27. Januar 2013

Tatort: Melinda (Saarbrücken)


Nach gefühlten 100 Jahren der Langeweile, nach dem Stillstand in Reinkultur, hat man in Saarbrücken im Jahre 2006 bemerkt, dass ein an Demenz erkrankter Rentner-Kommissar namens Palu, auf seinem klapprigen Fahrrad in der Zeit nach Christus einfach nicht mehr der Burner ist und hat mit einem gross angelegten Saarland-Relaunch endlich wieder richtig Stimmung machen wollen. Dummerweise hat den Entscheidungsträgern des hochgeschätzten Saarländischen Rundfunks niemand gesagt, dass es nicht reicht, einfach nur den verwirrten Hauptdarsteller zu ersetzen. Nein, es könnte ev. ähnlich wichtig sein auch die grenzdebilen Drehbuchautoren und die nicht minder debilen Regisseure in Pension zu schicken. Und so wartet nun der Tatort aus Saarbrücken, nur 7 Folgen später, bereits wieder mit einem neuen Team auf. Dieses Mal jedoch riecht es nach der kompletten Rundumerneuerung. Das kann dem Tatort nur gut tun, könnte man meinen. Ich jedoch erahne eine weitere Provinz-Katastrophe. Wenn minder qualifizierte Hinterwald-TV-Macher, Grosses kopieren wollen, wenn sie hippe und witzige Geschichten erfinden wollen, kommt selten bis nie was Gscheites dabei raus.
Klar, das ist pure Spekulation. Aber wie immer, wenn ein komplett neues Team startet, muss ich mich etwas mehr informieren, als bei einem durchschnittlichen Barometer-Wochenende. Und so habe ich mich im Vorfeld intensiver mit dieser Folge auseinander gesetzt, als ich das normalerweise tue. Und man findet durchaus Positives:
„Ein hoch motivierter, empathischer, esoterisch angehauchter Träumer als Ermittler, fehlt bis jetzt im deutschen Krimi-TV“.
Was? Waaaaaas? Meine Tatortalarm-Glocken können gar nicht so laut bimmeln, wie sie eigentlich müssten. Vielleicht sollte man sich erst einmal überlegen, warum ein Kommissar dieser Art noch fehlt, bevor man ihn einfach so gebärt. Nach Münster, Wiesbaden und Dortmund, also eine weitere Stadt, die tragischerweise in Richtung Absurdität und Comedy gehen will. Das ist so schade. Natürlich, halb Deutschland wird am Sonntag um 21.45 Uhr auf den Sofas stehend jubilieren, ich wahrscheinlich nicht. Und ich hoffe aus tiefem Herzen, dass ich meine treuen Barometer-Leser mittlerweile soweit sensibilisieren konnte, dass sie nicht auf einen solchen Bullshit reinfallen werden. Der Hauptdarsteller sagt in einem Interview: „Realismus ist nicht unser Anspruch“. Also was will man da noch sagen? Klar soll ein Tatort kein Dok-Film sein. Klar ist kein Tatort wirklich realistisch. Aber Realismus bedeutet eben auch Glaubwürdigkeit. Und wenn es schon gar nicht das Ziel ist, zumindest eine gewisse Glaubwürdigkeit hinzukriegen, dann kann ich wahrhaftig auch 2 Stunden Tom & Jerry gucken. Der Hauptdarsteller (Devid Striesow) ist eigentlich ein toller Schauspieler, aber diese unwirklichen Klischee-Figuren, die zerstören früher oder später die ganze Tatort-Magie. Und wer den Trailer gesehen hat, der weiss, dass mit der Rolle der Staatsanwältin, mal wieder eine deftigste Portion Fremdschämen in sämtliche Stuben des deutschsprachigen Raumes exportiert werden wird. Brechreiz ist angesagt, und die Schauspielerin hätte eigentlich mit Selbstverbrennung drohen sollen.
Tja, und bis jetzt habe ich erst von der neuen Ausgangslage geredet, und noch nicht einmal von der heutigen Geschichte.
Aber ganz ehrlich, zu dieser mag ich gar nichts schreiben. Da müsst ihr schon selber durch. Ok, vielleicht täusche ich mich ja, es wäre nicht nur den Saarländern, sondern uns allen zu wünschen. Momentan jedoch, mit meinem zugegeben beschränkten Wissensstand, fühle ich die totale Fassungslosigkeit. Wie kann man eine neue Tatort-Reihe dermassen dämlich lancieren?

