Wien so was Verrücktes getan hätte. „Wahnsinn, wie die Österreicher genial mit ihren Klischees spielen können. Wirklich wunderbar“, wäre getitelt worden. Aber das ist ok. Respekt muss man sich erst verdienen und das wird heute wohl auch wieder nur bedingt gelingen. Der Schweizer Tatort ist zwar unterwegs, aber nach wie vor etwas langsam.
Heutige Frage: Spielt man erneut geschickt mit den Klischees oder will Tourismus  Luzern einfach ein nettes Werbevideo für die  Grossregion Luzern präsentieren?
Ich bin ja immer der Meinung, dass Schweizer Filme nur dann funktionieren, wenn man Geschichten schreibt, die in der Schweiz auch Sinn machen. Geschichten, die realistisch sind, die hier auch wirklich passieren könnten. Sie dürfen absurd sein, sie dürfen erstunken und erlogen sein, aber glaubwürdig müssen sie bleiben. Und Immobilien-Krieg in den Bergen ist zwar Klischee ohne Ende, kann aber eben auch ganz gut funktionieren. Warum sollen wir CSI Luzern machen, wenn wir die schönen Alpen haben, auf denen man genauso gut morden kann, wie in Saarbrücken oder Ludwigshafen. Ich jedenfalls bin gespannt auf die heutige Folge und meine Erwartungen gegenüber dem letzten Tatort aus Luzern sind erheblich gestiegen. Obwohl ich zu guter Letzt doch zu bedenken geben muss, dass die echte Tatort-Saison für die grosse Deutsche Masse wohl erst in einer Woche starten wird. Nicht nur wegen dem guten Wetter.

Erwartungs-Barometer: 4,5
Die Note danach: 4

Empfehlung: Wäre es ein Deutscher, wäre die Erwartung wohl knapp ungenügend, aber der süsse Reto Flückiger stimmt mich irgendwie milde.

0 = ungefähr so viel Erwartung wie vom Schweizer Olympia-Team!
6 = ungefähr so viel Erwartung wie vom Flyer auf der BMX Strecke!

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28. Mai 2012

Tatort: Skalpell (Luzern)



