17. September 2017

Tatort: Zwei Leben (Luzern)



Es ist unlängst bekannt, dass das Barometer bei all dem Luzern-Bashing unseres nördlichen Nachbarn immer ein wenig patriotisch wurde, und somit dem Luzerner Tatörtchen auch immer ein wenig milder gestimmt war, als vielleicht andern Folgen.
Dass jetzt aber ausgerechnet dieses Luzern meinen Optimums-Höhenflug bereits mit Folge 3 abrupt zerstören könnte, tut meine Seele doch beachtlich schmerzen.
Luzern hat sich gebessert, Luzern hat versucht relevante und passende Themen anzugehen. Sie überzeugten mit der Fasnacht, sie wagten sich an die Sterbehilfe, und sie landeten einen Kracher mit dem Scharfschützen.
Okay, sie konnten nie darüber hinwegtäuschen, dass die Dialoge teilweise desaströs waren, und dass halt die Kommissare mitunter zu den schlechtesten im Tatort-Bunde gehören. Aber trotzdem und trotz einem helvetisch zugedrückten Barometerauge, waren die Geschichten teilweise überraschend stark.
Und nun, mitten in meiner euphorischsten Krimi-Phase seit langem, scheint der Tatort aus Luzern auch mit dem Drehbuch wieder ins Mittelalter zurück zu fallen. Positive Punkte aus dem noch nicht gesehenen Film raus zu erraten, ist selbst für den mildest gestimmten Optimist-Patrioten schier unmöglich. Es gibt sie sicher, aber ich weiss schlicht noch nicht, wo sie versteckt sein werden.
In der heutigen Folge geht es um einen Bahnsuizid. Eigentlich wagt sich das SRF mit dieser Geschichte wieder viel, es ist mutig, ein solch sensibles Thema anzugehen. Aber da es am Ende halt doch zu heikel sein könnte, wurde aus dem Zug ein Bus, und vielleicht war es ja doch kein Selbstmord, es ist ja ein Krimi. Und irgendwie rätseln die Kommissare, ob die Leiche ein längst Totgeglaubter war (ähhh Zwei Leben? Hallo?). Alles arg konstruiert und angeblich voller Zufälle. Schade, schade.
Aber da ich nach erst drei Folgen weder das Karma verärgern, noch meine neu gewonnene Tatort-Freude verspielen möchte, ziehe ich hier nun meinen Optimismus-Joker.
Ich habe vergessen, das vorgängig zu erwähnen. Einen solchen hab ich natürlich zur Verfügung.
Hab zwar gehofft, ihn nicht schon bei der 200 Euro-Frage zücken zu müssen, aber es geht schlicht nicht anders. Lieber jetzt, als alles zu verspielen, bevor ich es überhaupt gewonnen habe.

Erwartungs-Barometer: Joker

Tja, was soll ich also als Zusammenfassung gross erwähnen? Miese Dialoge, langweilige Kommissare und ein Drehbuch, das mich den Joker ziehen lässt. Aber ich bleibe optimistisch und lasse mich sehr gerne positiv überraschen!

1 = Innovation wollen
6 = Innovation machen

Die Note danach: Joker
Stark angefangen und bis zum "alles, wirklich alles zusammenführenden Ende" ins Bodenlose gefallen. Eine gute Idee heisst leider noch lange nicht, dass man auch ein gutes Drehbuch schreiben kann. Geschweige denn gute Dialoge. Aber eben. Ein paar positive Punkte lassen sich überall finden, auch hier. Eindrücklicher Einstieg und die gut aufspielende Psychiaterin z.B.!


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9. September 2017

Tatort: Stau (Stuttgart)