Erwartungs-Barometer: 3
Die Note danach: 1.5

Saarbrücken sollte bei der nächsten Rundumerneuerung wohl nicht nur den dementen Kommissar und die debilen Filmemacher, sondern endlich auch die dilettantisch schlecht arbeitende Entscheidungsetage ersetzten. Ansonsten ist dieser Tatort auch mit den nächsten 1000 Kommissaren nicht zu retten. Aber das Allerschlimmste daran ist, dass es sicher viele Leute geben wird, die diesen Schrott auch noch gut finden werden!

0 = ungefähr so viel Erwartung wie von einer solch üblen Provinz wie dem Saarland.
6 = ungefähr so viel Erwartung wie von der Zeitumstellung in Des Moines.

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13. Januar 2013

Tatort: Kaltblütig (Ludwigshafen)

Nach Hannover, Frankfurt, München, Köln und ein bisschen Berlin (irgendwann), nach so viel gutem Tatort, nach dieser Dichte an Qualität, habe ich wirklich absolut keine Lust mich mit solchem Dreck zu befassen.
Der Tatort aus Ludwigshafen ist halt der Tatort aus Ludwigshafen. Manchmal ist er etwas besser, und manchmal etwas schlechter, ungenügend jedoch ist er immer! Diese Folge ist vielleicht sogar eine der besten, aber eben, weil immer noch ungenügend, auch nicht wirklich sehenswert. Das Mordopfer war schwanger und somit stellen sich die Kommissare (Hardcore Single Odenthal & Hobby Freigeist Kopper) ein paar Grundsatzfragen zum Leben. Ein TV Magazin fasst das Positive kompakt zusammen:
„Viele Wendungen und ein starkes Motiv: Liebe“
Wer will das sehen? Ich sicher nicht.

Erwartungs-Barometer: 3,5 
Die Note danach: 3,5

Seit fast 24 Jahren ist das erzemanzipierte Hexchen nun schon am Ermitteln und seit 17 Jahren tanzt auch noch der fette Pudel nebenher. Das am längsten im Einsatz stehende Team überhaupt. Während man in vielen anderen Städten zumindest versucht mit der Zeit zu gehen und mit neuen Ermittlerteams zum Teil beachtliche Erfolge feiern kann, hält man hier verzweifelt an einem total veralteten Konzept aus den Anfängen der 90er Jahre fest. Da kann das Motiv noch so stark sein.

0 = ungefähr so viel Erwartung wie von Stanislas W. Gürbetal. 
6 = ungefähr so viel Erwartung wie von Roger F. Canes. 

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6. Januar 2013

Tatort: Machtlos (Berlin)