Neulich wurde ich von einem Leser darauf aufmerksam gemacht, dass mein Barometer jeweils etwas zu lang und zu ausführlich ausfalle. Ich habe mitunter intensiv über diese Aussage nachgedacht, nehme die Kritik meiner treuen Leser natürlich ernst, aber ausgerechnet jetzt, in der Woche in der ich mich fragte, wie ich mich in meinen Zeilen etwas kürzer halten könnte, ausgerechnet jetzt, steht der Schweizer Tatort vor der Türe. Schwierig. Nun, zumindest was den Inhalt angeht, werde ich mich kurz und knapp halten können. Simple 3 Punkte:
1. Dieser Tatort wird bestimmt besser als der letzte aus unserem Lande.
2. Die CSI Ermittlerin wurde nun zumindest durch eine Schauspielerin ersetzt.
3. Luzern wagt sich an ein ganz mutiges  und brandaktuelles Thema:  Intersexualität. (Schade nur, dass alleine in den letzten zwei Jahren ungefähr jede andere Tatort-Stadt schon einmal darüber berichtet hat).
Einen grossen Vorteil gegenüber sämtlichen andern Teams haben die Schweizer jedoch absolut. Die Erwartungen an den Luzerner Tatort sind dermassen tief, dass eigentlich kein Zuschauer enttäuscht werden kann. Ihr könnt euch sicher noch an den letzten mit Hauptkommissar Reto Flückiger erinnern. Eigentlich gab es keine Worte, für diese abgrundtief schlechte Qualität, und trotzdem war ich am Ende irgendwie positiv überrascht. Das nur, weil ich ihn eben noch schlechter erwartet habe. Und so nutzen wir doch diesen Heimvorteil auch für Luzern Teil 2. Ich meine, was will man nach der ersten Folge auch erwarten?
So simpel und einfach wäre es nun also ausgefallen, das heutige Barometer, ganz nach dem Gusto meines Lesers. Aber leider muss ich nun doch noch eine Randgeschichte erwähnen. Eine Geschichte, die aufdeckt, wie sich das Schweizer Fernsehen von der ARD komplett verscheissern lässt.
Nachdem im letzten Jahr der erste neue Tatort aus der Schweiz ausgestrahlt wurde, waren die Reaktionen in Deutschland dermassen schlecht, dass die wichtigen Herren der ARD mitteilen liessen, dass man erst die zweite Folge abwarten will, bevor man entscheidet, ob die Schweizer wieder in den sogenannten Tatort-Pool aufgenommen werden würden oder nicht. Was aber niemand wirklich wusste, ist, dass jeder, der sich in diesem ominösen Pool befindet, auch Geld in einen Tatort-Topf zahlen muss, aus dem dann andere Tatort-Macher schöpfen können, wenn sie grad bissl knapp bei Kasse sind. Und da die Schweiz mit Sicherheit ein guter Geldgeber ist (selbstsprechend), war eigentlich klar, dass sie so oder so von der ARD aufgenommen werden würden. Nur konnten das die wichtigen Herren der ARD nach der ersten Folge unter keinen Umständen rechtfertigen. Jetzt aber haben eben diese wichtigen Herren der ARD vor ein paar Monaten eine erste Rohfassung vom neuen Schweizer Tatort zu Gesicht bekommen und ihnen wurde wohl bewusst, dass eine Aufnahme in den Pool, auch nach dieser Folge, absolut unglaubwürdig erscheinen würde. Da man aber unter keinen Umständen auf das Schweizer Geld verzichten wollte, hat man nun den Luzerner Tatort einfach ohne grosse Aufregung, ganz im Stillen, noch Wochen vor der Ausstrahlung wieder aufgenommen. Keiner hat es interessiert, keiner hat sich hinterfragt, eigentlich hat es keiner bemerkt. Und das Problem, dass sie diesen Schrott jetzt mindestens einmal pro Jahr zur besten Sendezeit im Ersten zeigen müssen, haben sie (zumindest bei dieser Folge) auch ganz elegant gelöst. Da an einem Wochenende nicht zwei Erstausstrahlungen laufen dürfen, bringen sie am Pfingstsonntag zu gewohnter Zeit einfach einen älteren, dafür einen richtig guten aus München. Einen, den die Deutschen gerne nochmals sehen werden und am Montag dann, wenn keine Sau mehr Lust auf Tatort hat, können sie in aller Ruhe den Schweizer verbraten. So lässt sich also das SF vom grossen Nachbarn auf der Nase rumtanzen und gleichzeitig viel Geld aus der Tasche ziehen. Das wirklich Schlimme daran ist, dass man sich im Hause zu Leutschenbach ernsthaft auf die Schulter klopft und jubiliert, dass man nun so schnell wieder in diesem Pool aufgenommen wurde. „Die damalige Rohfassung muss dermassen gut gewesen sein, dass die wichtigen Herren der ARD, die Endfassung erst gar nicht mehr sehen wollten“, denken sich die etwas weniger wichtigen Herren des SF wohl... Oder aber, war es vielleicht genauso? Lief diese Geschichte tatsächlich genau umgekehrt zu meiner Theorie, und die wichtigen Herren beim ersten Deutschen Fernsehen waren tatsächlich dermassen begeistert ob dieser Folge, dass man die Schweiz noch am selben Tag wieder als Vollmitglied haben wollte? Und sendet man vielleicht der Schweiz zuliebe am Sonntag extra eine alte Folge aus München, damit man für den Meisterstreich aus Luzern den besten Sendeplatz des Jahres frei halten konnte, den Pfingstmontag? Hhmmm…?!
Tja, lieber Leser, da überlege ich mir nächtelang, wie ich mein Barometer straffen könnte, und am Ende wird diese Ausgabe eine der längsten und eine der spekulativsten überhaupt. Und obwohl ich selber wirklich ein ganz grosser Fan von Dingen bin, die schlicht und einfach auf das Wesentliche reduziert sind, scheint mir nun auch irgendwie klar geworden zu sein, dass mein Barometer (bis auf einzelne Ausnahmen natürlich) nicht für so was geeignet ist. Es muss ausführlich, schwierig, ja geradezu langfädig und langatmig sein. Es muss sich so anfühlen, wie die Geschichte eines durchschnittlichen Tatorts. Kunst kennt kein Tempo. Und wer es kurz und knackig haben will, dem empfehle ich den „Blick am Abend“ zu lesen!

Erwartungs-Barometer: 0 
Die Note danach: 4,5

Empfehlung: Ich würde unter keinen Umständen sagen, dass diese Folge eine 0 werden wird, aber die Erwartungen liegen (wie erwähnt) bei 0!

0 = ungefähr so viel Erwartung wie von einem Schweizer Fernsehfilm!
6 = ungefähr so viel Erwartung wie von einem Schweizer Geldgeber!