Losgelöst von all den schlechten Tatort-Gedanken also, frage ich mich, ob das nun bereits das Karma ist, welches uns ein Thema mit solch Potential beschert?
Eine Ausganglange so simpel wie genial:
„Nachdem in einem Wohnviertel ein Mädchen totgefahren wurde, vermuten die Kommissare, dass der Täter im Stau stecken geblieben ist.“
Viele Szenen im Auto sind zu vermuten. Eine Welt, die wir alle bestens kennen, und doch ist sie an Spannung kaum zu überbieten. Beklemmende Ermittlungen auf engstem Raum. Kommt hinzu, dass die meisten Menschen im Auto ein bisschen anders ticken als sonst. Die Liste an Verdächtigen ist immens. Mir schwebt eine Art Theaterstück im Verkehrskollaps vor. Zweifelsohne extrem schwierig, was Gscheites draus zu machen, aber als Grundidee phänomenal.
Optimistisch, wie ich nun mal bin, sehe ich also den Mut, so etwas zu wagen, und nicht die Chancen, daran zu scheitern.
Kommt hinzu, dass der Tatort aus Stuttgart ja sowieso eine beachtliche Wandlung durchgemacht hat. Fast unbemerkt haben die sich vom biederen Mittelmaß ins attraktive Spitzenfeld geschlichen. Die beiden Kommissare fand ich immer schon top, aber in der letzten Zeit hat man beim SWR auch in Sachen Drehbuch eine Schippe draufgelegt. Der Tatort Stuttgart wagt sich was. Der Tatort Stuttgart versucht nahe am Leben zu sein. Und der Tatort aus Stuttgart versucht auch immer wieder nahe an der eigentlichen Stadt Stuttgart zu sein.  Und so erstaunt es kaum, dass die Idee mit dem Stau ausgerechnet aus Stuttgart kommt. Stau gibt es zwar überall, aber Stuttgart ist eine Autostadt, und Stuttgart mit seiner ausgedehnten Zersiedelung hat aufgrund der beschränkten Platzverhältnisse in dieser hügeligen Umgebung massivste Verkehrsprobleme. Ein Tatort im Stau passt also perfekt in diese Stadt und lässt mein Barometerherzl höher schlagen.

Erwartungs-Barometer: 5 (mit ganz vorsichtiger Euphorie auf mehr..)

Ganz egal ob nun das Karma oder die ARD für diesen Tatort verantwortlich ist, die Ausgangslage strotzt nur so vor potenter Energie, und wenn die Umsetzung genau so brillant ist, wie ich mir das vorstelle, könnte diese Folge seit langem mal wieder die Barometer-Fünf sprengen!
Auf der anderen Seite wäre das vielleicht etwas zu positiv gedacht. Ich will ja nicht bei Optimismus-Folge Nr. 2 schon gierig werden. Nicht gut fürs Karma.

1 = Stuttgart 21
6 = Der Kluge reist im Zuge (...also, zumindest meistens)

Die Note danach: 4.75
Ich will nicht sagen, dass dieser Tatort scheiterte, aber ein bisschen mehr hab ich erwartet. Doch während die Probleme normalerweise schon beim Drehbuch liegen, sah das hier etwas anders aus. Die Idee gefällt mir nach wie vor, die Figuren jedoch waren erschreckend schlecht besetzt. Die Verdächtigen, der Mob, die Polizisten, wirklich teilweise auf Laien-Niveau. Ob das nun an den Schauspielern oder viel eher an der Umsetzung der miserablen Regie gelegen hat, kann ich nicht so genau sagen.
Aber Dank den grossartigen Kommissaren, der genialen Grundgeschichte und der feinen Auflösung bleibt mein Optimismus ungebrochen.


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27. August 2017

Tatort: Virus (Wien)


„Im neuen Tatort gibt es eine mit dem Ebola-Virus infizierte Leiche, abgeriegelte Ortschaften und einen fatalen Plan. Mitten in diesem Katastrophen-Einsatz müssen Harald Krassnitzer und Adele Neuhauser ermitteln – und schweben dabei selbst in Lebensgefahr. Ein solider Fernsehkrimi mit einem moralischen wie politischen Thema und einer straffen Inszenierung der „Tatort“-Debütantin Barbara Eder.“
TV-Kritik

Ihr alle kennt das Barometer nun schon eine ganze Weile. Wir haben viel gemeinsam durchgemacht. Und ihr alle wisst ganz genau, wie das Barometer auf einen solchen Pressetext zum Start der neuen Saison reagieren würde.