Nach zwölf intensiven, aber erfreulich spannenden Tagen endet das Tatort-Spektakel zum Jahreswechsel nun also mit der vierten und letzten Folge. Und was würde besser zu diesem Barometer passen, als ein Grande Finale zu Berlin? Wir haben drei richtig feine Tatorte gesehen, und es ist zu hoffen, dass uns Berlin die gute Laune zu Beginn des neuen Jahres nicht gleich wieder vermiesen wird. Oft schon habe ich die Ambivalenz dieser Stadt, des Tatortes dieser Stadt und der Haltung des Autors zum Tatort dieser Stadt angesprochen. „In keiner Stadt klafft Anspruch und Realität (u.a. des Tatortes) dermassen weit auseinander wie in Berlin“ hab ich kürzlich geschrieben. Ich muss etwas präzisieren. Vielleicht nicht der Anspruch, aber mit Sicherheit mein Anspruch! Tja, an eine der spannendsten Städte der Welt hege ich tatsächlich den Anspruch, dass es dort Filmschaffende geben müsste, die einen Tatort leicht über dem biederen Durchschnittsniveau erschaffen könnten. Aber mal für mal wurden wir - wurde ich - bitter enttäuscht. Und auch wenn es Lichtblicke gab, wenn die Hauptdarsteller wirklich gut sind, so wurden die Erwartungen - wurden meine Erwartungen - nie auch nur annähernd erfüllt. Klar, die logische Konsequenz eines logischen Barometers wäre folglich, dass mit all den schlechten Drehbüchern, mit all den langweiligen Geschichten auch die Erwartungen sinken würden. Und das wäre ja auch so in jeder anderen Stadt. Aber so funktioniert Berlin nicht, so funktioniert dieses Barometer nicht. Berlin muss man nehmen, wie es ist. Keiner hat dir versprochen, dass der Tatort da gut sein wird. Keiner hat dir versprochen, dass das Leben da gut sein wird, oder dass die Geschichten da gut sein werden. Sie können, aber sie müssen nicht. Und so gibt es weder für den Berliner, noch für den Barometer-Autor einen Grund nachtragend, oder gar unzufrieden mit dieser Situation zu sein. Egal wie schlecht ein Tatort, egal, wie missglückt eine Berliner Geschichte auch war, er vergisst und verzeiht am nächsten Tag. Denn jeder Morgen ist in dieser Stadt ein Neuanfang. An jedem Morgen könnte irgendwo in einem Kreuzköllner Stübchen bei 2-Euro-Wodka und Dart die Bombe explodieren. Jederzeit könnte irgendwo jemand sitzen, der aus einer Lebenserfahrung, aus einer Kurzgeschichte, oder einfach nur aus einer kongenialen Idee den Jahrhundert-Tatort schreiben könnte. Nun, ein weiteres Mal hat das nicht ganz geklappt, obwohl die Geschichte eigentlich Potential hätte. Es geht um eine Entführung und einen Täter, der nach der Geldübergabe auf dem Alexanderplatz das Lösegeld an Penner und Musikanten verteilt. Da pocht mein Herz und versucht mir zu sagen, dass das wirklich spannend werden könnte. Mein Kopf aber, der weiss, dass sie kommen werden, die nicht funktionierenden Momente. Dass die Langweile wieder durch Berlin Mitte schleichen wird, und dass wir auch diese möchte-gern-weltverbessernde und belehrende Art, die der Berliner Tatort oft mit sich bringt, erneut zu hören kriegen werden. Aber eben, am nächsten Morgen schon ist das egal. Am nächsten Morgen beginnt ein neues Leben in Berlin. Ja, am nächsten Tag kann alles passieren. Irgendwann, wenn es niemand mehr erwartet, knallt es und der Berliner Tatort wird euch dermassen durch die Bude blasen, dass ihr nicht mehr wissen werdet, wo oben und unten ist (oder sein wird). Kiel, München oder Frankfurt sind nahe dran, an dem von mir in letzter Zeit so oft beschriebenen perfekten Tatort, aber Berlin wird grösser. Berlin wird gigantisch. Nicht perfekt, aber gigantisch. Nun gut, das alles ist natürlich erst ein Projekt. Das steckt noch in den Köpfen von ein paar viel beschäftigten Autoren, die sich im Görlie oder am Kanal beim Rumliegen inspirieren lassen. Da muss man sich jetzt erst noch ein paar Mal zu Soja-Latte, zu einer Kuschel-Flatrate oder zum Ping Pong Spielen treffen und danach mal schauen, wie man das angehen könnte. Es sind halt so Ideen, und man kennt da so paar Leute und so. Aber in diesem Jahr, wird das sicher knapp, weil sonst so viel um die Ohren und so. Aber das monumentale Werk wird kommen, da ist man sich einig. Natürlich nicht heute oder morgen, viel zu stressig, aber es kommt. Irgendwann. 

Erwartungs-Barometer: 4,5 (*)
Die Note danach: 4 
(...und selbst die nur mit zwei zugedrückten Augen!)

In der letzten Zeit ist in Berlin zwar eine leicht positive Entwicklung zu beobachten, aber einmal mehr wird der Tatort alles andere als durch die Decke gehen. Ich freue mich trotzdem und drücke mal wieder beide Augen zu*. Es hat mir ja keiner versprochen, dass das ein guter Tatort werden wird. Es ist vielleicht einfach das, wozu Berlin im Moment fähig ist. (Weil halt alles bisschen viel und alle bisschen überarbeitet und so...) 
 
0 = ungefähr so viel Erwartung wie von der Cuvry 2012.
6 = ungefähr so viel Erwartung wie von der Cuvry 2006. 

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1. Januar 2013

Tatort: Scheinwelten (Köln)