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13. Mai 2012

Tatort: Der Wald steht schwarz und schweiget (Ludwigshafen)



Milde war ich gestimmt letzten Sonntag, ihr habt es gelesen. Weil es der letzte Tatort von Cenk Batu war, war ich gnädig in der Bewertung. Und wurde mein Vertrauen von der ARD gewürdigt? In keiner Art und Weise. Nun, diese Woche ist sowieso alles anders. Denn diese Woche wünschte ich mir von ganzem Herzen, dass es der letzte Tatort aus Ludwigshafen wäre, und dieses Mal gäbe es auch bei der letzten Folge weder mildernde Umstände, noch einen Hauch von Gnade. Das Ludwigshafener Barometer zu schreiben fühlt sich ungefähr so an, wie ein verkacktes Klo zu putzen. Es macht einfach keine Freude. Ich kann mich an nichts, wirklich an absolut nichts erinnern, was ich an diesem Tatort jemals gut gefunden hätte. Ok, dieses Mal gibt es zumindest ein paar Dinge dazu zu schreiben. Die Idee zur Story wäre nämlich für einmal gar nicht so schlecht. Aber ihr könnt sicher sein, dass selbst ein Funken an guter Geschichte vom Regisseuren, vom Produzenten, oder spätestens von den unendlich hölzernen Hobby-Schauspielern wieder total verkackt werden wird. Und womit wir ohne Umweg wieder bei der Fäkalsprache landen. Wie Ayoma so schön sagen würde: „Simon, dieses Barometer ist mir zu anal-banal“. Es tut mir auch wirklich leid, aber was kann ich dafür, wenn die beim SWR jedes Mal von neuem eine solche Scheisse produzieren? Heute also geht es darum, dass fünf junge Straftäter den Leiter ihres Sozialprogrammes umbringen, aus der Anstalt fliehen und danach die Kommissarin Lena Odenthal als Geisel nehmen. Mit ihr streifen sie planlos durch den Wald und unter den angespannten Flüchtlingen brodelt es gewaltig. Wie gesagt, eine vielversprechende Ausgangslage. Aber eben, was bringt eine gute Idee, wenn das restliche Team in der uralten, verstaubten Formation (seit 1989) bestehen bleibt? Richtig: Es bringt einen Scheissdreck! Und irgendwie hat man das nun nach so langer Zeit wohl auch in der Führungsetage des SWR bemerkt. Die Zuschauerzahlen sind zwar nach wie vor gut, aber da das Durchschnittsalter des Zuschauers mittlerweile wohl bei über 92 Jahren liegt, musste eine Task Force her, die den ganzen abgedrehten Schrott irgendwie an die Jungen von heute bringen sollte. Im 22. Meeting dann, wixte ein Azubi die genialste Idee aller Zeiten auf den Tisch. Haltet euch fest:  „Man muss die Facebook & Twitter Generation über das Internet abholen“. Sämtliche TV-Kreativ-Angestellten aus ganz Rheinland-Pfalz gaben Standing Ovation und der 18jährige Kaffeekocher wurde von seinem 150 Euro Praktikum direkt in die Geschäftsleitung der ARD befördert. Der Jüngste aller Zeiten, aber eine solch bahnbrechende Idee, muss nun wirklich gebührend belohnt werden. Eine polnische Edel-Nutte, die ihn auf Lebzeiten zu jeder gewünschten Zeit, an jedem erdenklichen Ort anständig verwöhnt, gab es selbst verständlich oben drauf. Wie man aber diesen Tatort mit dem Netz verknüpfen sollte, wusste eigentlich keiner so genau. Also wird nun der Fall am Ende nicht ganz gelöst sein und so kann der Zuschauer danach im Internet selber noch ein bisschen miträtseln und mitlösen. Da jeder Zuschauer unter 80, bei dem der graue Star noch nicht im Endstadium ist und der somit zumindest noch die Schattierungen der Darsteller erkennen kann, spätestens nach 20 Minuten eingeschlafen wäre, versucht man sie (zumindest die Jüngsten) nun also über die ganze Folge wach zu halten, mit der Aussicht danach noch selber ermitteln zu können. Und was wünscht sich der Jugendliche von heute mehr, als im Internet mit einem fetten Schleimsack und einer endlangweiligen Lesbe ein altbackenes Cluedöchen zu spielen.  Ja, das ist der Traum unserer Facebook Generation und Ludwigshafen  wird mit einem Knall zum Tatort des neuen Jahrtausends. Ich für mich jedoch hoffe, dass man als Mitspieler dermassen schlecht ermitteln kann, dass die Ödenthal für immer in den Weiten der Ludwigshafener Wälder verschollen bleiben wird!

Erwartungs-Barometer: 2,5
Die Note danach: 2,5

Empfehlung: Egal wie internet-trendy-jung-hip man sich gibt, Scheisse wird nie zu Gold. Scheisse wird noch nicht einmal zu Holz oder zu halber Scheisse. Nein, Scheisse bleibt Scheisse!

0 = ungefähr so viel Erwartung wie von irgendeiner Scheisse!
6 = ungefähr so viel Erwartung wie von… ach was weiss ich!

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