Unfassbar, diese Pfeifen. Jetzt verkacken sie sogar Österreich. Themen werden immer dämlicher. Unglaubwürdig. Schwachsinnig. Öffentlich-rechtliche sollten Gott danken, dass sie überhaupt noch eine solche Erfolgsgeschichte im Programm haben. Sollten jede verfluchte Sekunde ihres Lebens damit verbringen, das absolut Perfekteste aus dem Tatort rauszuholen, damit die Fans auch wirklich das Bestmögliche zu sehen kriegen. Zum Start ein 100 Tonnen Fass aufmachen, ab der ersten Minute voll da sein. Hype am Leben erhalten, um jede Zuschauerin und um jeden Zuschauer kämpfen wie Sau. Aber sicher nicht ein „solider Fernsehkrimi, straff inszeniert“. Das klingt nach „Bullshit-Krimi, miserabel inszeniert“. Moralisch und politisch my ass. Die moralischen sind die schlimmsten Folgen! Nur weil die Zuschauer treu sind, braucht man sie nicht zu verarschen. Was hab ich dazu neulich in eine Klo-Türe geritzt gelesen?
„Es gibt bei der ARD eine eigene Abteilung, die immer raffiniertere Modelle entwickelt, damit der Zuschauer die Reibungshitze, die entsteht, wenn er von den Tatort-Verantwortlichen über den Tisch gezogen wird, als Nestwärme empfindet.“
So sieht es aus. Faules Beamten-Pack. Scheiss Programmplanung.
Kaum ist der Sommer vorbei vermasseln die wieder alles. Ideenlos. Träge. Tragisch. Langweilig... Bla bla bla...
So ungefähr hätte sich das angehört. Halt das typische Barometer. Frustriertes Geschwurbel, analog zu den frustrierenden Drehbüchern. Ihr kennt es ja.  

Vor kurzem jedoch, der Polterabend eines sehr guten Freundes war eben zu Ende, trafen wir frühmorgens, in einem hippen Kellergeschoss, auf des gepolterten Freundes zukünftige Ehefrau, auch eine sehr geschätzte Leserin des Barometers. Und während die ganze Meute vor lauter Euphorie und wummernden Bässen schier explodierte, fragte sie mich, in einer an diesem Morgen kaum mehr zu erwartenden Klarheit, warum das Barometer eigentlich immer so unglaublich pessimistisch sei.
Etwas durcheinander von der Tiefe, die sie mit einem Satz in diesem brechend vollen Club erreichte, wollte ich erklären, dass das nicht Pessimismus, sondern der pure Realismus sei, aber ich liess es bleiben. Zu laut war der Elektoschrott, zu ehrlich ihre Frage. Zu viel Glück des zukünftigen Ehepaars und zu viel Freude der ganzen Sippschaft lag in der Luft, als dass meine Sätze einen Sinn ergeben hätten. Ich wusste selber nicht, ob es Ausflüchte oder wirklich meine Meinung gewesen wäre.
Als ich es etwas später die Treppe hoch schaffte, klatschte draussen der Regen literweise auf die aufgehitzte Strasse. Es duftete so frisch wie lange nicht mehr. Ich befand mich noch kaum auf dem Heimweg, schon war ich komplett durchnässt. Mit jedem Schritt klebten die Kleider mehr auf meiner Haut und mit jedem feuchten Atemzug kreisten die Gedanken mehr um dieses Thema. Fast als wäre ich auf einer Art Pilgerweg in Richtung Barometer-Zukunft gewesen. Auch wenn die baldige Braut eigentlich von Pessimismus geredet hat und nicht von Realismus, so hat sie doch irgendwie eine erfrischende Wahrheit ausgesprochen.
Wenn der Pessimismus des Barometers wirklich auf Realismus basiert, könnte ich die Sache ja einfach auch mal unrealistisch angehen. Warum muss immer alles so realistisch sein? Ich schulde ja eigentlich niemandem die Wahrheit. Und sie lässt sich auch locker anpassen. Ein bisschen verdrehen. Im Voraus sowieso. Ich könnte also vom Pessimismus über den Realismus zum Surrealismus, oder gar zum Idealismus und somit eben zum Optimismus finden. Es muss also nicht alles so realistisch sein. Schon gar nicht meine Einschätzung. Vielleicht würde ein positiveres Angehen an den Tatort auch ein positiveres Gefühl nach dem Tatort auslösen. Vielleicht würde das Karma ein optimistisches Barometer mit besseren Folgen belohnen.
Geläutert also vom Moment, vom Regen und von dieser Frage, habe ich mir auf diesem Weg nach Hause zum Ziel gesetzt, dass ich nun versuchen werde immer zuerst das Positive an einem Tatort hervorzuheben. Zumindest im Rahmen der Möglichkeiten. Natürlich wird es noch immer schlechte Folgen geben. Aber das Ziel ist es, ganz optimistisch auf die positiven Aspekte zu fokussieren.