Happy New Year… Und wieder war es nur ein Traum! Natürlich, München hatte brillante Momente und zeigte uns immer mal wieder, wie ein wirklich guter Tatort sein könnte. Aber er hatte doch auch wieder zu viele Aussetzer. Das nicht lustige Lustige hat dem Tatort gar nicht gut getan, und aus meiner Sicht war der, von Kritik und Publikum hoch gelobte Profiler nicht wirklich auf der Höhe. Wie befürchtet, fand ich diesen Strang eher unglaubwürdig und auch nicht sonderlich gut gespielt. Er riss einen aus einer sonst grossartigen Geschichte. Schade. Unter dem Strich kann man das Jahr 2012 (mit den letzten zwei Folgen als typische Beispiele) also so zusammenfassen: Frankfurt und München gehören aufs Podest, aber Kiel ist und bleibt momentan die Nummer Eins. Wenn ich Borowski jeweils nicht die obligate halbe Note abziehen müsste, für die teils peinlichst schlecht aufspielende Sibel Kekilli, hätte er immer mal wieder eine 6 gekriegt. So aber müssen wir akzeptieren, dass seit der Geburt des Barometers nach wie vor kein einziger Tatort gesendet wurde, der von A-Z funktionierte. Wir müssen weiter auf die perfekte Episode warten. Möglich wäre es und oft fehlt nicht sehr viel, das hat München eben wieder gezeigt.
Aber lassen wir das alte Jahr nun ruhen, und freuen uns aufs 2013. Es startet mit Köln. Köln wird nicht ganz auf Münchener Niveau mithalten können, und trotzdem bin ich positiver Dinge. Nach Jahren der Langeweile und nach Jahren im Zeichen des Laiendarstellers Klaus J. Berendt, konnte man in den letzten paar Kölner Folgen doch einen feinen Aufwärtstrend erkennen. Bei Scheinwelten scheint es in diesem Stile weiter zu gehen. Es geht um Scheinwelten aller Art. Der Schein mit falschen Papieren, Scheinehen, Ehepaare, bei denen vieles nur noch Schein ist, es geht um Geldschein und Geldscheine und um mehr Schein als Sein. Zudem rückt der sonst eher im Hinterhalt fungierende Staatsanwalt Wolfgang von Prinz in dieser Folge ziemlich ins Zentrum der Geschichte, da seine Frau eine Art Affäre mit dem Vater des Ermordeten hat. (Satz verstanden?) Nicht, dass ich die Figur des Staatsanwaltes sonderlich gut finde, aber jede Minute, in der er und somit nicht der Kommissar Ballauf zu sehen sein wird, ist für uns eine positive Minute. Und zu guter Letzt, sollte man auch die Optik eines Filmes nicht vergessen. Köln setzt immer ziemlich viel Wert auf einen guten Look. Wir stecken ja immer noch inmitten der Tatort-Feiertage. Vier Folgen in knapp zwei Wochen. Ohne dass ich die Folge aus Köln allzu schlecht machen möchte, aber sie ist in diesem Quartett wohl am unteren Ende anzusiedeln. Nicht weil sie so schlecht ist, sondern weil die Konkurrenz einfach etwas besser ist. 

Erwartungs-Barometer: 4,5
Die Note danach: 4,5  

Gemessen an Frankfurt und München, wird es schwierig für Köln. Gemessen am Tatort-Durchschnitt, werden wir jedoch einen guten Beitrag sehen. Ein unspektakulärer, aber sehenswerter Fall zum Start ins neue Jahr, auf dem sich weiter aufbauen lässt. Der Aufwärtstrend in Köln scheint scheinbar weiter anzuhalten. 

0 = ungefähr so viel Erwartung wie von den USA zu diesem Silvester.
6 = ungefähr so viel Erwartung wie von den USA zum nächsten September. 

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30. Dezember 2012

Tatort: Der tiefe Schlaf (München)

Frankfurt war gut - München wird besser!
Kürzlich erst habe ich im Barometer von den traumhaften Bedingungen erzählt, unter denen in München Filme gemacht werden können. Ich habe den höchst professionellen Apparat des Münchener Tatorts ausführlich erklärt. (Ein neues Leben, 28.Oktober 2012). Dass ausgerechnet diese Folge damals kläglich scheiterte (die angeblich wahre Geschichte war wirklich sehr dürftig umgesetzt), war zwar eine krasse Fehleinschätzung meinerseits, ändert jedoch nichts an den Tatsachen der Gesamtsituation. Nach wie vor bin ich der Meinung, dass hinter dem Tatort aus Bayern, das mit Abstand kompetenteste Filmteam überhaupt steckt.
Ich gebe zu, wenn München in der letzten Zeit eine Schwäche hatte, dann war diese leider immer das Drehbuch.
Also versteht mich nicht falsch, das nennt sich "Jammern auf allerhöchstem Niveau". Aber da München halt in sämtlichen Bereichen in der obersten Liga spielt, hauen einen kleine Fehler im Script sofort aus der Geschichte raus. Tatorte aus andern Städten, die grundsätzlich schlecht gemacht sind, haben dieses Problem natürlich weniger. So ist das harte Los der Qualität. Ein jeder Tatort wird vom Barometer nun mal an seinem eigenen Niveau gemessen. Es geht ja um die Erwartung, und die steigt logischerweise, bei einer hohen Qualität. Aber da das Drehbuch nicht ganz unwichtig ist für eine gelungene Folge, schaffte es München tatsächlich in den letzten Jahren nicht mehr ganz nach oben. Sie waren gut, aber für die Spitze fehlte immer das gewisse Etwas bzw. eben das wirklich gute Drehbuch.
Mit dieser Folge jedoch, könnte sich das nun schlagartig ändern. Die tragische Geschichte um ein getötetes Mädchen klingt enorm spannend. Das Einzige was die Ermittler als Hinweis haben, ist ein Räuspern des Killers, aus dem letzten Anruf der Ermordeten. Die Schauspieler werden gross aufspielen, zu Kamera, Filmsprache und Machart muss ich bei den Bavariastudios sowieso nichts mehr sagen. Aber achtet euch für einmal auch auf den Ton. Wie in dieser Folge der Ton eingesetzt wird. Auch in diesem Bereich ist der Bayrische Rundfunk den andern Sendern weit überlegen. In München hängt also einmal mehr alles nur davon ab, ob das Drehbuch durchgehend funktionieren wird, oder ob sie sich erneut mit unerklärlichen Hängern die Spitzenposition versemmeln werden.
Ich sehe da eine Sache, die mich leicht nervös werden lässt. Dem Ermittler-Duo wird ein Profiler aus Norddeutschland zur Seite gestellt. Und weil seine sehr spezielle Art die Kommissare ziemlich nervt, wollen sie ihn möglichst schnell wieder loswerden. Das ist genau so ein Strang, der unter Umständen wieder alles versauen könnte. Mit der Betonung auf „könnte“! Die Richtung klingt ein bisschen nach dem Psycho Kommissar aus Dortmund (bzw. nach Dr.House oder Monk). Aber trotzdem habe ich irgendwie ein spezielles Gefühl. Ein gutes Gefühl. Eines, welches ich ganz selten habe. Irgendwie sind wir mit dieser Folge ganz nahe an einem Volltreffer dran. Und da der linkische Profiler von Fabian Hinrichs (ein hervorragender Schauspieler) gespielt wird, könnte es dieses Mal tatsächlich funktionieren. Vielleicht findet genau er die richtige Mischung, um diese schräge Figur glaubwürdig zu spielen und die heiklen Passagen, in denen das Drehbuch kippen könnte, zu retten. Vielleicht also, werden wir endlich mal wieder einen Tatort sehen, bei dem einfach alles aufgeht. Stellt euch mal Folgendes vor:
Wir könnten 2012 mit dem besten Tatort des Jahres beenden!
"Einfach nur ein Traum im tiefen Tatort-Schlaf?" oder 
"Welch Traum, nach diesem tiefen Tatort-Schlaf!"
 
Erwartungs-Barometer: 5,5
Die Note danach: 5 
(Eine 6 wäre drin gelegen. Siehe Barometer 01.01.2013) 

Ich wurde vor kurzem gefragt, warum ich eigentlich den Tatort noch schaue, wenn ich ihn doch so oft schlecht bewerte und wenn ich doch mindestens 90 % davon scheisse finde:
Schaut diese Folge, dann wisst ihr warum!

0 = ungefähr so viel Erwartung wie vom alten Jahr.
6 = ungefähr so viel Erwartung wie vom neuen Jahr.
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26. Dezember 2012

Tatort: Im Namen des Vaters (Frankfurt)