Und dafür ist Wien natürlich absolut perfekt. Ich muss die Story nämlich nicht einmal erwähnen. Wien würde sogar aus so was Absurdem wie einem Mordfall während einer Ebola-Epidemie in der Steiermark was Fantastisches machen! Denn Wien ist Bibi und Moritz und Bibi und Moritz sind die Besten.
Die Schauspieler, die Dialoge, der Schmäh, die feinen Kleinigkeiten... absolut grandios. Die eigentliche Geschichte beim österreichischen Tatort interessiert mich schon lange nicht mehr.
So also muss man nach einer Sommerpause einsteigen. Das nenn ich eine Top-Programmplanung. Es leben die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten. Da gibt es noch Platz für gutes Fernsehen. Da schaut man noch zu den treuen Fans. Da arbeiten noch die Besten des Landes!

Erwartungs-Barometer: 5 (Story komplett ausgeblendet)

Das Barometer also steigt soft und positiv in die neue Saison. Optimistisch, mit Sicht auf die guten Dinge im Leben.
Der Tatort selber unterstützt mich in meinem Unterfangen so gut er nur kann (ist das schon das Karma?) und schenkt uns nach der langen Pause ein bisschen Fernseh-Freude mit Bibi und Moritz. Auf eine gute Tatort-Saison und eine grossartige Hochzeit! Alles Gute und alles Liebe!

1 = Der ewige Pessimist
6 = Der optimistische Realist

Die Note danach: 5
Wie vermutet: Geschichte hanebüchen, aber drauf gschissen? 
Ich liebe die Wiener so sehr und belohne somit meinen Optimismus irgendwie gleich selber.


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17. Juni 2017

Tatort: Borowski und das Fest des Nordens (Kiel)


Irgendwie traurige Tage, irgendwie ein äusserst deprimierender Tatort, der uns erwartet. Paradoxerweise könnte ausgerechnet diese trist brutale Folge für uns Zuschauer in einem Freudenschrei enden. Die Depression klang lange nicht mehr so vielversprechend.
Die Geschichte beginnt mit einem Komplett-Absturz des Herrn Borowskis. Er ertränkt seinen Kummer im Alkohol.
Um jedoch den Grund seines Tuns zu verstehen, muss ich etwas weiter ausholen. Diese „aktuelle“ Folge wurde bereits 2015 gedreht, gleich anschliessend an „Borowski und die Rückkehr des stillen Gastes“, also an Teil 2 vom verrückten Pösteler, der durch Wände gehen konnte. Damals wurde am Ende der frisch verliebte Borowski von seiner Freundin verlassen, weil die mit seinem Job und mit solch krassen Fällen nicht umgehen konnte. Sein jetziges Besäufnis ist also eigentlich auf Liebeskummer aus dem Jahre 2015 zurückzuführen.
Warum diese Folge erst jetzt ausgestrahlt wird, erschliesst sich mir nicht so ganz. Es ist zu lesen, dass sie möglichst zeitnah mit der Kieler Woche* ausgestrahlt werden sollte. Aber da dieses Fest alljährlich stattfindet, hätte man den Tatort ja auch vor einem Jahr schon senden können.
Kann uns aber eigentlich völlig egal sein, denn was fürs Erste etwas absurd klingt, könnte sich als Glücksfall entpuppen. Da dieser Tatort bereits vor zwei Jahren gedreht wurde, stammt er nämlich aus einer Zeit, in welcher die Kieler Tatorte zur absoluten Spitze gehörten. Dieser Tatort entstand quasi am Ende der Kieler Erfolgswelle. Ob er aber noch auf dem Zenit entstand, oder bereits auf dem Weg nach unten, wie die anschliessenden Folgen, die wir in den letzten zwei Jahren sehen konnten, können wir erst wissen, wenn wir ihn gesehen haben. Fakt ist, dass die letzten Folgen mit Borowski nie mehr an die Qualität von damals herankamen und Fakt ist auch, dass nun dieser Tatort äusserst deftig daherkommen wird. Kiel geht wieder einmal an die Grenzen. Bzw. ging damals immer mal wieder an die Grenzen.

-Ein Borowski am Ende. Grosser Kummer. Tragische Arbeit.
-Ein Täter am Ende. Tickt völlig aus. Gewalt pur.
-Eine Kekilli am Ende. Ihr letzter Tatort Auftritt. (Obwohl sie das bei den Dreharbeiten 2015 noch nicht wusste).
-Ein Drehbuch am Ende. Das Script basiert auf einer Idee von Henning Mankell. Dem Krimigott aus Schweden, der bereits früher an zwei Borowski Masterstücken mitgeschrieben hat, jedoch mittlerweile leider verstorben ist. Aussgerechnet im Jahre 2015.
-Ein Film am Ende. Herkömmliches Tatortmachen könnt ihr vergessen. Sehr viel Handkamera, keine Beleuchtung, Dogma 95 lässt grüssen.
-Eine Stadt am Ende. Kiel wie man es kaum kennt. Zwischen Volksfest und Armenviertel.
-Eine Serie am Ende. Mit diesem Kunststück entlässt uns die ARD in die Sommerpause.

Erwartungs Hoffnungs-Barometer: 5.5

Wie immer wenn beim Tatort etwas riskiert wird, besteht eine relativ hohe Wahrscheinlichkeit, dass es komplett in die Hosen geht. Bin mir sicher, dass viele Zuschauer/innen mit dieser Folge überhaupt nichts anfangen können. Aber wie immer, wenn beim Tatort etwas riskiert wird, schäumt das Barometer vor Hoffnung auf ein Meisterwerk und verneigt sich mit grossem Respekt vor den Filmemacher/innen, die sich splitterfasernackt ausziehen und über die im Sommer so selten gefrorene Kieler Bucht tänzeln. Es wird eine deftige Geschichte. Ein trauriger Film, aber vielleicht ein richtig guter Tatort.

1 = Keil im Jahre 2017
6 = Keil im Jahre 2007

Die Note danach: 5 für den Tatort + 0,5 Extra* = 5.5
Man kann dem Film durchaus vorwerfen, dass es ihm an einer gewissen Tiefe fehlt. Die Figuren sind immer nur am Agieren (Austicken, Saufen, Streiten, Töten...), was sie jedoch dazu treibt, wird komplett ignoriert. Das macht sie für uns Zuschauer natürlich etwas unnahbar. Schade, denn die Machart fand ich wirklich grandios. War genau nach Barometer-Gusto.
Aber je länger der Tatort dauerte, desto weniger fragte ich mich, warum sie tun, was sie tun. Für mich spielte es irgendwann keine Rolle mehr. Also eine gute 5.
*Zudem kommt eine 0.5 Note als Extrapunkt dazu. Diese hat der Tatort der Ex-Frau des Mörders zu verdanken. Die Szenen mit ihr waren absolut fantastisch. Streit mit ihrem Ex-Man am Anfang und als die Polizei bei ihr war. Absolut genial, selbst als Nebendarstellerin spielte die alle und alles an die Wand. Selten sieht man im Deutschen Fernsehen so authentisches Schauspiel! Halleluja!!!

Wünsche einen schönen Sommer!
Euer Barometer

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11. Juni 2017

Tatort: Level X (Dresden)


- Aller guten Dinge sind drei! -
Zum guten Glück, für das neue Tatort-Team aus Dresden. Wären nämlich aller guten Dinge nur zwei, wäre dieses Experiment aus dem Osten für mich bereits gestorben. Die erste Folge im Milieu der Volksmusik fand ich ganz ansprechend, teilweise richtig gut, aber die Nummer Zwei mit dem Obdachlosen-Chasperlitheater war unter aller Sau. Für einen neu entwickelten Tatort wirklich der Supergau.
Ein guter und ein miserabler Tatort also. Eigentlich ganz interessante Kommissarinnen, aber ein Team, welches sich nicht entscheiden konnte, ob es eher lustig oder eher ernst daherkommen soll. Vieles noch neu, vieles noch ungeformt und nun kommt Folge Drei. Quasi die alles entscheidende Folge Drei. Diese Folge wird uns zeigen, in welche Richtung Dresden reisen wird.
War der güldene Schlager-Einstieg ein purer Sonntagstreffer? Oder war die desolate Penner-Chose ein einmaliger Aussetzer? Mit Folge Drei werden wir einen ersten klaren Anhaltpunkt kriegen, auf welchem Niveau sich Dresden zukünftig bewegen wird.
Als Barometer ist das Vorrausschauen unter diesen Umständen natürlich schier unmöglich. Es gibt kaum etwas, woran man sich verlässlich halten könnte. Aus zwei solch unterschiedlichen Krimis lassen sich eigentlich nur ganz vage Schlüsse ziehen. Darum möchte ich jetzt erst einmal einen Experten zitieren, welcher sich der Problematik angenommen hat.