Während die meisten Leute in aller Ruhe ihre Festtage geniessen, herrscht für das Barometer absoluter Hochbetrieb! Nicht weniger als vier Erstausstrahlungen gilt es in den nächsten zwölf Tagen zu studieren und zu bewerten. Mein erstes Gefühl sagt mir, dass das vier sehr grosse Folgen werden könnten. Vielleicht also war die Tatort-Flaute der letzten Monate einfach nur Konzept der ARD, damit das zu zündende Feuerwerk zum Jahreswechsel nur noch grösser explodieren kann.
Vier sehenswerte Tatorte über die Feiertage! Halleluja!
Geniesst das, wer weiss, wie lange uns das Erste danach wieder mit irgendwelchem Sondermüll abspeisen werden wird.
Und auch wenn die Kadenz für den Zuschauer etwas stressig werden könnte, lohnt es sich sicher alle vier zu sehen. Das Barometer wird euch selbstverständlich für jede einzelne Folge einen Grund liefern, warum ihr unbedingt einschalten solltet. Unser Feiertags-Spektakel beginnt mit Frankfurt und es beginnt äusserst tragisch. Am Neujahrsmorgen liegt eine Leiche auf der Strasse. Alle aus dem Viertel haben die Frau gekannt, und alle erzählen ihre eigene Version, wann sie sie zum letzten Mal gesehen haben. Ein geniales Konzept für eine traurige Geschichte über Alkoholiker, verlorene Seelen und Leute von der Strasse. Sehr schwierig, so was glaubwürdig zu inszenieren, aber wenn ich an die letzten Folgen aus Frankfurt denke, glaube ich, dass sie das schaffen werden. Eine solch leise Inszenierung tut dem Tatort aus Frankfurt sehr gut, und die zwei Hauptkommissare können ihr grosses Talent perfekt unter Beweis stellen.
Wie ihr kürzlich aus dem Barometer erfahren konntet, hat die Hauptdarstellerin nach nur fünf Folgen gekündigt (ihre letzte ist bereits abgedreht und folgt im Frühling 2013). Meine Theorie habe ich ja ausführlich erläutert. Irgendwelche Dilettanten, die zwar keine Ahnung vom Filmemachen haben, jedoch entscheiden können, wie man Filme macht, haben einfach nicht kapiert, dass Joachim Król und Nina Kunzendorf so unterschiedliche Charaktere haben, dass das alleine längstens reichen würde, um ein großartiges Ermittlerduo zu kreieren. So hat man aber die Figur Conny Mey in ihren Cowboy-Klamotten rum stolzieren lassen, wie eine billige Nutte aus dem Frankfurter Bahnhofsviertel. Nur, sie ist einfach eine zu gute Schauspielerin, um sich wegen paar Laien in der Chefetage dermassen lächerlich zu machen. Denn für einen Grossteil der Zuschauer sieht es unter dem Strich so aus, als ob sie völlig übertrieben spielen würde, auch wenn sie überhaupt nichts dafür kann. Wenn, dann müsste man den Regisseur oder eben den Verantwortlichen für diese absurd überzeichnete Figur im Fummel auf die Strasse schicken, aber sicher nicht sie. Klar, ihre Rolle war von Anfang an so angelegt, aber es wäre überhaupt nicht nötig gewesen. Im Gegenteil. Diese Figur, ist der grosse Schwachpunkt der neuen Frankfurt-Tatorte. Und selbst für den Ritterschlag eines jeden Deutschen Filmschauspielers (eine Hauptrolle im Tatort), konnte sie diese Schmach nicht mehr länger ertragen und kündigte, wie erwähnt, ihren Job bereits wieder. Offiziell ist sie übrigens ausgestiegen weil sie vom Erfolg ihrer Figur überrumpelt wurde... ??!!?? Genau. Erfolg, ist wirklich das Letzte, was ein Schauspieler will. Also Erfolg. Nein, sicher nicht. Doch nicht die Schauspieler. Also ich kenne keinen Einzigen, der gerne Erfolg haben würde.
Schade nur, dass es nun so aussieht, als ob in dieser Folge diese Comicfigur doch leicht entschärft wurde. Es könnte also in die richtige Richtung gehen. Vielleicht haben die nun doch endlich einen Regisseur engagiert, der sich vorher auch schon mal einen Film angesehen hat. Oder die Drehbuchautoren haben sich einfach mal die Zeit genommen, ein bisschen in diesem Barometer zu stöbern und somit raus gefunden, dass die Eigenart der Beiden längstens reichen würde, um ein spannendes und gegensätzliches Duo zu erschaffen, ganz ohne lächerliche Tussi-Klamotten. Tja, ich habe es immer schon gesagt, aber leider ist es nun zu spät. Geniessen wir also die letzten zwei Folgen, in denen sie noch mitspielt und hoffen, dass es danach vielleicht noch besser werden wird. Król jedenfalls bleibt uns erhalten, und das ist schon mal sehr gut!

Erwartungs-Barometer: 5
Die Note danach: 5

Frankfurt setzt zum Auftakt die Latte ziemlich hoch. Mal sehen, ob die andern drei Folgen da noch mithalten können! Mögen die Tatort-Festspiele beginnen!

0 = ungefähr so viel Erwartung wie von Bern zum heiligen Abend.
6 = ungefähr so viel Erwartung wie von Johnny Trouble zum heiligen Abend.

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