„Also wenn man die Gruppe genau anschaut und ein bisschen mit den Punkten rechnet, dann glaube ich, dass man die Färöer Inseln schlagen muss, wenn man Gruppensieger werden will“.
Alain Sutter, SRF Experte

Ja, Alain. Ich denke, da liegst du richtig. Wenn ich ein bisschen rechne und die Situation so anschaue, dann glaube ich auch, dass Dresden jetzt einfach einen rauslassen muss, wenn es in der Barometer-Rangliste gegen oben klettern will. Absolut.
Diese Analyse ist zwar pfefferscharf, bringt mich aber kaum weiter. Dass sie sollten, ist schon klar, aber ob sie es auch wirklich tun, weiss ich natürlich noch immer nicht.
Und auch die Kritiken für diese neue Folge scheinen ambivalent. Von „gut“ bis „schlecht“ ist alles dabei.
Ich bin ja nach wie vor der Meinung, dass ein neues Team zwingend an der Tabellenspitze einsteigen müsste, da man mit all dem heutigen Wissen und all der Qualität, die in Deutschland durchaus vorhanden wäre, quasi von Feld Eins aus eine geniale Sache erschaffen kann. Das muss doch für jede Autorin und für jeden Autoren das absolut Grösste sein! Das Allerbeste, was einem passieren kann. Da musst du doch deinen letzten kreativen Tropfen rauspressen, deine ganze Seele auf den Tisch kotzen und am Ende eine absolute Granate erschaffen. Aber irgendwie macht es den Anschein, dass sich die Fernsehmacher heutzutage gerne mit Mittelmass - oder gar noch weniger - zufrieden geben und sich somit die meisten neuen Tatort-Teams irgendwo zwischen Langeweile und Bullshit einpendeln.
Und je mehr ich mich nun mit diesem Tatort beschäftige, desto klarer wird mir, dass das auch mit Dresden so geschehen wird. Nach Volksmusik und Clochard macht man sich nun an die Youtube-Star Generation. Wir alle wissen, dass beim Versuch sich an die Internet-Jugend zu wagen, noch ein jeder Tatort gescheitert ist. Einen Mord live im Netz wird es geben, der kleeene (von uns fast verprügelte) Ochsenknecht hält seine Fresse auch mal wieder rein und gleichzeitig soll das alles auch noch mit einem Schuss Religion angereichert werden. Ääähh?!?
Greise Autoren, Gottes Prediger und Social Media-Kinder... bisschen viel Fremdschäm-Potential auf einmal. Zudem wissen wir jetzt auch, warum man bei der einen Kommissarin einen Problemsohn mit krassem Butterflymesser eingebaut hat. Der wird in dieser Folge sicher seinen Auftritt kriegen. Einer muss ja der planlosen Mama sagen, wie die neue Welt funktioniert.
Irgendwie scheint die Richtung nun doch viel klarer, als ich anfangs angenommen habe...

Erwartungs-Barometer: 3

Nach einer sehr guten und einer dramatisch schlechten Folge, scheint sich der Tatort aus Dresden nun entschieden zu haben: „Wir halten uns an Folge Zwei, machen es wie die meisten andern und werden einfach nur peinlich.“
Hätte man doch gscheiter auf den Alain hören sollen.

1 = Tatort und Youtube
6 = Tatort und Rentner

Die Note danach: 2 bis 5
Ui, die Bewertung ist ja wesentlich komplexer als gedacht. Auch im Tatort ist nicht immer alles nur gut oder schlecht.
Von unfassbar peinlichen Szenen, bis zu richtig packenden Momenten, war da irgendwie alles mit dabei. Von miserablen Darstellern, bis ganz grosses Schauspiel-Kino. Von lächerlichen Internet-Momenten, bis erstaunlich gut umgesetztem YouTube-Fernsehen. 
Wir müssen auf die 4. Folge warten, um  zu sehen, in welche Richtung es wirklich gehen wird.

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